Sandstrahlgebläse in Aktion - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Sandstrahlgebläse in Aktion

Winderosion als Formgeber

Weht der Wind stark und stetig genug, schafft er es selbst harten Fels im Laufe der Zeit abzuschleifen. Bei diesem Windschliff, auch Korrasion genannt, wirkt weniger der Wind selbst, als vielmehr die vielen kleinen von ihm transportierten Sand- und Staubkörner. Wie kleine Geschosse prallen sie auf die feste Oberfläche eines Steins oder Felsens und schmirgeln seine Oberfläche ab. Ähnlich wie bei einem Sandstrahlgebläse wird das Material dabei glatt geschliffen, vorstehende Grate und Kanten werden gerundet.

{1l}

Pilze und Tropfen aus Stein

Je nachdem, wo der Wind dabei am stärksten ansetzt und wo das Material am weichsten ist, können so ganz unterschiedliche, teilweise bizarre Formen entstehen. Bei den so genannten Pilzfelsen etwa wirkt die Winderosion besonders stark an der Basis des Gesteins, weil hier der Wind größere Partikel transportieren kann als weiter oben. Dadurch ist die Schmirgelwirkung in Bodennähe entsprechend stärker. Im Laufe der Zeit präpariert der Wind so einen schmalen Fuß mit einem breiteren „Kopf“ heraus. Wird die Last des überhängenden Felsens zu groß für die tragende Säule, bricht diese ab.

Eine weitere ungewöhnliche Feldformation beschrieb schon der Forschungsreisende Sven Hedin 1903: In der chinesischen Wüste Lop Nor ragen aufällig tropfenförmige, hell gelblich-bräunliche Sandsteinformen aus einer flachen, schwarzen Wüstenlandschaft heraus. Sie sind einige dutzend Meter breit und bis zu einem Kilometer lang. Diese sogenannten Yardangs sind ebenfalls ein Produkt des Windschliffs.

Der Window Rock, eine Felsformation nahe des gleichnamigen Orts im Apache County, Arizona, ist ein 60 Meter hoher Sandstein-Yardang mit einem vom Wind ausgehöhlten runden Loch. © Ben FrantzDale/GFDL

Ihre steile Vorderseite wurde durch das direkte Aufprallen von Sandkörnern zu einer steilen, abgerundeten Wand abgeschmirgelt. Dort, wo die Luftströmungen auf der Rückseite wieder aufeinandertreffen, bilden sich Wirbel, die die langgezogene Rückseite der Yardangs formen. Die Yardangs der Lop Nor dienten unter anderem in den chinesischen Spielfilmen „Hero“ und „The Touch“ als Filmkulisse.

Anzeige

Der Windschliff formt aber nicht nur herausragende Formationen oder Steine. Im Zusammenspiel mit der Verwitterung vertieft er auch bereits bestehende Hohlräume in Felswänden. Im Extremfall entstehen dadurch aus unterschiedlich widerstandsfähigen Gesteinsschichten so bizarre Steinskulpturen wie beispielsweise die steinernen Torbögen oder die hoch aufragenden kantigen Säulen in den Canyonlands im Südwesten der USA.

  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. 7
  16. |
  17. weiter

Nadja Podbnregar
Stand: 04.05.2012

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Der unsichtbare Baumeister
Wind als Urheber von Staubstürmen, Singdünen und Felsskulpturen

Sturm und Staub
Der Wind als Transportmittel

Springende Körner
Wie Dünen entstehen

Das Geheimnis der singenden Dünen
Wie entstehen die Töne im Sand?

Flächendeckend hingeweht
Löss - fruchtbares Geschenk des Windes

Treibsand
Wenn Sand zur Falle wird

Sandstrahlgebläse in Aktion
Winderosion als Formgeber

Diaschauen zum Thema

News zum Thema

Sand der Namib ist älter als eine Million Jahre
Isotopenanalyse belegt Überdauern der Sandwüste auch durch Klimawechsel hindurch

Versandung trifft auch Naturparadiese
Forscher untersuchen Sedimente im Kruger- Nationalpark

Geheimnis der Sandburgen gelüftet
Tiefe Einblicke in die komplexe Struktur feuchter Granulate gewonnen

Wie wirken Sahara- Staubstürme auf das Klima?
Großexperiment mit mehrwöchiger Datensammlung am Rande der Sahara beendet

Dossiers zum Thema

Löss - Staub als Klimaarchiv

Böden - Die dünne Haut der Erde

Anzeige
Anzeige