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Schöne neue Welt mit Gen-Food?

Antibiotika-Resistenz in Pflanzen

Genetiker preisen gentechnisch veränderte Pflanzen oft mit so großer Begeisterung, dass man sich zuweilen fragt, wie die Menschheit bisher ohne diese Wunderpflanzen überleben konnte. Dagegen klingen Gegner der Gentechnik zuweilen so, als wäre mit einem Stop gentechnisch veränderter Lebensmittel alles Übel der Welt auf einen Schlag beseitigt.

Die Vorwürfe richten sich insbesondere gegen eingebaute Gene mit Antibiotika-Resistenz. Diese Technik ist weit verbreitet. Ein Plasmid – ein Stück ringförmiger DNA, die in das Bakterium eingeschleust werden kann – trägt die genetische Information, die auf die Pflanze übertragen werden soll, zum Beispiel eine Resistenz gegen Schädlinge. Diese Plasmide werden jetzt in Bakterien eingebracht. Allerdings nehmen bei einer solchen Transformation nicht alle Bakterien das Plasmid auf, sondern nur etwa eine von tausend.

Um diese eine Bakterienzelle unter den restlichen 999 herauszufinden, werden spezielle Markergene benötigt. Ein gebräuchliches Markergen trägt die Information für eine Apicillin-Resistenz. Werden nun nach der Transformation alle Bakterien auf ampicillinhaltigem Nährmedium gehalten, so können nur die Bakterien darauf überleben, die das Plasmid mit dem Markergen aufgenommen haben. Nur sie sind resistent gegen das Antibiotikum. Die einzigen Kulturen, die in den Petrischalen wachsen, tragen also das Plasmid und damit neben dem Markergen die gewünschte Resistenz gegen Schädlingsbefall. Mithilfe der Bakterien werden diese Plasmide dann auf pflanzliche Zellen übertragen.

Gegner der Gentechnik befürchten nun, dass die Plasmide mit der Information für eine Antibiotika-Resistenz über die Nahrung auch auf andere Bakterien übertragen werden könnten, zum Beispiel auf die unserer Darmflora. Würde dann wegen einer Krankheit ein Antibiotikum verabreicht, so wäre dies nicht mehr wirksam. Die Angst scheint durchaus berechtigt, denn auch in natürlich vorkommenden Bakterienkulturen werden Plasmide zwischen den Bakterien übertragen.

Aber gerade im Bereich der Gentechnik mischt sich häufig eine gewisse Hysterie in jede Diskussion. Was ist also dran an den zahlreichen Vorwürfen?

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Wissenschaftler kontern, dass mit der Nahrung aufgenommene DNA von der Magensäure abgebaut und inaktiviert wird. Damit seien die Gefahren, dass restistenztragende Gene in den Darm gelangen sehr gering. Aber selbst wenn die DNA den Darm erreicht, ist die Wahrscheinlichkeit extrem niedrig, dass das Gen tatsächlich von einem Bakterium aufgenommen und dann ins bakterielle Genom integriert wird. Aber die Erfahrung lehrt: Wenn etwas schiefgehen kann, dann geht es auch schief. Doch selbst dann, so argumentieren die Anhänger der Gentechnik, entstünde auf diese Weise nur ein weiteres resistentes Bakterium neben vielen schon bestehenden.

Tatsächlich können schon jetzt zahlreiche Infektionskrankheiten nicht mehr mit den üblichen Antibiotika behandelt werden. Und dies ist nicht die Schuld der Gentechnik, sondern vor allem durch den Einsatz von Antibiotika in Tierfutter und durch übertriebenen Einsatz in der Medizin verursacht. Doch selbst wenn die Gefahr durch „Gen-Nahrung“ verschwindend gering ist, sollten Alternativen genutzt werden, um das Risiko ganz auszuschalten. So ist es möglich, Markergene wieder zu entfernen, sobald die transformierten Bakterien identifiziert wurden. Ausserdem kann statt eines Markergens mit Antibiotika-Resistenz gerade bei Pflanzen auch eines mit Herbizid-Resistenz eingesetzt werden. Dies ist vielleicht eine Möglichkeit, das Problem zu entschärfen, zumal die Gefahr besteht, dass die Resistenz gegen Ampicillin durch Mutationen schnell auf andere, weit verbreitete Antibiotika erweitert wird.

Möglicherweise essen dann eines Tages auch die heutigen Gegner der Gentechnik irgendwann einmal mit Genuß ihr Popcorn aus Genmais.

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Stand: 15.06.2000

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