"Star-Strip" auf der Weltraum-Bühne - scinexx | Das Wissensmagazin
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Dem Rätsel der blauen Sonnen auf der Spur

„Star-Strip“ auf der Weltraum-Bühne

Sternhaufen M 15 © 2 mass

Vor mehreren Jahren schon machten Wissenschaftler mit dem Hubble-Teleskop eine verblüffende Entdeckung. Die hervorragende Optik des Instruments ermöglichte erstmals, die Kernregionen des zirka 30.000 Lichtjahre entfernten kugelförmigen Sternhaufens M 15 im Pegasus in Einzelsterne aufzulösen. Und das heißt schon etwas, denn M 15 gilt als einer der am stärksten verdichteten Vertreter seiner Klasse.

Die Forscher fanden dabei eine völlig neue Gruppe von Sonnen, die einige ungewöhnliche Eigenschaften besitzen. Vor allem ihre extreme Oberflächentemperatur fiel den Leuten von »Hubble« auf. Rund 15 der heißen, blauen Sonnen erreichten über 33.000 Grad Celsius. Wer oder was hatte sie so »heiß gemacht«? Sie mussten eine gemeinsame Geschichte haben, wofür auch ihre Position im Haufen spricht. Allesamt finden sie sich im Umkreis von nur einem Lichtjahr um den Kern von M 15 versammelt, wobei wiederum 90 Prozent sich in der Mitte dieses für kosmische Verhältnisse sehr engen Raumes aufhalten.

Die an der Untersuchung beteiligten Astrophysiker Francesco Paresce und Guido De Marchi kamen, nachdem sie alle anderen Möglichkeiten überprüft hatten, zu einem interessanten Schluss: »Als wir damit begannen, uns zu fragen, was wir da vor uns hatten, wurde uns klar, dass diese Sterne zu den ersten je beobachteten zählen, die gewissermaßen ausgezogen worden sind.« Hier, in dieser von Sternen übermäßig dicht besetzten Zone, mussten tatsächlich andere Sonnen während enger Vorübergänge einen so kräftigen Schwerkraft-Sog ausgeübt haben, dass sie ihre »Kollegen« entkleideten. Sie beraubten sie offenbar ihrer äußeren Gashüllen und verschlangen sie in einem Akt von Kannibalismus.

Ursprünglich müssen die Opfer Rote Riesen gewesen sein, in deren Inneren spätere Phasen der Kernfusion ablaufen, während die ausgedehnten, dünnen Atmosphären gravitativ nur relativ schwach gebunden sind. Ein gewöhnlicher Hauptreihenstern, der an einem solchen Riesen vorbeizieht, könnte die kühlere Gashülle wegreißen und damit den gleißenden Atomofen im Inneren jenes am Ende seiner Entwicklung stehenden Giganten entblößen. Diese »Kannibalen« fielen also über ihre Artgenossen her und verstümmelten sie, ließen sie aber am Leben.

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Stand: 07.07.2001

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Kannibalen im Kosmos
Fressen und Gefressen werden im Weltall

Facts
Das Wichtigste in Kürze

Das große Fressen
Kannibalismus statt "Sphärenharmonie"

"Star-Strip" auf der Weltraum-Bühne
Dem Rätsel der blauen Sonnen auf der Spur

Eine alltägliche "Unart"...
Materieklau in Doppelsternsystemen

Wenn "Materiemonster" zuschlagen
Schwarze Löcher als Kannibalen

Centaurus A
Galaxie mit »Bauchbinde«

Galaxien als kosmischer Multimix
Antennengalaxie und "Stephans-Quintett"

Schwerkraft-Gerangel im galaktischen Maßstab
Neues über "Hickson 87"

»Hot Jupiters« statt »Hot Dogs«
Wenn Sterne ihre Planeten verschlingen

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