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Post-Pill-Amenorrhoe

Wenn Medikamente den Zyklus stoppen

Das Ausbleiben der Monatsblutung bei Frauen kann körperliche wie psychische Ursachen haben. Doch auch die Einnahme von Hormonpräparaten oder Medikamenten sowie Vergiftungen können den Hormonhaushalt beeinflussen und eine sekundäre Amenorrhoe auslösen.

Nach der Antibabypille

Besonders bekannt ist, dass eine sekundäre Amenorrhoe nach der Einnahme der Antibabypille eintritt. Bei der sogenannten Post-Pill-Amenorrhoe setzt die Monatsblutung nach dem Absetzen der Antibabypille mindestens die ersten drei Monate nicht ein. Und auch wenn in der Post-Pill-Phase Menstruationsblutungen auftreten, ist es möglich, dass die Frauen dennoch noch keinen Eisprung bekommen.

Pille
Nach der Einnahme der Anti-Babypille kann eine Amenorrhoe auftreten: die Post-Pill-Amenorrhoe. © Matthew Bowden/ www.digitallyrefreshing.com

Der Grund: Die Antibabypille enthält künstliche Hormone, die in ihrer Wirkung den körpereigenen weiblichen Geschlechtshormonen Östrogen und Progesteron sehr ähneln. Dadurch greift die Pille in den Hormonzyklus der Frau ein und verhindert, dass eine Eizelle im Eierstock heranreift und es zu einem Eisprung kommt. Zudem stört sie den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, um das Einnisten einer befruchteten Eizelle zu verhindern und sorgt dafür, dass ein zähflüssiger, für Spermien undurchlässiger Schleimpfropf am Gebärmutterhals entsteht.

Nimmt eine Frau die Antibabypille jahrelang ein, wirkt sie sich in dieser Zeit dauerhaft auf die Konzentration der weiblichen Geschlechtshormone und den gesamten Menstruationszyklus aus. Nach dem Absetzen der Pille muss der Körper zunächst wieder die Hormonproduktion umstellen, weil er ab dann keine Hormone mehr von außen zugeführt bekommt. Außerdem verkleinern sich bei langfristiger Hormonzugabe durch die Pille auch nach und nach die Eierstöcke und verringern damit ihre Funktionsfähigkeit, weil sie die Hormone nicht selbst herstellen müssen. Durch diese Umstellungen kann es einige Monate dauern, bis der Zyklus wieder geregelt abläuft.

Auch bei anderen hormonellen Verhütungsmitteln wie der Drei-Monats-Spritze, bei Hormonspiralen oder der sogenannten Minipille bleiben die monatlichen Blutungen nach dem Absetzen manchmal längere Zeit aus.

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Menstruationszyklus gestoppt

Außerdem können auch Hormonbehandlungen, etwa bei einer Brustkrebs- oder einer Gebärmutterhalskrebstherapie, eine sekundäre Amenorrhoe oder sogar eine vorzeitige Menopause auslösen, weil dabei zum Beispiel der Östrogenfluss gesenkt wird. Und auch die Einnahme von sogenannten Zystostatika, durch die das Krebswachstum gestoppt werden soll, kann der Blutfluss ausbleiben.

Tabletten
Ob Zystostatika, Antidepressiva oder Blutdrucksenker – Medikamente können den Menstruationszyklus stoppen. © BackyardProduction/ iStock

Das Gleiche kann auch durch Psychopharmaka passieren: Mittel gegen Depressionen, vor allem sogenannte trizyklische Antidepressiva, können ein Ausbleiben der Regelblutung bewirken. Diese Wirkostff-Cocktails beeinflussen nicht nur die Botenstoffe im Gehirn, sondern können auch die Ausschüttung des Hormons Prolaktin fördern. Dieses ist normalerweise für die Milchproduktion der Frau in der Schwangerschaft verantwortlich. Wird aber zu viel davon freigesetzt, kann es zu Milchabsonderungen der Brust und auch zu einer sekundären Amenorrhö kommen. Auch bestimmte Blutdrucksenker können die Konzentration an Prolaktin verändern und den Eisprung hemmen.

Cortison mit Nebenwirkungen

Außerdem gelten länger andauernde Einnahmen von Cortisonpräparaten als eine mögliche Ursache dafür, dass der Menstruationszyklus entweder aus dem Takt gerät und unregelmäßig wird oder dass die Menstruationsblutung sogar ganz ausbleibt.

Cortison-Präparate enthalten verschiedene Glucocorticoide – Hormone, die normalerweise die Nebennierenrinde produziert. Sie wirken unter anderem auf die Knochen und Muskeln, auf den Stoffwechsel, das Immunsystem und das zentrale Nervensystem sowie auf das Blut. Werden sie nun zum Beispiel bei Rheuma angewendet, um starke Entzündungen in den Gelenken zu hemmen, kann die Einnahme auf Dauer nicht nur in den Gelenken wirken, sondern auch den Hormonhaushalt durcheinanderbringen – und damit die Menstruation beeinflussen.

Und nicht nur Verhütungsmittel und Medikamente können Einfluss auf den Menstruationszyklus haben, sondern auch Dopingmittel wie Anabolika. Darin sind künstlich hergestellte Hormone enthalten, die den männlichen Sexualhormonen ähneln. Bei Frauen kann eine Einnahme dieser anabolen Steroide zu vermehrter Körperbehaarung, zur Veränderung der Stimmlage und auch zu Störungen der monatlichen Blutung führen.

Einfluss von Schadstoffen und Giften

Zudem können auch gesundheitsschädliche Suchtmittel wie Drogen oder große Mengen Alkohol den Menstruationszyklus beeinflussen und Zyklusstörungen auslösen. Ebenso gelten viele Umweltgifte als mögliche Verursacher der sekundären Amenorrhoe. Dazu gehören vor allem sogenannte endokrine Disruptoren – Chemikalien, die hormonähnlich wirken und daher den menschlichen Hormonhaushalt stören.

Beispiele für solche Disruptoren sind zum Beispiel Weichmacher (Phtalate) und der Zusatzstoff Bisphenol A (BPA), die Kunststoffen die gewünschte Biegsamkeit oder Haltbarkeit geben. Ebenfalls als Störer unseres Hormonsystems gelten einige organische Schadstoffe, beispielsweise das inzwischen verbotene DDT, sowie sogenannte polychlorierte Biphenyle (PCB), die als Kühlmittel und Schmiermittel dienten. Auch Schwermetallverbindungen wie Methylquecksilber oder das unter UV-Einfluss entstehende Perchlorat stehen im Verdacht, auf unseren Hormonhaushalt zu wirken.

Und obwohl einige dieser bekannten Umwelthormone bereits verboten sind oder nur noch eingeschränkt verwendet werden dürfen, sind sie in der Umwelt oft noch präsent, weil sie sehr langlebig sind. Außerdem sind noch nicht alle potenziell homronähnlich wirkenden Substanzen ausreichend auf ihre Schadwirkung untersucht und viele Kandidaten sind möglicherweise noch gar nicht identifiziert.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Amenorrhoe
Wenn die Regelblutung ausbleibt

Wenn die Periode nie eintritt
Die primäre Amenorrhoe

Sekundäre Amenorrhoe
Ursachen plötzlich aussetzender Regelblutung

Dem Lebensstil geschuldet
Wenn die Regel aufgrund der Lebensumstände aussetzt

Post-Pill-Amenorrhoe
Wenn Medikamente den Zyklus stoppen

Therapie gegen Amenorrhoe
Wie kann das Ausbleiben der Periode behandelt werden?

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