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Speicher, Freizeitort und Lebensraum

Wald dient nicht nur dem Klimaschutz

Einen Naturwald mit einem bewirtschafteten Wald zu vergleichen, ist immer eine wissenschaftliche Gratwanderung. Denn man muss viele Annahmen treffen, weil längst nicht alle Details erforscht sind. Dazu kommt, dass der Wald nicht nur dem Klimaschutz dient, sondern vielfältige Aufgaben erfüllt. So suchen die Menschen dort Erholung, wandern, fahren Rad oder joggen. Zudem speichert der Wald Wasser und verhindert dadurch Überschwemmungen. Im Hochsommer senkt er die Temperaturen durch Verdunstung.

Wald
Der Wald ist auch Erholungsgebiet und Lebensraum für Wild – und das kann ihn belasten. © Alexandrum79/ iStock.com

Und nicht zuletzt bieten Wälder vielen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum, darunter auch Rehen und Hirschen, die gerade jungen Bäumen gern die Triebe abfressen. Schulze kennt das alles aus eigener Erfahrung, denn er besitzt mehrere Waldstücke. „Ich habe den Wald erworben, weil ich ihn in meinem Ruhestand gerne gestalten wollte“, sagt der emeritierte Max-Planck-Direktor. Als Waldeigentümer hat er nicht nur die ökologischen, sondern auch die wirtschaftlichen und sozialen Aspekte der Waldbewirtschaftung kennengelernt.

Das Problem des Wilds

Auf seinem Handy zeigt Schulze das Foto eines kapitalen Hirschs auf einer Lichtung. Was jeden Städter entzücken würde, ist für ihn ein weiteres Problem: Es gibt zu viel Rotwild und zu viele Rehe. Große Räuber wie Bär oder Wolf, die helfen könnten, den Bestand zu dezimieren, wurden schon vor Jahrhunderten ausgerottet. Auch wenn der Wolf allmählich zurückkehrt und Luchse wieder in einigen Wäldern zu finden sind – auch in Schulzes –, gibt es zu wenige natürliche Feinde des Wildes.

Wenn es Waldbesitzern vor allem um die Jagd geht, füttern sie zudem im Winter die Tiere, die im restlichen Jahr die jungen Bäumen anknabbern. Das verhindert Schulze mit vielen Zäunen. Selbst intensive Bejagung begrenzt den Wildbestand nicht, weil in seinen relativ kleinen Wald immer wieder Tiere von außen einwandern. Aber es geht um mehr als Verbissschäden und rücksichtslose Mountainbiker.

Wie soll es weitergehen?

Letztlich geht es darum, wie man in Deutschland und Europa mit den Wäldern künftig umgehen soll. Im Forst zeichnet sich derzeit so etwas wie eine Zäsur ab. Auf der einen Seite sollen die Bäume dem Klimaschutz dienen, auf der anderen Seite setzt ihnen der Klimawandel immer mehr zu. Nach der deutschen Waldzustandserhebung 2019 war der Kronenzustand „noch nie so schlecht“. Nicht einmal ein Viertel der Bäume wies eine gesunde Krone auf.

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Borkenkäfer
Borkenkäfer setzen den ohnehin durch Trockenheit geschwächten Wäldern stark zu. © Davor Lovincic/ iStock.com

Die trockenen Sommer hinterlassen zunehmend ihre Spuren – und haben obendrein Langzeitfolgen. Der Biologe Ibisch spricht vom „physiologischen Gedächtnis“ der Bäume. Und beim Klimawandel zeichnet sich keine Entwarnung ab, im Gegenteil, die Temperaturen steigen weiter. Ibisch warnt davor, dass langfristig sogar vielerorts eine Waldsteppe mit hohem Grasanteil entstehen könnte. Schon heute vernichten Stürme, Borkenkäfer und Pilze ganze Wälder. Das viele Schadholz wiederum lässt die Holzpreise purzeln.

Den Waldbesitzern bereitet das große Sorgen – Pierre Ibisch spricht sogar von Panik. Viele von ihnen verramschen das Fichten-Schadholz nach China, um wenigstens etwas Geld zu verdienen, und fällen die Buchen, solange diese noch halbwegs gesund sind. Nach Angaben des Thünen-Instituts hat der Einschlag 2018 durch die Entnahme von Schadholz um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Im vergangenen Jahr hat er sich allerdings wieder halbwegs stabilisiert, wenn auch auf hohem Niveau.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Wald im Klimastreit
Welcher Wald kann am meisten für das Klima tun?

Retter und Opfer zugleich
Die Rolle des Waldes im Klimawandel

Von jungen und alten Bäumen
Warum Waldbewirtschaftung dem Klima nutzt

Streit um das CO2-Einsparpotenzial
Welchen Klimaeffekt hat welcher Wald?

Speicher, Freizeitort und Lebensraum
Wald dient nicht nur dem Klimaschutz

Eine gesellschaftliche Frage
Das Problem forstpolitischer Entscheidungen

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