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Selbstreinigende Kleidung

Sauber von innen

Kleidung aus Wolle, Seide oder Hanf hat einen entscheidenden Nachteil: Sie wird schnell schmutzig und die Flecken sind oft nicht so leicht wieder zu entfernen. Bis jetzt. Denn australische Wissenschaftler um Walid Daoud von der Monash Universität in Melbourne haben die Naturstoffe im März 2008 mithilfe der Nanotechnologie so verändert, dass sie sich im Sonnenlicht selbst von unangenehmen Gerüchen oder Schmutz befreien.

Rotweinflecken ade

Rotwein macht Flecken © André Karwath/ Creative Commons 2.5

Selbst äußerst hartnäckiger Schmutzt verschwindet darauf wie von Geisterhand. Dies zeigte zumindest ein Experiment bei dem Daoud zusammen mit einigen Kollegen nanobeschichtete und normale Kleidungsstücke aus Wolle mit Rotwein verunzierte.

„Nach 20 Stunden Aufenthalt in simuliertem Sonnenlicht zeigten die beschichteten Textilien fast keine Rückstände mehr von Rotweinflecken, während die unbehandelten Produkte noch immer tief verschmutzt waren“, so Daoud in der Fachzeitschrift „Chemistry of Materials“

Haut und Wolle sind immun

Doch was ist das Geheimnis hinter dieser ungewöhnlichen Selbstreinigungskraft? Simples Titandioxid (TiO2), ein Farbpigment, das als Titanweiß bereits seit fast 100 Jahren bekannt ist. Es wird aber auch als Druckfarbe oder als Färbemittel von Kunststoffen verwendet. Was aber genau ist der Trick bei der Sache? Das Titandioxid besitzt eine starke fotooxidierende Wirkung. Unter dem Einfluss von Sonnenlicht entstehen Radikale, die Schmutz oder die Zellwände von Bakterien zerfallen lassen, die Haut oder den Woll- oder Seidenstoff selbst aber nicht angreifen.

Der schwierigste Teil der Arbeit bestand für die Wissenschaftler darin die Nanobeschichtung dauerhaft haltbar an den Naturstoffen zu verankern. „Ein keramisches anorganisches Material auf organische Fasern aus Keratinproteinen wie bei Wolle, Seide oder Spinnenseide aufzutragen, war eine Herausforderung“, so Daoud. Schließlich gelang es den Forschern aber doch, mit einer besonderen chemischen Reaktion die Oberfläche der Fasern zu aktivieren und die Titandioxid-Kristalle fest „anzukleben“.

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Seide bleibt seidig

Die neue Funktionsbeschichtung ist weder giftig, noch verändern die Kristalle die Eigenschaften der Textilien. Auch eine nanobeschichte Seidenkrawatte, wird sich daher nach wie vor „seidig“ anfühlen, so die Forscher. Bis erste Produkte mit der innovativen Anti-Schmutztechnologie auf den Markt kommen, wird es vermutlich aber noch ein bisschen dauern. Zunächst müssen noch einige weitere Tests absolviert werden.

Daoud ist sich aber schon jetzt sicher: „Ich glaube, dass die selbstreinigende Eigenschaft bei den Textilien der Zukunft und anderen häufig gebrauchten Materialien zum Standard gehören wird – um die Hygiene zu erhalten und die Ausbreitung von gefährlichen Erregern zu verhindern.“

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Stand: 18.04.2008

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Intelligente Kleidung
Hightech-Textilien auf dem Vormarsch

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Wenn Jacken intelligent werden
„Smart clothes“ und „functional wear“ vor dem Boom

Frieren verboten
Heizbare Handschuhe und wärmende Unterwäsche

Synthese von Textilien und Elektronik
Miniaturisierung ist Trumpf

Gekauft wird was gefällt
Kleidung muss chic, trendy und intelligent sein

Eisjacken als Doping
Hightech macht Sportler leistungsfähiger

Sauber von innen
Selbstreinigende Kleidung

„Must have“ oder teurer Schnickschnack
Ein Fazit

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