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Salto-Rückwärts in Sachen Wald?

Wiederaufforstung macht Probleme

Bergwald in Nepal (Herbst) © Evert Wesker

Die drohende ökologische Katastrophe auf dem Dach der Welt ist längst kein Geheimnis mehr. Umweltschutzorganisationen, Wissenschaftler und Politiker der betroffenen Nationen haben schon vor einigen Jahren die Bedrohung des Paradieses erkannt und versuchen seitdem mit den verschiedensten Projekten die Situation wieder in den Griff zu bekommen.

In Nepal beispielsweise stehen mittlerweile viele der letzten Monsunregenwälder unter strengen Schutz. Forscher aus der ganzen Welt, darunter auch Biologen und Geowissenschaftler aus Deutschland, versuchen die Wunden in der Natur zu beseitigen und den Wald wieder aufzuforsten. Dazu ist allerdings zunächst viel Grundlagenforschung nötig.

Wiederaufforstung im Visier der Forscher

Mit den kümmerlichen Überresten der heiligen Wacholderwälder in Tibet beschäftigt sich beispielsweise ein Projekt der Universität Marburg. Zusammen mit Kollegen der Universität Lhasa suchen die Wissenschaftler in einem Freilandexperiment nach Möglichkeiten, um Trockengebiete in der Region wieder in rauschende Wälder zu verwandeln.

Die Forscher wollen zeigen, dass an extreme Bedingungen angepasste Koniferen in der Lage sind, solche lebensfeindlichen Zonen neu zu besiedeln. Der ökologische „Salto-Rückwärts“ beim Wald kann allerdings wohl nur funktionieren, wenn der Mensch und sein Zuchtvieh mitspielen und die Aufbauarbeit der Natur und der Wissenschaftler nicht stören.

Doch nicht nur die Wiederaufforstung von heute wüstenähnlichen Gebieten steht auf dem Fahrplan der Forscher. Marburger Biologen und Geowissenschaftler wollen auch eine Inventur bei noch von Menschen ungestörten Wäldern und Pflanzengesellschaften durchführen, weil es darüber noch viel zu wenige Erkenntnisse gibt.

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Die Forscher der Arbeitsgemeinschaft für vergleichende Hochgebirgsforschung der Universität Marburg haben das ideale Territorium für ihre Untersuchungen bereits gefunden. Ein bis vor kurzem für Fremde verbotenes Gebiet zwischen 1.000 und 5.000 Metern Höhe innerhalb der Staatsgrenzen Bhutans. Nach längerem Zögern hatte die Regierung Bhutans 1998 ihr o.k. für den Start des Projektes im Südost-Himalaya gegeben.

Nie wieder „singende“ Wälder?

Hochgebirgsregion in Bhutan © Evert Wesker

Doch trotz der vielen Forschungsprojekte wird die Aufforstung der vom Kahlschlag betroffenen Gebirgshänge und -täler bisher vielerorts – wenn überhaupt -, nur halbherzig in Angriff genommen. Schuld daran sind unter anderem die zum Teil extrem steilen Hänge, die die Neuansiedlung von Bäumen fast unmöglich machen. Und selbst dort, wo mit der massiven Wiederaufforstung längst begonnen wurde, kann es Jahrzehnte dauern, bis die Maßnahmen zu wirken beginnen.

Für Tibet beispielsweise zeichnet der Umweltbericht 2003 ein düsteres Szenario. „Aufgrund der Höhenlage und der harten klimatischen Bedingungen des Hochplateaus ist die Abholzung meistens irreversibel und folglich stellt die Wiederaufforstung eine enorme Herausforderung dar“, so die Umweltschützer.

China selbst geht davon aus, dass es rund 50 Jahre dauern wird, bis sich erste Erfolge durch die Neuanpflanzungen einstellen. Das liegt auch daran, dass die von den Chinesen zur Restaurierung der tibetischen Wälder eingesetzten Mitteln aus der Sicht von Ökologen und Umweltschützern völlig ungeeignet sind. So beschränkt man sich beispielsweise in der Provinz Sichuan im Westen Tibets darauf Samen aus Flugzeugen auszustreuen und dann darauf zu hoffen, dass die Natur den Rest von alleine erledigt.

Und noch eine andere Beobachtung macht den Umweltschützern sorgen. Trotz eines 1998 von der chinesischen Regierung erlassenen Abholzungsverbots, geht das Fällen von Bäumen munter weiter – nur halt illegal. Teilweise sogar durch staatliche Betriebe…

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Stand: 16.09.2005

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Inhalt des Dossiers

High-Noon im Himalaya
Umweltsünden auf dem Dach der Welt

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