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Prädikat „gut“

Positive Bilanz für alle WEA

Windfarm in Deutschland © BMU

Das Ergebnis für die verschiedenen von den RUB-Wissenschaftlern begutachteten Anlagen auf Land kann sich sehen lassen: Die energetischen Amortisationszeiten liegen zwischen gut drei und sechs Monaten. Es ergeben sich daraus bei einer kalkulatorisch angesetzten Lebensdauer von 20 Jahren Erntefaktoren von etwa 70 für die große Anlage bezeihungsweise 40 für die kleine.

Diese Zahlen gelten nur für die Windanlagen selbst. Noch nicht erfasst sind nach Angaben der Forscher die zusätzlichen Aufwendungen in der bestehenden Stromversorgung, die der starke Zubau der Windenergie auslöst, beispielsweise die Verstärkung der Hochspannungsnetze und der weitere Ausbau der Kraftwerke, die die unstete Windenergie bei Bedarf ersetzen müssen, so genannte Regelkraftwerke.

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Wie sieht das Verhältnis nun bei Off-shore-Anlagen aus? Erste Ergebnisse ganzheitlicher Energieanalysen von in der Entwicklung befindlichen Anlagen mit 5.000 kW Leistung zeigen erwartungsgemäß erheblich größere Aufwendungen für den Bau der Anlagen. Ein über 30 Meter hohes, im Wasser stehendes Drei-Bein Stahlgerüst (Tripod), auf dem der Windenergiekonverter über Wasser befestigt ist, kommt hinzu. Die Rotoren der WEA im Meer sollen im Durchmesser 100 Meter messen – an Land sind es bis zu 66 Meter. Jedes einzelne Rotorblatt wiegt bis zu drei Tonnen.

Diesem zusätzlichen Aufwand steht jedoch ein größeres Windenergieangebot als an Land gegenüber – es ist eine mindestens doppelt so große Stromausbeute zu erwarten. Ersten Berechnungen zufolge ergibt sich – auch für die Wissenschaftler der RUB überraschend – eine energetische Amortisationszeit von unter einem halben Jahr. Aber auch hier werden die Werte wohl noch etwas ungünstiger werden, wenn die durch die Windparks ausgelösten Zusatzinvestitionen an Land berücksichtigt sind.

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Die Ergebnisse belegen, dass die Bilanz für alle Windenergieanlagen aus energetischer Sicht vernünftig ist. Zum Vergleich: Photovoltaische Solarenergieanlagen zur Stromerzeugung amortisieren sich energetisch erst nach drei bis vier Jahren.

Die Nachteile der Windenergie liegen aber anderswo: Der Strom aus Wind ist zurzeit mehr als doppelt so teuer wie Strom aus fossilen Brennstoffen, weswegen er nicht konkurrenzfähig ist. Außerdem sind Windenergieanlagen unzuverlässige Stromlieferanten, weil sie von der Windstärke abhängig sind. Bei zu wenig Wind erzeugen sie keinen Strom, bei Sturm muss man sie abschalten, damit sie keinen Schaden nehmen. Deshalb tragen sie zwar in steigendem Maße zur Stromerzeugung bei und sparen Kohle und Gas, können aber den teuren Bau von Ersatzkraftwerken, die mit Kohle oder Gas betrieben werden, wenn der Wind nicht weht, nicht verhindern.

Die Rechnungen am Beispiel Wind zeigen, dass ganzheitliche Betrachtungen notwendig sind und es nicht ausreicht, nur die Betriebsphase alleine zu berücksichtigen. Es bedarf darüber hinaus immer einer kritischen Interpretation der Ergebnisse von ganzheitlichen Energie- und Ökobetrachtungen durch die Wissenschaft. Denn die Vielzahl der ermittelten Daten, die damit verbundenen Unsicherheiten und die verschiedenen methodischen Vorgehensweisen führen schnell zu Fehlinterpretationen.

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Stand: 12.08.2005

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Wie sauber sind die weißen Riesen?
Energiebilanzen von Windkraftanlagen

Windenergie: Viel Aufwand, geringe Ernte
Forscher erstellen Energiebilanzen

60 kWh für ein Kilogramm Rotorblatt
Auch die Weiterverarbeitung von Grundstoffen kostet Energie

Von „Erntefaktoren“ und „Amortisationszeiten“
Wie effektiv ist die Stromerzeugung?

Prädikat "gut"
Positive Bilanz für alle WEA

Mehr als nur Rotoren und Türme
Kurzinfo Windenergieanlagen

Solartechnik und Niedrigenergiehäuser im Test
Ganzheitliche Betrachtungen in anderen Sparten

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