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Reale Technik – weitergesponnen

Der wissenschaftliche Hintergrund der Romane

Elektrische Geräte im Alltag, Weltreisen im Rekordtempo und Unterseeboote, die monatelang auf See blieben – für seine Leser, die die Romane größtenteils noch bei Kerzenschein oder unter Gaslampen lasen, war die Welt, die Jules Verne ihnen präsentierte, exotisch und visionär. Doch Jules Verne extrapolierte zwar in seinen Romanen technische Entwicklungen, aber er verlegte die Handlung nicht in die Zukunft.

Kapitän Nemo bei der Positionsbestimmung - naturwissenschaftliche Grundlagen vermittlte Verne quasi nebenbei © Alphonse de Neuville/ Edouard Riou

Mit einem Fuß in der Wirklichkeit

Ganz im Trend der zeitgenössischen Schule um den Schriftsteller und Journalisten Emile Zola war er darauf bedacht, seinen Erzählungen einen realistischen Anstrich zu geben. Max Popp, der erste und bis heute einer der wichtigsten Biographen Jules Vernes schreibt 1908 über ihn: „Denn gerade das ist die Eigenart Vernes: Er gibt sich bei seinen Schlussfolgerungen nicht müßigen Spekulationen hin sondern bleibt immer auf dem Boden der Wahrheit.“

Doch während sich Zola für die sozialen Folgen des Fortschritts interessierte, nutzte Verne seine abenteuerlichen Reisen, um Wissenschaft zu popularisieren. Die Präzision und die detailgetreuen Schilderungen, mit denen er den Eindruck erweckte, er habe die Reise selbst unternommen, begeisterte auch die Literaturkritiker. Sie bescheinigten ihm, seine Beschreibungen seien „exakt und minutiös wie ein Logbuch“ und vermittelten den „absoluten Eindruck des Wirklichen“.

Der Maschinenraum der "Nautilus" - Vernes Schilderungen basieren auf realer Technik © Alphonse de Neuville / Edouard Riou

Zettelkasten mit wissenschaftlichen Auszügen

Das ist umso erstaunlicher, als der Autor sein Wissen meistenteils aus Büchern oder populärwissenschaftlichen Artikeln bezog. Er besaß eine Kartei mit Exzerpten, die er ständig erweiterte und die in den 1890er Jahren auf 20.000 Notizen anwuchs. Außerdem fragte er immer wieder Experten um Rat, beispielsweise seinen Bruder Paul, der Seemann war, oder den Erfinder Jacques-François Conseil. Letzterer arbeitete an einem mit Dampf betriebenen U-Boot.

Das Vorbild für die „Nautilus“, das U-Boot von Kapitän Nemo in „20.000 Meilen unter dem Meer“, war vermutlich das 1863 vom Stapel gelassene U-Boot „Le Plongeur“, das im Auftrag des französischen Kriegsministeriums gebaut worden war. Verne hatte ein Modell des Bootes 1867 bei der Pariser Weltausstellung gesehen. Allerdings waren die Versuche mit „Le Plongeur“ wieder eingestellt worden, weil es beim Tauchen nicht auf einer Höhe gehalten werden konnte und es auch noch keine unter Wasser verwendbaren Waffen gab.

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Anne Hardy / Forschung Frankfurt
Stand: 11.04.2014

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Jules Vernes "Außergewöhnliche Reisen"
Science-Fiction als Wegweiser in die moderne Welt

"Auf unterhaltsame Weise belehren"
Ein Anwaltssohn wird zum Bildungsbeauftragten

Reale Technik - weitergesponnen
Der wissenschaftliche Hintergrund der Romane

Um die Erde in 80 Tagen
Technik lässt den Raum schrumpfen

Höher, schneller, weiter
Vernes Leitmotiv trifft den Nerv der Zeit

20.000 Meilen unter dem Meer
Die Eroberung neuer Räume durch Technologie

Von der Erde zum Mond
Vernes visionärster Roman

Wegweiser in die moderne Welt
Zwischen Bildungsauftrag und mystischer Ästhetik

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