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Rasanter Siegeszug

Wie sich die Muntjaks über Großbritannien ausgebreitet haben

Der Chinesische Muntjak, auch Zwergmuntjak genannt, ist mit 50 Zentimeter Schulterhöhe die kleinste Muntjakart aus der Familie der Hirsche. Muntjaks leben von Natur aus in Asien. Im 19. Jahrhundert waren wenige Einzeltiere von China nach England exportiert und dort in Zoos und Tierschauen gezeigt worden. Im Londoner Zoo vermehrten sich die Tiere.

Die ersten britischen Muntjaks gelangten aus dem Zoo von Bedford in die Freiheit. Hier ein Zwerghirsch in eimem Zoo. © Big_ashb/ CC-by-sa 2.0

Drastische Zunahme

1901 dann wurden aus einem Park in Bedfordshire, der vom Zoo Tiere übernommen hatte, die ersten elf Muntjaks in die Freiheit entlassen – die Gründerpopulation in Britanniens freier Wildbahn. Weitere später freigelassene Tiere gehörten ebenfalls zur Linie des Londoner Zoos. Forscher schätzen die Zahl der Chinesischen Muntjaks im Vereinigten Königreich heute konservativ auf 52.000. Zum Vergleich: Die Bestände in China und Taiwan sollen sich auf etwa 118.000 Tiere belaufen. Die Spezies hat laut Weltnaturschutzunion IUCN den Status „gering gefährdet“.

Die Art breitet sich auf den britischen Inseln derzeit jährlich um einen Kilometer nordwärts aus und hat inzwischen die Grenze zu Schottland erreicht, erfolgreich Wales und Englands Südwesten erobert und kommt neuerdings sogar in Irland vor. Die Abschüsse durch Jäger stiegen derweil zwischen 1961 und 2009 um mehr als das Siebzehnfache.

Spurensuche im Genom

Forscher um Marianne Freeman von der Queen’s University in Belfast wollten wissen, wie groß die Ursprungspopulation in England war. Damit sollte die Frage geklärt werden, ob Hirscharten zur erfolgreichen invasiven Art werden können, wenn nur wenige Einzeltiere die Erstpopulation bilden. Für ihre Studie entnahmen die Forscher 176 britischen Muntjaks DNA-Proben und analysierten die Mikrosatelliten aller Tiere – kurze, sich wiederholende Abschnitte der DNA.

Muntjak, ertappt in einem englischen Waldgebiet. © Evelyn Simak/ CC-by-sa 2.0

Sie entdeckten acht sogenannte mitochondriale D-Loop-Sequenzen. Dahinter verbergen sich Varianten einer Sequenz aus DNA-Bausteinen auf ein und demselben Chromosom. Unter den acht Sequenzen wurden keine ungleichgewichtigen Verbindungen gefunden. Die genetische Distanz zwischen den untersuchten Muntjaks war damit verschwindend gering. Zum Vergleich wurden Genproben der taiwanesischen Unterart Muntiacus reevesi micurus herangezogen.

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Am Anfang stand nur eine Handvoll Weibchen

Im „Journal of Zoology“ legte das fünfköpfige Team nun seine Erkenntnisse vor. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die ganze Invasion auf ein einziges Gründungsereignis unter Einbezug einer kleinen Zahl von Weibchen zurückgeführt werden kann“, schreiben die Forscher. Konkret sollen vier oder fünf Muntjak-Weibchen die Gründermütter der heutigen Population sein.

Die Forscher schlussfolgern daraus, dass selbst kleinste Freilassungsaktionen zu einer unumkehrbaren und kostenträchtigen invasionsartigen Ausbreitung der Spezies führen können – auch wenn die genetische Vielfalt der ausgesetzten Tiere sehr gering ist.

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Kai Althoetmar
Stand: 08.07.2016

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Kleiner Hirsch, großes Problem
Asiatische Muntjaks breiten sich in Europa aus

Rasanter Siegeszug
Wie sich die Muntjaks über Großbritannien ausgebreitet haben

Ein paar Pioniere genügen
Der "Flaschenhals" ist nicht immer ein Problem

Vermehrung mit Folgen
Muntjaks als Schädlinge?

Außenseiter-Vorteile
Wenig Nischen-Konkurrenz und wenig Feinde

Muntjaks auch bei uns?
Die Zwerghirsche breiten sich auch auf dem Kontinent aus

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