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Problemfaktor Mensch

Vom Kraterparadies zum Krisengebiet?

Seit genau zehn Jahren ist im Ngorongoro-Krater kein Spitzmaulnashorn mehr Wilderern zum Opfer gefallen. Doch trotz des Jubiläums ist Wissenschaftlern und Naturschützern noch längst noch nicht zum Feiern zu Mute. Denn statt Hornjägern bedrohen jetzt andere menschengemachte Probleme die kleine Gruppe der Dickhäuter und auch alle anderen Tiere im Krater.

Flusspferde im "Pool" © Andreas Renner

Endgültig die Alarmglocken schrillen lassen hat ein Workshop in der Serena Lodge am Ngorongoro-Krater im September 2003, der von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, der African Wildlife Foundation und der Ngorongoro Conservation Area Authority ausgerichtet und unterstützt wurde. Eigentlich stand dort das Thema Spitzmaulnashorn auf der Tagesordnung. Das Treffen wurde aber auch zu einer Standortbestimmung der ökologischen Gesamtsituation im Ngorongoro-Krater und der NCA, die weit über die Belange des Nashornschutzes hinausging.

In zahlreichen Vorträgen und Arbeitsgruppen wiesen Forscher von verschiedenen Universitäten, aber auch Mitarbeiter der Schutzgebietsverwaltung und Naturschützer, auf massive Umweltprobleme im Kratergebiet hin und zeichneten dabei ein düsteres Bild:

Wasser wird zur Mangelware

Touristen bei der Elefantenbeobachtung © Uli Sauer

Sorgen bereitet den Experten vor allem die steigende Lärmbelästigung und Ruhestörung durch den Tourismus und die Veränderungen der Lebensräume im Krater. Bis zu 150 Autos gleichzeitig registrieren die Parkwächter in den letzten Jahren an manchen Tagen im Kratergebiet. Viel zu viele ausgefahrene Schotterstrecken führen zu besonders beliebten Rast- und Weideplätzen der Wildtiere oder kreuzen die Trampelpfade der Gnu- oder Zebraherden. Aufgrund von PKW-Konvois müssen die Tiere ihre Wanderungen unterbrechen und finden auch nicht mehr genügend ruhige, ungestörte Rückzugsgebiete um zu kalben oder sich fortzupflanzen.

Doch die Touristen sorgen nicht nur für Trubel und Hektik, sie machen Nashörnern, Flusspferden oder Wasservögeln auch noch aus einem anderen Grund arg zu schaffen. Durch die ständig steigenden Besucherströme ist der Wasserbedarf in der NCA durch Lodges oder Campingplätze für die Urlauber sprunghaft angestiegen. Flüsse, Quellen oder grundwasserführende Gesteinsschichten in der Region werden angezapft, um der Nachfrage durch die Urlauber, aber auch durch die wachsende Bevölkerung im Kraterumland Herr zu werden. Die Folge: Es gelangt viel weniger von dem kühlen und lebensspendenden Nass in den Krater als früher.

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Wassermangel im Lerai-Wald © Uli Sauer

Deshalb leidet nach Angaben des Gewässerkundlers Jaco de Klerk aus Gauteng, Südafrika, das für Nashörner und Elefanten wichtige Lerai-Waldgebiet mittlerweile unter akutem Wassermangel. Um rund ein Viertel ist der Zustrom an Frischwasser in den Lerai in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen. Der Wissenschaftler hält dies für einen der entscheidenden Gründe für das dort seit den 1960er Jahren zu beobachtende Waldsterben. Hinzu kommt vermutlich ein erheblicher Einstrom an salzhaltigem Wasser aus dem Lake Magadi, der den Niedergang des Gebiets noch weiter vorantreibt. Auch die Moore Gorigor und Mandusi sind in den letzten Jahren erheblich kleiner geworden.

Weniger Regen und hohes Gras

Zu einem Problem für den Krater wird nach Ansicht von Wissenschaftlern auf Dauer zudem der Klimawandel und der damit verbundene Regenmangel in der Ngorongoro-Region. So sind die Niederschläge in den letzten 40 Jahren um ein Siebtel von durchschnittlich 950 auf 800 Millimeter zurückgegangen. Obwohl der Krater noch über andere Quellen mit Wasser versorgt wird, könnte sich dies auf Dauer negativ auf die üppige Vegetation und damit auf die Speisekarte der Tiere auswirken.

Seit der Verbannung der Massai aus dem Krater gibt es darüber hinaus auch kein gezieltes Abbrennen von Graslandschaften mehr. Als Folge haben sich mittlerweile zahlreiche Unkräuter ausgebreitet, die das Nahrungsangebot für Nashörner oder andere Tiere erheblich einschränken. Doch diese Pflanzen sind nicht nur ungenießbar, sie werden zum Teil auch so hoch, dass selbst Büffel oder Zebras in ihnen verschwinden. Die zahlungskräftigen Touristen bekommen die Tiere deshalb seltener zu Gesicht und vor die Linse…

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Stand: 18.11.2005

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Überlebenskampf im Krater
Der Ngorongoro zwischen Paradies und Bedrohung

Relikt eines Millionen Jahre alten Vulkans
Wie entstand der Ngorongoro-Krater?

Naturbauwerk mit wimmelndem Leben
Tierparadies Ngorongoro

Auf Grzimeks Spuren
Wie das Reservat Ngorongoro entstand…

Natur pur?
Touristenboom im Schutzgebiet

Dezimierte Dickhäuter
Das Massaker an den Nashörnern

Überleben oder Aussterben?
Forscher kämpfen um die Nashörner im Krater

Von Inzucht und Zecken
Die „Brandherde“ nehmen zu

Problemfaktor Mensch
Vom Kraterparadies zum Krisengebiet?

Wende oder Ende?
Aktionsplan Ngorongoro

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