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Privilegierte Kinderstube

Erste Jahre eines Universalgenies

Am 01. Juli 1646 wird Gottfried Wilhelm Leibniz in eine Professorenfamilie hineingeboren. Sein Vater ist Notar und Juraprofessor an der Leipziger Universität, die Mutter ist Tochter eines Universitätsprofessors. Durch den hohen Bildungsstand seiner Familie genießt er das Privileg, mit sieben Jahren die Nikolai-Schule in Leipzig besuchen zu dürfen. Denn von einer Schulpflicht ist man zu dieser Zeit noch weit entfernt.

Universität
Die Universität in Altdorf, an der Leibniz promovierte Hans Recknagel/ historisch

Und nicht nur das: In einer Zeit, in der Lesen und Schreiben noch lange keine Selbstverständlichkeit für Kinder ist, steht dem jungen Leibniz die Bibliothek seines Vaters offen. Hier kann das schlummernde Genie früh geweckt und gefördert werden. So bringt er sich mit kaum acht Jahren anhand der Bücher autodidaktisch Latein bei und liest interessiert philosophische Abhandlungen und lateinische Schriften des Vaters.

Mit seinen Lateinkenntnissen beherrscht er nun schon als Kind die damals führende Sprache der Wissenschaft und schafft eine unerlässliche Voraussetzung für späteren hochkarätigen akademischen Austausch und wissenschaftliche Erfolge.

Promotion auf Umwegen

Seine Neugier und Wissbegierde führen dazu, dass er bereits mit 15 Jahren Philosophiestudent an der Leipziger Universität wird, an der er zusätzlich Vorlesungen in Mathematik sowie griechischer und lateinischer Poesie belegt. Nebenher beschäftigt Leibniz sich außerdem mit Physik und Problemen der Logik. Schon nach zwei Jahren schließt er sein Studium ab und widmet sich den Rechtswissenschaften. Trotz hervorragender Leistungen wird ihm allerdings, aufgrund seines geringen Alters, eine Promotion im Kirchen- und Zivilrecht verwehrt.

Mit gerade Mal 20 Jahren ist er daher gezwungen die Universität zu wechseln und gelangt nach Altdorf in der Nähe von Nürnberg. Hier legt er der Professorenschaft ein bereits fertig gestelltes Thesenpapier mit dem Titel „Disputation zu schwierigen Fällen im Rechtswesen“ vor und promoviert mit Bravour.

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Früher Vordenker der Aufklärung

In seinem Thesenpapier beschäftigt sich Leibniz mit schwierigen Fällen, für die es im damaligen Recht keine eindeutige Lösung gab und diskutiert Ansätze, auf welcher Basis solche Fälle gelöst werden sollten. Er erklärt, der Richter könnte eine Entscheidung verweigern, eine Münze werfen, nach gesundem Menschenverstand oder allgemeinen ethischen Prinzipien urteilen.

Leibniz bevorzugt letztere Lösung und beruft sich auf das sogenannte Naturrecht, welches die Moral als Grundlage für Recht und Ordnung ansieht, und das laut Leibniz, aufgrund der vorherrschenden Staatsform im damaligen Recht nur unzureichend abgedeckt ist.

Das Besondere ist hier, dass Leibniz die Quelle der Moral nicht nur einfach in der Natur, sondern in der von Gott gegebenen Vernunft sieht, die uns befähigt, moralische Grundlagen des Rechts zu erkennen. Damit spricht er sich schon in jungen Jahren und lange vor Beginn der Aufklärung für vernunftgesteuertes Handeln aus und ist seiner Zeit weit voraus.

„Theoria cum praxi“

Nach der herausragenden Promotion erhält Leibniz gleich zwei Angebote für eine Professur, die er überraschenderweise aber beide ablehnt. Ganz nach seinem Motto „Theoria cum praxi“ – „Theorie mit Praxis“, will er praktisch arbeiten und in die Welt hinaus. Er möchte seinen Horizont erweitern, wissenschaftlich aufsteigen und die Welt verbessern, indem er Einfluss auf die Mächtigen der Zeit nimmt.

Schönborn
Leibniz‘ langjähriger Arbeitgeber, Kurfürst Johann Philipp von Schönborn, ermöglichte ihm weitreichende wissenschaftliche Tätigkeit. Rijksmuseum/ gemeinfrei

Durch seine vielfältigen Studien in Philosophie, Theologie und Naturwissenschaften ist er zu der Ansicht gelangt, dass in jeder widerstreitenden Meinung ein wahrer Kern liegt, den es zu ergründen gilt, um die Wissenschaft zu vereinen. Auch um dieses Ziel zu verfolgen und sich intensiv mit verschiedenen wissenschaftlichen Ansichten auseinanderzusetzten, möchte er die Professur nicht annehmen.

Leibniz fasst Fuß

Seine erste Anstellung hat wenig mit dem späteren Glanz seiner Erfolge zu tun. Unter falscher Vorgabe von Alchemiekenntnissen ergattert Leibniz einen Arbeitsplatz bei einer Nürnberger Gesellschaft, die geheime, alchemistische Experimente durchführt. Er wird ihr Sekretär und arbeitet auch mit im Labor. Später spricht er zwar selbst etwas herablassend über die fragwürdigen Versuche, brauchte zu dieser Zeit jedoch dringend Geld.

Dann aber hat Leibniz Glück und das Risiko der abgelehnten Professur zahlt sich aus: Im Jahr nach seiner Promotion begegnet er Baron Johann Christian von Boineburg, seinem späteren Gönner und Freund. Dieser ist Diplomat und Minister des mächtigen Mainzer Kurfürsten und Erzbischofs Johann Philipp von Schönborn und vermittelt Leibniz eine Anstellung an dessen Hof.

Hier hat Leibniz neben seiner Beschäftigung als persönlicher Berater Boineburgs und dessen Anwalt Zeit und Mittel, sich mit allen möglichen Fragestellungen seiner Zeit auseinanderzusetzen. So befasst er sich mit religiösen Streitfragen, philosophischen, physikalischen, mathematischen und historischen Problemen und verfasst diverse Abhandlungen.

Zwecks Gedankenaustauschs beginnt er Briefwechsel mit den führenden Gelehrten seiner Zeit, den er stets weiter ausbauen wird. So wird der Gelehrte am Ende seines Lebens mit über 1.300 hellen Köpfen in Austausch gestanden sein und Kontakte bis China geknüpft haben.

 

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Gottfried Wilhelm Leibniz
Das letzte Universalgenie

Privilegierte Kinderstube
Erste Jahre eines Universalgenies

Erfindergeist und eine Leidenschaft für Zahlen
Leibniz schaut über den Tellerrand

Historiker, Philosoph und Theologe
Vater der Geschichtsschreibung und Herr der Bücher

Allrounder Leibniz
Bewegtes Leben mit Auswirkungen bis heute

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