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Riesen aus dem Ei

Der besondere Lebenszyklus der Sauropoden

Beim Anblick imposanter Skelettrekonstruktionen wie in den Naturkundemuseen von Berlin oder New York kann man leicht vergessen, dass auch diese Giganten mal aus einem kleinen Ei geschlüpft sind. Doch es war ein harter Start ins Leben: Die Sauropoden-Mutter legte ihre Eier in einem großen Gelege ab, bedeckte es womöglich noch mit Pflanzenmaterial und überließ die Kleinen dann ihrem Schicksal. Ähnlich wie bei heutigen Meeresschildkröten. Diese Strategie, gepaart mit dem schnellen Wachstum der Jungtiere, war ebenfalls ein Faktor, der ihren Gigantismus erst ermöglichte.

Meeresschildkröten
Wie moderne Meeresschildkröten setzten auch Sauropoden auf zahlreichen Nachwuchs. © U.S. Fish and Wildlife Service

Nachkommen gegen das Aussterben

Große Sauropoden könnten bis zu 400 Eier pro Jahr gelegt haben. Viele Jungtiere fielen allerdings Räubern zum Opfer. Diejenigen, die überlebten, zeugten wahrscheinlich erst im Alter von zwanzig bis dreißig Jahren selbst Nachkommen. Durch die große Zahl an Eiern glichen die Sauropoden dies möglicherweise aus und minimierten so das Risiko auszusterben. Dank des reichlichen Nachschubs an neuen Tieren hätten sich dezimierte Populationen nämlich schnell wieder erholen können.

Doch nicht nur das: Wenn Sauropoden auf ihrem Weg zum Riesen verschiedene Körpergrößen durchlebten, waren diese verschiedenen Stadien vermutlich auch mit wechselnden Lebensräumen verbunden. Während ausgewachsene Sauropoden wahrscheinlich in der weitläufigen Steppe lebten, könnten sich Jungtiere noch im Unterholz von Wäldern versteckt gehalten haben. Paläontologen nehmen an, dass Sauropoden mit dieser altersbedingten Nischenbesetzung gut aufgestellt waren, falls es zu Umweltstörungen wie Trockenheit oder Bränden kam. So wäre das Überleben der Art als Ganzes auch bei wechselnden Umweltbedingungen gesichert gewesen.

So schnell wie möglich hoch hinaus

Doch gerade jüngere Lebensstadien hatten so ihre Tücken. Ihre Körpergröße schützte Sauropoden schließlich nur dann effektiv vor Räubern, wenn sie sie möglichst schnell erreichten. Für Jungtiere bedeutete das: Wachsen, wachsen, wachsen. In den ersten Jahrzehnten ihres Lebens wuchsen Sauropoden Knochenanalysen zufolge exponentiell. Vermutlich legten sie jedes Jahr zwischen 500 Kilogramm und zwei Tonnen Gewicht zu. Manche Schätzungen gehen sogar von noch größeren Massen aus. Erst nach Erreichen der Geschlechtsreife mit etwa zwanzig Jahren verlangsamte sich das Wachstum und nahm nicht mehr ununterbrochen, sondern in regelmäßigen Schüben zu. Komplett ausgewachsen waren Sauropoden vermutlich in weniger als vierzig Jahren. Für solche Wachstumsraten sind eine hohe Stoffwechselrate und ein hoher Grundumsatz erforderlich.

Der Grundumsatz beschreibt den Energiebedarf eines Körper im Ruhezustand, also die Menge an Energie, die er für lebensnotwendige Grundfunktionen wie Atmung, Verdauung, Blutkreislauf und Wärmeregulierung benötigt. Ein niedriger Grundumsatz ist mit langsamem Wachstum und ein hoher Grundumsatz mit schnellem Wachstum verbunden.

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Giraffatitan und Europasaurus
Der Schädel von Giraffatitan und Europasaurus im Vergleich. © Nils Knötschke/ CC-by-sa 2.5

Der besondere Fall der Zwergen-Inseln

Doch nicht alle Sauropoden hatten es so eilig mit dem Wachsen. Es gibt auch solche, bei denen sich die Wachstumsrate extrem verringerte und die dadurch nur klein blieben. Europasaurus war zum Beispiel nur sechs Meter lang und wog 800 Kilogramm. Ähnlich verhielt es sich mit Magyarosaurus. Beide Arten unterlagen dem Phänomen der sogenannten Inselverzwergung.

Die Europasaurier lebten vor 150 Millionen Jahren auf einer großen Insel rund um das niedersächsische Becken. Ihre einst riesigen Vorfahren gelangten unter bisher ungeklärten Umständen dorthin. Vielleicht trennte der steigende Meeresspiegel die Insel und die dort lebenden Sauropoden nach und nach vom Festland ab. Die Tiere mussten sich den beschränkten Ressourcen auf der Insel anpassen und drosselten in der Folge ihre einst hohe Wachstumsrate, womit sie im Laufe der Generationen schrumpften.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Sauropoden – dem Gigantismus auf der Spur
Warum die langhalsigen Dinosaurier so riesig waren

Die Elefanten der Saurier-Savanne
Eine kurze Geschichte der Sauropoden

Das Geheimnis des Gigantismus
Warum Sauropoden so groß waren

Riesen aus dem Ei
Der besondere Lebenszyklus der Sauropoden

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