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Schwarze Pest

Umweltprobleme am größten Binnensee der Welt

Das Kaspische Meer hat’s schwer. Seitdem in den letzten Jahren ein neuer Ölrausch in der Region ausgebrochen ist, bedrohen noch mehr Umweltgefahren als bisher das empfindliche Ökosystem des Sees und der umliegenden Feuchtgebiete.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen lassen sich auch bei modernster Technik Ölunfälle und Ölverschmutzungen kaum vermeiden. Viele alte Erdölfelder gerade in der Nähe von Baku oder anderen Hochburgen am Kaspischen Meer arbeiten jedoch mit überalterten, maroden Ausrüstungen und geben große Mengen an Ölrückständen in den Boden, das Grundwasser und direkt in den See ab.

Durch den seit mehr als 20 Jahren ansteigenden Wasserspiegel im Kaspischen Meer – so berichtete die renommierte Fachzeitschrift Nature bereits 1995 – werden viele Erdölfelder mittlerweile auch noch regelmäßig überflutet. Das Öl schwimmt dann in riesigen Lachen auf den Wogen des tidenlosen Binnensees oder lagert sich am Seegrund und an den Küsten ab. Um einen weiteren Anstieg des Kaspischen Meeres und die damit verbundenen Folgen zu verhindern, greifen die Politiker jetzt womöglich zu einer auf den ersten Blick utopisch klingenden Lösung. 500 Kilometer Kanal sollen vom Kaspischen Meer aus quer durch das riesige Urs-Urt-Plateau in Richtung Aralsee gebaut werden, um das Wasser in den langsam aber sicher austrocknenden See umzuleiten.

Schwerwiegende Folgen für das Kaspische Meer hat die in den letzten Jahren geradezu boomende Offshore-Ölindustrie. Bei der Erkundung und dem Abbau der riesigen Erdölquellen im Boden unter dem See, gelangt ein brisantes Gemisch aus Erdöl, Chemikalien und schlammiger Brühe in so großen Mengen in das Wasser, dass mancherorts der Kollaps droht. Muftakh Diarov, der langjährige Direktor des Research Center for Regional Environmental Problems berichtet beispielsweise, dass „die Verschmutzung des Kaspischen Meeres durch Abwasser mit hohen Konzentrationen an gefährlichen Substanzen durch das Erdölbohrschiff Sunkar bereits am Tag der Arbeitsaufnahme begonnen hat.“ Diarov weiter: „Die Analysen des Abwassers ergaben 180 mal so hohe Ammoniumsalz- und Nitratkonzentrationen wie erlaubt. Bei den Phenolen überstiegen die gemessene Werte die festgelegten Grenzen sogar um das 220-fache.“

Öl und Ölrückstände gelangen häufig genug aber auch über die zuführenden Flüsse in das Kaspische Meer. Nach Informationen von Greenpeace sorgten die Abwässer von mehr als 15.000 Erdölraffinerien beispielsweise in der Kaukasusrepublik Tschetschenien dafür, dass die Verunreinigungen des Flusses Terek in manchen Regionen die erlaubten Grenzwerte um das Tausendfache überschritten.

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Stand: 07.11.2001

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Kaspisches Meer
El Dorado für Rohstoffe oder Krisenregion?

Halb See, halb Ozean
Das Kaspische Meer

Der Kara-Bogaz-Gol
...das vielleicht salzigste Gewässer der Erde

Was hilft gegen Kamelräude?
Der erste Ölrausch

Traum vom Schlaraffenland
Der zweite Ölrausch

Rohstoffe im Überfluss
Vom Reichtum einer armen Region

Streit um das Erbe der Sowjetunion
Das Kaspische Meer und seine Anrainer

Krisenregion Kaspisches Meer?
Zwischen den Mühlsteinen der Politik

Peanuts oder El Dorado?
Rohstoffvorkommen in der Kaspi-Region

Pipelines, Pipelines, Pipelines
Wie kommt das Öl ans Meer?

Wimmelndes Leben inmitten der Wüste
Naturparadies Kaspisches Meer?

Schwimmende Delikatesse
Das Kaspische Meer und die Störe

Schwarze Pest
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Nicht nur das Meer hat's schwer...
Das giftige Erbe der Industrialisierung

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