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Seenlandschaften aus der Retorte

Rekultivierung ist „in“

12. August 2000, der Blausteinsee in der Nähe von Eschweiler. 13 Jahre nach dem Ende der Braunkohleförderung im Tagebau Zukunft-West feiert man hier eine feierliche Eröffnung. Denn das so genannte Restloch ist verschwunden und einem riesigen künstlichen See gewichen.

Blausteinsee bei Eschweiler © Bernd Brägelmann / GFDL

Wasser statt Kohle

Viel erinnert am Blausteinsee nicht mehr an die bergbauliche Vergangenheit des Gebietes. Bis 1987 wurden hier insgesamt 530 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert. Nun gibt es mitten im Rheinischen Braunkohlerevier, wo früher Schaufelradbagger, Radlader und Bandanlagen ihren Dienst Taten nur noch Wasser. 25 Millionen Kubikmeter genau genommen, in dem sich längst zahlreiche Tiere und Pflanzen breit gemacht haben. Krebse und Frösche leben dort, aber auch Fische wie Aale und Rotfedern.

Auch rund um den 100 Hektar großen und fast 50 Meter tiefen See lautet das Motto „Natur pur“. Extra angelegt wurde beispielsweise ein bis zu 130 Meter breiter abwechslungsreicher Grünstreifen, in dem verschiedene Bäume, Sträucher und Gräser wachsen und sich die verschiedensten Lebewesen tummeln.

Aber auch für den Menschen bietet das Gebiet des ehemaligen Tagebaurestlochs längst einige Attraktionen. Hier kann man tauchen, schwimmen, surfen, segeln. Zahlreiche Wander- und Radwege liegen heute dort, wo sich vor dem Braunkohleabbau Orte wie Langendorf, Lürken, oder Obermerz befanden.

Einer von Vielen

Doch Zukunft-West ist nur einer von vielen Tagebauen in Deutschland, die nach dem Ende des Braunkohlenabbaus rekultiviert wurden und auf denen am Reißbrett entworfene neue, künstliche Landschaften entstanden sind. Weiter gehören dazu die Brühler Seenplatte oder das immer weiter wachsende Leipziger Neuseenland.

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Letzteres war sogar als Wettkampfstätte für die am Ende dann doch nicht nach Leipzig vergebenen Olympischen Spiele 2012 fest eingeplant. Mindestens 17 Seen soll es am Ende dort geben. Der letzte und mit 840 Hektar größte, der Tagebausee Groitzsch, wird aber voraussichtlich erst 2060 vollständig mit Wasser gefüllt sein.

Braunkohlenbagger im Tagebau Hambach © Elsdorf-blog.de / GFDL

Tatort Hambach

Ein wahrscheinlich noch spektakuläres Projekt wartet am Tagebauch Hambach in Nordrhein-Westfalen. Noch bis zum Jahr 2040 gilt die Genehmigung zum Braunkohlenabbau. Danach soll auf dem geplünderten Gelände ein See der Superlative entstehen: mehr als 4.200 Hektar groß, 400 Meter tief und mit 3,6 Milliarden Kubikmeter Wasser gefüllt.

Das künstliche Gewässer würde die Top Ten der größten deutschen Seen ordentlich durcheinander bringen und Platz 2 nach dem Bodensee belegen. Der tiefste See hierzulande wäre er ohnehin- wenn er denn bis 2100 tatsächlich wie geplant realisiert wird.

Bergehalde Zeche Gotthelf, Dortmund © Gemeinfrei

Wo Licht ist, da ist auch Schatten

Menschengemachte Seen, Naherholungsgebiete aus der Retorte, neue grüne Berge, künstlerisch angehauchte Landmarken: Der Bergbau verändert die Landschaften in den Abbaugebieten und kann sie nach der Rekultivierung manchmal sogar bereichern. Immer wieder aber zeigt er auch noch Jahrzehnte nach dem Abbauende seine dunkle Seite…

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Stand: 12.06.2009

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

„Make-up“ für die Erde
Künstliche Landschaften

Das berühmteste Loch der Erde
The „Big Hole“ in Südafrika

Ein Mythos wird entschleiert
Streit um das Big Hole

Fenster in die Erde
Kupfer aus dem Tagebau

Abraumhalden und Luftverschmutzung
Chuquicamatas fatales Erbe

Jede Menge Kohle
Kohle-Tagebaue verändern nicht nur Europa

Berge von Menschenhand
Sophienhöhe, Halde Rheinpreußen und Deusenberg

Seenlandschaften aus der Retorte
Rekultivierung ist „in“

Krater aus dem Nichts
Gefährliche Tagesbrüche

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