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Social Distancing in Babylon

Quarantäne gab es schon damals

Wie schützt man sich gegen eine Ansteckung inmitten einer Epidemie? Auch in dieser Hinsicht handelte die Babylonier und Assyrier schon sehr ähnlich wie wir in Zeiten der Corona-Pandemie. Denn auch sie setzen auf Social Distancing und Quarantäne wie ihre Keilschrift-Aufzeichnungen belegen.

Ninive
Die Quarantäne von Kranken und sogar ganzer Haushalte und Städte gab es schon im babylonischen Reich, hier die Stadt Ninive. © British Museum/ historisch

Isolation für die kranke Hofdame

Ein Beispiel dafür findet sich in einigen auf Tontafeln verewigten Briefen aus der Zeit um 1775 vor Christus, die Archäologen bei Ausgrabungen in der westsyrischen Stadt Mari entdeckten. In einem dieser Briefe berichtet König Zimri-Lim seiner Frau von einer Hofdame, die trotz ihrer Erkrankung weiterhin engen Kontakt mit den anderen Frauen am Hof hatte.

Die Anweisungen des Königs für diesen Fall sind eindeutig und strikt: „Sie sollte nicht diese vielen Frauen um sich versammeln“, befielt der König. „Man stelle zudem sicher, dass keiner aus der Schale trinkt, aus der trinkt, keiner in ihrem Stuhl sitzt und keiner in dem Bett schläft, in dem sie liegt.“ Im Klartext ordnet Zimri-Lim damit sowohl eine Quarantäne als auch Schutzmaßnahmen gegenüber einer Ansteckung durch Kontakt mit möglicherweise kontaminierten Gegenständen an.

Mittels Amulett unter Quarantäne gestellt

Und auch die Quarantäne ganzer Haushalte und sogar die Abrieglung ganzer Städte waren im alten Mesopotamien bereits Teil der Seuchenabwehr. Wie für die Medizin jener Zeit üblich, war sie eng mit religiös-magischen Zeremonien verknüpft. War beispielsweise jemand in einem Haus erkrankt, konnte der Heilkundige das „Bit meseri“-Ritual vollziehen – „Haus der Einsperrung“. Dabei wurden magische Figuren und Symbole auf die Wände des Hauses gemalt, zuerst im Raum mit dem Krankenlager des Patienten, dann sukzessive auch in den anderen Räumen.

Zum Abschluss des Rituals wurden Amulette und Abbildungen von Schutzgeistern über der Tür des Hauses angebracht. Sie sollten einerseits die Insassen des Hauses vor weiteren krankmachenden Dämonen beschützen. Wie Historiker des Vorderasiatischen Museums in Berlin berichten, ist beispielsweise auf einem dieser Schutzamulette zu lesen: „Dem Haus, in dem diese Tafel platziert wird, soll, auch wenn Erra verärgert und die sieben Dämonen mordlustig sind, das Schwert der Pestilenz nicht nahekommen, sicher soll es sein.“ Erra galt ein Gott, der im Zorn die Welt mit Pest, Krieg und Krankheiten überzieht.

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Doch diese Amulette am Hauseingang hatten noch eine zweite Funktion: Sie signalisierten allen anderen Stadtbewohnern, dass hier ein Erkrankter wohnte und dass man sich besser fernhalten sollte. Im Prinzip waren diese Zeichen damit bereits eine Art Quarantäne-Warnzeichen.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Babylon und die Seuchen
Wie die Menschen im alten Mesopotamien Epidemien bekämpften

Siegeszug der Epidemien
Mit den ersten Städten kamen die Krankheiten

Im Bann der Dämonen
Was wussten die Babylonier über Infektionen?

Social Distancing in Babylon
Quarantäne gab es schon damals

Gegen die Kontamination
Babylonische Hygiene-Maßnahmen

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