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Wie die Anpassung auf drei Ebenen funktioniert

Schneisen, Grün und Farben

Ist klar, wie das Klima einer Stadt im Detail aussieht, analysieren die Forscher, wo sich etwas verbessern lässt und welche Maßnahmen am besten dafür geeignet sind. Die Konzepte zur Anpassung einer Stadt an die zunehmenden Hitzeperioden setzen auf drei Ebenen an: auf der gesamtstädtischen Ebene, der Stadtviertelebene und der Gebäudeebene.

In den roten Gebieten der Klimakarte sind die Klimaanpassungsmaßnahmen am dringendsten. Türkis gepunktet: Frischluftschneisen und Luftleitbahnen, die freigehalten werden sollten, weil auf ihnen kühle Luft aus dem Umland in die Innenstadt gelangt © RUBIN / K.RUB

Gesamtstadt: Luftschneisen für mehr Kühlung

Bei der gesamtstädtischen Ebene überprüfen die Klimatologen die Belüftung der Stadt durch Luftschneisen aus dem Umland. „Man darf sich das nicht wie einen kräftigen Wind vorstellen, sondern eher wie eine Kriechströmung, die sehr sensibel reagiert“, erklärt Monika Steinrücke. Sie und ihre Kollegen untersuchen die Strömungen mithilfe von Nebelmaschinen. Diese stellen sie an Freiflächen im Stadtgebiet auf, wo die Luft kälter ist. Der Nebel kriecht langsam um jeden Grashalm und über jeden Hügel Richtung Stadt.

Schafft es die Strömung zum Beispiel über Bahnstrecken bis in das Innenstadtgebiet, kühlt sie dort die überhitzte Luft ab. Solche Schneisen zu ermöglichen und freizuhalten ist ein wichtiger Punkt in der Stadtplanung. Denn sogar Vegetation, insbesondere Bäume, an der falschen Stelle können die gesamte Frischluftströmung stoppen.

Parks und Teiche sorgen für Kühlung - hier in Sao Paulo. © freeimages

Im Viertel: Mehr Grün und mehr Wasser

Auf der nächsten Ebene, im Stadtviertel, geht es vor allem um Begrünung. Bäume liefern Schatten und verhindern, dass Straßen und Häuser sich aufheizen. Dadurch geben sie nachts weniger Wärme ab, und die Lufttemperatur sinkt. Grünflächen erfrischen ihre Umgebung auch dadurch, dass sie die Energie der Sonnenstrahlen verbrauchen und nicht wie Beton und Asphalt wieder abgeben.

Auch Wasserflächen in Form von künstlichen Bachläufen oder Springbrunnen wirken kühlend. „In der Innenstadt ist natürlich nicht immer Platz, um einen neuen Park anzulegen. Allerdings gibt es eine Alternative: Man kann Hausfassaden und Dächer begrünen“, erklärt Steinrücke

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Begrünte Dächer kühlöen Gebäude und auch die Umgebung. Hier ist Monika Steinrücke auf einem begrünten Dach der Ruhr-Universität Bochum zu sehen. © RUBIN / Nelle

Am Gebäude: Helle Farben, Dachgrün

Dies leitet direkt zur dritten Ebene über: den Gebäuden. Denn auch Dach- und Fassadenbegrünungen helfen, dass Häuser und Garagen die Hitze des Tages weniger speichern und die Luft eine Chance hat, nachts abzukühlen. Eine weitere Problematik, die den Stadtklimatologen immer öfter begegnet, sind ungünstige Fassadenfarben, Straßenbeläge und Dachabdeckungen.

Hier könnten deutsche Städte sich ein Beispiel an mediterranen Gegenden nehmen: Dort sind die Häuser weiß bis beige. Ein Haus mit zum Beispiel dunkelroter Fassade heizt im Sommer so stark auf, dass es nötig werden kann, Klimaanlagen zu installieren, um die Bewohnbarkeit während Hitzeperioden zu gewährleisten. „Und auch bei der Dachabdeckung und dem Straßenbelag gibt es Unterschiede: Rote Dachziegel speichern bedeutend weniger Wärme als schwarze, und heller statt dunkler Asphalt kann im Sommer eine Differenz von bis zu 20 Grad ausmachen“, sagt Steinrücke.

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RUBIN / Tabea Steinhauer, Ruhr-Universität Bochum
Stand: 27.06.2014

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Klimakur für die Stadt
Wie Forscher Städten helfen, sich an den Klimawandel anzupassen

Wärmeofen Stadt
Warum Städte ihr eigenes Klima schaffen

Heiße Zukunft
Städte müssen sich für den Klimawandel rüsten

Schneisen, Grün und Farben
Wie die Anpassung auf drei Ebenen funktioniert

Problemfall Starkregen
Wenn Straßen zu Flüssen werden

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