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Ein Back-Up der Tierwelt

Projekt „Frozen Ark“

Gorilla © IMSI MasterClips

„Frozen Ark“ heißt das britische Pendant zur deutschen „CRYO-Brehm“. Im Juli 2004 vom Natural History Museum (NHM) in London, dem Londoner Zoo und der Universität Nottingham aus der Taufe gehoben, soll das Projekt zunächst einmal das Erbgut der heute vom Aussterben bedrohten oder gefährdeten Tiere in einer Genbank archivieren. Ist dies geschafft, planen die Wissenschaftler danach ein möglichst komplettes „Back-Up“ der Tierwelt.

Warum dies nötig ist, erklärt der Schirmherr des Projektes Sir Crispin Tickell von der Universität Oxford: „10.000 Tierarten sind heute vom Aussterben bedroht und wir wissen erstaunlich wenig über ihre Bedeutung im Netzwerk des Lebens.“ Und Georgina Mace vom NHM ergänzt: „Wenn das letzte Exemplar einer Art ausstirbt, gehen mit ihm alle Anpassungen verloren, die im Laufe von Jahrmillionen Evolution erworben worden sind.“ Diese Informationen für die Menschheit zu retten, ist eines der erklärten Ziele von „Frozen Ark“.

Stickstofftank © Jeffrey M. Vinocur/ GFDL

Kryokonservierung ist Trumpf

Ähnlich wie ihre Fraunhofer-Kollegen hierzulande, setzen die englischen Forscher bei ihrer Arbeit auf das Prinzip Kryokonservierung. Allerdings wollen sie nicht Stammzellen, sondern Gewebeproben, Spermien, aus den Zellen der Tiere extrahierte DNA oder sogar komplette kleine Organismen einfrieren. Die in einem separaten Bereich des NHM eingelagerten Zellsuspensionen bleiben nach Angaben der Wissenschaftler 100 Jahre oder mehr intakt, die DNA sogar noch viel länger.

„Wie man weiß, hält sich DNA bis zu 100.000 Jahre, wenn sie in der Natur konserviert wird“, sagt der Genetiker Professor Bryan C. Clarke von der Universität von Nottingham. „Unter optimalen Lagerungsbedingungen könnten wir die Proben sogar noch länger erhalten.“ Um ganz sicher zu gehen, werden von dem gewonnenen Material gleich Duplikate angefertigt, die an anderer Stelle – zum Beispiel in einem Institut in San Diego – aufbewahrt und geschützt werden.

Säbelantilope, Seepferdchen, Baumschnecken und Seychellen-Käfer als erste Spender

Die ersten Spender für die Datenbank waren noch im Gründungsjahr stark bedrohte Tierarten wie die Säbelantilope Oryx dammah, das Kuda-Seepferdchen, die polynesischen Baumschnecken oder der ausschließlich auf den Seychellen lebende Käfer Polposipus herculeanus. Mittlerweile sind Proben von 119 gefährdeten Arten in der modernen Arche Noah „on the rocks“– darunter Amurleopard und Sumatra-Tiger. Nicht schlecht, aber doch nur ein Bruchteil von dem, was noch zu tun ist.

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Stand: 30.05.2008

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Arche Noah 2.0
Genbanken als letzte Rettung für die Artenvielfalt?

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Selbstbedienungsladen Natur
Genbanken als letzte Rettung?

Eisiger Tresor für Pflanzensamen
Der Global Seed Vault auf Spitzbergen

Mehr als nur Samen
Eine moderne Arche Noah und ihre Bedeutung

Eine Bibliothek für Obst
Neue Genbank sichert Vielfalt von Erdbeeren, Kirschen und Äpfeln

Stammzellen auf Eis
CRYO-BREHM als frostiger Zoo für Wildtiere

Projekt „Frozen Ark“
Ein Back-Up der Tierwelt

Wiederauferstehung dank Klonen und Leihmüttern?
Wertvolle „Blaupausen“ der Tiere

Letzte Rettung Genarchen?
Ein Fazit

Diaschauen zum Thema

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