Städte aus dem Nichts - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Städte aus dem Nichts

Der Beginn der Indus-Kultur

Alles begann vor tausenden von Jahren im fruchtbaren Becken des Indus-Stroms: Relikte aus der Steinzeit zeigen, dass dort schon vor rund 10.000 Jahren Jäger und Sammler damit begannen, sesshaft zu werden und die ersten Tiere und Pflanzen zu domestizieren. Ab etwa 6500 vor Christus züchteten sie Rinder und bauten Weizen an, später auch andere Nutzpflanzen – eine zunächst ganz normale Ackerbau-Kultur.

Die größten Städte der Harappa (rot) konzentrierten vor mehr als 4.000 Jahren in den einst fruchtbaren Ebenen östlich des Indus, heute ist die Hauptwasserader dieses Gebiet, das Ghaggra-Hakra-Flusssystem, ausgetrocknet und die Region eine Wüste. © Liviu Giosan, Woods Hole Oceanographic Institution; Stefan Constantinescu, University of Bucharest; James P.M. Syvitski, University of Colorado.

Vom Bauernland zur Stadtkultur

Doch dann kam der große Wandel: Scheinbar aus dem Nichts entstanden um 2600 vor Christus plötzlich an verschiedenen Stellen des Indus-Beckens große Städte mit mehreren tausend Einwohnern. Vor allem zwei dieser urbanen Zentren sind es, Harappa und Mohenjo Daro, die den Archäologen einen ersten Einblick in diese rätselhafte Zivilisation und ihre Kultur gegeben haben.

Erstaunlicherweise ähnelt sich der Aufbau der Indus- Städte so sehr, dass sie wie auf den Reißbrett entworfen erscheinen. Wie Ausgrabungen zeigen, folgten die Gebäude und Straßen in ihnen einer strengen geometrischen Struktur – verblüffend ähnlich den Stadtvierteln moderner Großstädte. Ähnlich wie bei einem Schachbrett verliefen breite Alleen parallel in Nord-Südrichtung, kleinere Straßen kreuzten sie jeweils im rechten Winkel.

Genormte Gebäude und ein großes Gemeinschaftsbad: Die Stadt Mohenjo Daro © Saqib Qayyum / CC-by-sa 3.0

Genormte Architektur

Die Häuser in den Wohnvierteln waren geräumig und hatten alle einen relativ einheitlichen, rechteckigen Grundriss. Eher gleichförmig war auch ihr äußerer Anblick: Im Gegensatz zu den aus Mesopotamien bekannten Monumentalbauten, herrschte in Mohenjo Daro und Harappa eher praktische Sachlichkeit. Paläste oder große Tempel gab es nicht. Die meist aus gebrannten Lehmziegeln errichteten Gebäude waren alle nach ähnlichem Muster gebaut: Durch einen Vorraum gelangte man oft in einen Innenhof, um den die restlichen Räume angeordnet waren. Einige Häuser besaßen noch ein zweites Stockwerk, bei anderen boten Dachterrassen im Obergeschoss zusätzlichen Raum.

Wegen dieser erstaunlich zweckmäßigen, einheitlichen Struktur und Architektur gehen einige Forscher davon aus, dass die Indus-Kultur vielleicht sogar die erste Zivilisation gewesen sein könnte, die so etwas wie eine übergeordnete Städteplanung besaß.

Anzeige

Brunnen, Kanäle und eine Badeplattform in Harappa. © Obed Suhail / CC-by-sa 3.0

Wasser aus der Leitung und zentrale Kanalisation

Und auch die restliche Infrastruktur dieser Bronzezeit-Städte war verblüffend modern. So gab es dort schon vor fast 4.000 Jahren eine ausgefeilte Wasserversorgung und Kanalisation: In Mohenjo Daro gab es einen zentralen Brunnen und ein öffentliches Bad. Viele Bewohner bezogen aber ihr Trinkwasser über einen etwas kleineren, aus Lehmziegeln gemauerten Brunnen im eigenen Haus. Vermutlich gab es sogar Leitungen, über die Frischwasser in die Gebäude geführt wurde. Ausgrabungen zeigen, dass das Abwasser aus den Häusern über Tonröhren in die städtische Kanalisation floss – mit Ziegeln überdeckte Abwasserkanäle, die entlang der größeren Straßen verliefen.

Zum Schutz vor Überschwemmungen war ein Großteil von Mohenjo Daro auf einem Plateau errichtet, vor Angriffen schützen Wachtürme und Befestigungen am Südrand der Stadt. Neben den Wohngebäuden gab es in den Städten auch Verwaltungs- und/oder Vorratsgebäude und zahlreiche Werkstätten, wie Funde von Rohmaterialien für die Schmuckherstellung und zahlreiche Perlen belegen. Da einige dieser Rohstoffe im Industal nicht vorkamen, sondern nur in Zentralasien und anderen weiter entfernten Regionen, müssen sie von dort importiert worden sein – ein Hinweis auf das ausgedehnte Handelsnetz, das die Indus-Kultur damals besaß.

  1. zurück
  2. 1
  3. |
  4. 2
  5. |
  6. 3
  7. |
  8. 4
  9. |
  10. 5
  11. |
  12. 6
  13. |
  14. 7
  15. |
  16. weiter

Nadja Podbregar
Stand: 09.05.2014

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Indus-Kultur
Rätsel um ein verschwundenes Riesenreich

Städte aus dem Nichts
Der Beginn der Indus-Kultur

Genormte Gesellschaft
Feste Maßeinheiten und Referenzgewichte

Geheimnisvolle Zeichen
Die nicht entschlüsselte Schrift der Indus-Kultur

Ein Reich des Friedens…
…oder doch nicht?

Das Ende
Was brachte die Hochkultur am Indus zu Fall?

Januskopf Klima
War der Monsun schuld am Untergang der Indus-Kultur?

Diaschauen zum Thema

News zum Thema

Klimawandel führte zum Niedergang der Indus-Hochkultur
Nach Osten wandernder Monsun zwang bronzezeitliche Städtebauer zur Aufgabe

Rätselhafte Indus-Hieroglyphen doch eine echte Schrift?
Mathematisches Modell enthüllt feste Muster in den Symbolfolgen der Indus-Kultur

Dossiers zum Thema

Anzeige
Anzeige