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Spuren vom Ende einer Ära

Politischer Konflikt im materiellen Befund

Bei der Untersuchung der Hohepriester-Grabtempel in der Nekropole Dra‘ Abu el-Naga stießen die Archäologen des Deutschen Archäologen Instituts auf ein weiteres Anzeichen für politisch-religiöse Umbrüche: Die Grabtempel der Amun-Hohepriester Ramsesnacht und Amenophis wurden am Ende des Neuen Reiches absichtlich zerstört.

TRümmer
Sandsteintrümmer und leere Säulenbasis im ersten Vorhof des Grabes K93.12. Amenophis. © S. Michels/ DAI

Davon zeugt die in beiden Anlagen nahezu flächendeckende Schicht aus Sandsteintrümmern, die auf dem Boden des damaligen Hofes liegt. Sie besteht aus tausenden Fragmenten der zerschlagenen Wandverkleidung und Architekturteile, von denen viele eindeutige sekundären Meißelspuren aufweisen.

Zeugnisse für den „Krieg des Hohepriesters“

Dieser Befund lässt sich mit einer historischen Ereignisfolge verbinden, die zugleich das Ende des Neuen Reiches markiert, nämlich dem sogenannten „Angriff gegen Amenophis“ beziehungsweise dem „Krieg des Hohepriesters“ um 1085 vor Christus. Dabei kam es während des 17. und 18. Regierungsjahrs von Ramses XI. zu einem gewaltsamen Konflikt zwischen Amenophis und Panehsi, dem Truppenführer und Verwalter der nubischen Provinzen. Wann genau dies passierte und wie dieser Konflikt ablief, ist aber unklar, weil dieses Ereignis nur in wenigen Schriftquellen erwähnt wird.

Mit dem materiellen Befund in den Grabanlagen K93.11/K93.12 konnten nun auch aussagekräftige archäologische Daten in die umfangreiche Diskussion um die Ereignisse am Übergang von der 20. zur 21. Dynastie eingespeist werden. Sie bilden einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis der historischen Situation, die mit dem Tod des Amenophis und dem Ende der einflussreichen Ramsesnacht- Familie zur vollständigen Auflösung der lokalen Machtstruktur geführt hatte.

Programmatische „Wiedergeburt“ und Ende einer Dynastie

Dieser tiefe Einschnitt war der Ausgangspunkt eines politischen Neuanfangs, der damals auch programmatisch als solcher kenntlich gemacht wurde: In Jahr 19 seiner Regierungszeit lässt Pharao Ramses XI. eine neue Jahreszählung beginnen, die „Wiederholung der Geburt“. Diese Zählung, bei der das 19. Jahr von Ramses‘ Herrschaft als Jahr eins gezählt wurde, sollte für die Überwindung des instabilen Ausnahmezustands stehen. Sie endet mit dem Tod des Königs in dessen 29. Regierungsjahr.

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Mit dem Installieren einer neuen Hohepriester-Dynastie noch unter Ramses XI. wurde zudem die Grundlagen für die darauffolgende landesweite Reorganisation der Machtverhältnisse gelegt. Unter seinem Nachfolger, Smendes, vollzieht sich die Teilung Ägyptens in zwei politische und administrative Einheiten: Der südliche Teil wird vom thebanischen Hohepriester regiert, im nördlichen Landesteil herrschen die in Tanis residierenden libysch-stämmigen Könige der 21. Dynastie.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Krise im Alten Ägypten
Was archäologische Zeugnisse über das Ende einer Dynastie verraten

Indizien eines Niedergangs
Mangel und Konflikte am Ende des Neuen Reichs

Ein Fenster in die 20. Dynastie
Was das Grab des Hohepriesters Amenophis verrät

Spuren vom Ende einer Ära
Politischer Konflikt im materiellen Befund

Der spätbronzezeitliche Kollaps
Ägypten war nicht das einzige betroffene Reich

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