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Rasender Lichtpunkt

Der Asteroid wird entdeckt

18. Juni 2004, Kitt Peak Teleskop Arizona: Es ist Nacht. Der Astronom Roy Tucker durchmustert schon seit Stunden Aufnahmen des 0,9 Meter Teleskops hier auf dem Kitt Peak. Für ihn ein reiner Routinejob. Denn er ist Teil eines Teams von Astronomen, die im Auftrag der NASA und der Universität Hawaii bei der Kartierung von erdnahen Asteroiden, den so genannten NEAs, helfen.

Observatorium Kitt Peak in Arizona © gemeinfrei

Das Prinzip bei dieser Suche ist immer das gleiche: Das Teleskop fährt systematisch eine Himmelsregion ab und schießt eine Aufnahme nach der anderen. Dann geht es zurück auf die Ausgangsposition und die gleiche Region wird noch einmal abgefahren und fotografiert. Tuckers Job ist es nun, in den zeitversetzten Aufnahmen nach Diskrepanzen zu suchen. Nach Lichtpunkten, die dort nicht sein dürften. Und noch wichtiger: Nach Lichtpunkten, die in der kurzen Zeit zwischen den beiden Aufnahmen ihre Position verändert haben. Denn so schnell bewegt sich kein Stern oder Planet, so schnell sind nur Asteroiden oder Kometen.

Wandernder Lichtpunkt am Himmel

Tatsächlich stößt Tucker in zwei Aufnahmen auf genau so einen Lichtpunkt. Auch das ist erstmal noch reine Routine, nichts Ungewöhnliches. Schon unzählige Asteroiden hat er auf diese Weise entdeckt und kartiert. Wie vorgesehen steuert er deshalb das Teleskop noch einmal auf diese Himmelsstelle und macht eine weitere Aufnahmen. Er notiert die Beobachtung und macht dann Feierabend. Am nächsten Abend beobachtet Tucker den Lichtpunkt weiter und bestätigt seine erste Diagnose: Er hat mal wieder einen Asteroiden aufgespürt.

Asteroid 2004 MN4 in der entscheidenden Teleskop-Aufnahme. Entdeckt wurde er, weil sein Lichtpunkt zwischen zeitlich versetzten Aufnahmen sprang. © UH/IA

Den Fund meldet er wie üblich dem „Minor Planet Center“ der Internationalen Astronomischen Union (IAU) an der Harvard Universität. Hier befindet sich eine der beiden großen zentralen Datenbanken für die Erfassung von Asteroiden und anderen kleinen Himmelskörpern. Die andere ist das System „NEODys“ in Italien. Das Objekt, das zeitgleich von zwei weiteren Astrononen, David Tholen und Fabrizio Bernardi, entdeckt wird, erhält den Namen 2004 MN4. Danach gerät 2004 MN4 erst einmal wieder in Vergessenheit. Zu wenig ist über ihn bekannt – und schon gar nichts Ungewöhnliches. Er ist einfach ein Asteroid unter vielen Tausenden.

Doch am 18. Dezember 2004 ändert sich dies radikal. Gordon Garradd vom Siding Spring Observatorium in New South Wales stößt erneut auf 2004 MN4. Auch er meldet seinen Fund an das Minor Planet Center – und löst damit eine Kette dramatischer Ereignisse aus. Denn die neue Position des Asteroiden, kombiniert mit der aus den ersten Beobachtungen, ergibt eine Flugbahn, die genau auf die Erde deutet…

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Nadja Podbregar
Stand: 29.01.2010

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Apophis: Asteroid auf Erdkurs
Einschlag oder knapp daneben? 2029 entscheidet

„Highscore“
Größte Annäherungen von Asteroiden bisher und in Zukunft

Rasender Lichtpunkt
Der Asteroid wird entdeckt

Kurs Erde
Gibt es 2029 eine fatale Kollision?

Kein Einschlag – jedenfalls noch nicht
2029 kommt Apophis uns so nahe wie keiner vor ihm

Das fatale Schlüsselloch
Warum wenige Meter entscheiden

Schüler blamiert NASA – oder doch nicht?
Die Geschichte mit der Satelliten-Kollision

Russland und die Angst vor dem „Killerasteroid“
Wie dringend ist eine Abwehrmission?

Ein „Wachhund“ für Apophis
Eine Satellitenmission könnte Gewissheit schaffen

Was wäre wenn?
Wie lässt sich ein Einschlag abwenden?

Die „Armageddon“-Methode
Die Abwehrmöglichkeiten nach 2029

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