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RFID-Chips und Biosensoren

Das Spektrum der "praktischen" Bodyhacks

Die Spannbreite der Bodyhacks ist groß – sie reicht von Implantaten, die so unauffällig wie harmlos sind, bis hin zu technischen Anbauten, die das gesamte Aussehen und Erleben verändern.

Dieses Röntgenbild zeigt einen zwischen Daumen und Zeigefinger implantierten RFID-Chip. © Lpettet/ iStock

Fahrkarte im Arm

Am stärksten verbreitet sind bisher rein praktische Implantate in Form von RFID-Chips. Wie schon bei Kevin Warwick ersetzen sie Schlüssel oder Chipkarten und machen lästiges Eingeben von Passwörtern überflüssig. So hat sich beispielsweise ein australischer Bodyhacker mit dem sperrigen Namen Meow-Ludo Disco Gamma Meow-Meow den Chip seiner Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr von Sydney implantiert. Im Bus hielt er statt des Fahrausweises einfach nur noch seine Hand an den Scanner.

Doch das Transportunternehmen hatte wenig Verständnis für diesen innovativen Fahrgast: Es sperrte seinen Chip und verdonnerte ihn zu einer Strafe wegen Schwarzfahrens. Begründung: Er habe den Fahrausweis unerlaubt manipuliert. „Das ist völlig albern“, kommentierte Meow-Meow gegenüber australischen Medien. „Sie wollen die innovativste Entwicklung im Nahverkehr von Sydney prompt abschießen.“ Der Bodyhacker kündigte an, sein Recht auf einen implantierten Fahrausweis einklagen zu wollen.

Implantate als Biosensoren

Einen Schritt weiter gehen Bodyhacker, die sich Implantate wie „Circadia“ von Grindhouse Wetware einsetzen lassen. Diese Geräte besitzen Sensoren, die medizinische Parameter wie die Körpertemperatur, den Puls, den Blutdruck oder die Sauerstoffsättigung messen. Über Bluetooth können die Daten ans Smartphone übertragen und ausgelesen werden. „Statt bei einem Arztbesuch nur einen Schnappschuss unseres Gesundheitszustands zu erfassen, können so Wochen oder Monate medizinischer Daten gesammelt werden“, heißt es in der Beschreibung.

Allerdings: Das erste, 2013 produzierte Modell dieses Implantats war fast so groß wie ein Handy und konnte wenig mehr als Temperatur und Puls messen. Dennoch fanden sich einige hartgesottene Pioniere wie der US-Software-Entwickler und Grindhouse-Mitgründer Tim Cannon, die sich dieses Gerät in den Unterarm einpflanzen ließen. Grindhouse Wetware ist aber bereits dabei, „Circadia 2.0“ zu entwickeln. Dieses Implantat soll dann deutlich kleiner und leistungsfähiger sein.

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LEDs unter der Haut

Nicht unbedingt nützlich, dafür aber umso auffallender ist dagegen „Northstar“: Dieses etwa Zwei-Eurostück große Implantat trägt sechs LEDs, die bei Annäherung eines Magneten aktiviert werden. „Northstar V1 ist noch rein zu ästhetischen Zwecken – nicht viel anders als Piercings oder Schönheits-OPs“, erklärt Grindhouse Wetware dazu. „Das einfache Gerät soll die Machbarkeit solcher Implantate beweisen und den Weg ebnen für weiter fortgeschrittene und funktionellere Erweiterungen.“

Eine zweite erweiterte Version von „Northstar“ ist aber bereits im Test. Dieses soll neben einer Bluetooth-Fähigkeit auch Sensoren für die Gestensteuerung und möglicherweise medizinische Sensoren für den Blutdruck oder Blutzucker beinhalten. „Heute mögen unsere Kreationen noch wie Nischenprodukte erscheinen, aber wenn wir es einmal geschafft haben, beispielsweise ein billiges Implantat zu entwickeln, das automatisch vor einem Herzinfarkt warnt, wird jeder unsere Gadgets wollen“, sagt Tim Cannon.

Doch Cannon und viele andere Bodyhacker wollen mehr: Sie wollen die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung überwinden.

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Nadja Podbregar
Stand: 16.03.2018

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Bodyhacker
Mit implantierter Technik zum Cyborg

Der erste "Cyborg"
Chip im Arm und "Ultraschallsinn"

Marke "Eigenbau"
Bodyhacking zwischen Do-it-Yourself und High-Tech

RFID-Chips und Biosensoren
Das Spektrum der "praktischen" Bodyhacks

Erweiterte Sinne
Biomagnete, Kompass-Sinn und Erdbebenfühler

Rot klingt wie ein "A"
Neil Harbisson – Cyborg, Farbenhörer und Transhumanist

Vom Ersatzteil zur Optimierung
Bodyhacks in Medizin und Forschung

Diaschauen zum Thema

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