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Pompeji, Krakatau & Co

Zwischen Katastrophe und Vorbeugung

24. August des Jahres 79 nach Christus: Eine Naturkatastrophe gigantischen Ausmaßes bricht über das kampanische Land herein. Angekündigt von einem tagelangen Beben bricht in der Nähe von Neapel der Vulkan Vesuv aus und begräbt die römischen Badeorte Pompeji und Herculaneum sowie das Dorf Stabiae unter meterdicken Asche- und Lavaschichten. Viele tausend Menschen – in Pompeji allein 2000 – kommen im Ascheregen und durch die giftigen Vulkangase um. Darunter auch der römische Naturforscher Plinius, der in seiner „Naturalis Historia“ die naturwissenschaftlichen Kenntnisse der damaligen Zeit zusammengefasst hatte.

Erst 1860 werden die Reste Pompejis bei Ausgrabungen freigelegt. Konserviert durch Lava und Asche fanden die Archäologen fast vollständig erhaltene Häuser und konnten so die ursprüngliche Stadtanlage rekonstruieren.

Laki-Vulkan in Island

Szenenwechsel: Circa 64 Grad Nord und 20 Grad West. Island im Jahr 1783: Seit mehr als einer Woche erschüttern Erdbeben die vegetationslose Landschaft im 25 Kilometer langen Risssystem im Süden der Insel. Schließlich bricht der Laki-Vulkan mit einer Serie von Explosionen, die zu den größten in historischer Zeit gehören, aus. Am Ende des Ausbruchs bedecken zwölf Kubikkilometer Lava auf einer Fläche von 500 Quadratkilometern die Erde. 500 Millionen Tonnen giftiger Gase bedrohen Menschen und Tiere, dunkle Aschewolken verdüstern noch lange nach der Eruption den Himmel. Genauso schlimm sind allerdings die Spätfolgen des Vulkanausbruchs. Aufgestaute Flüsse bringen Überflutungen und Hochwasser, Asche und Lava machen Ackerflächen und Weiden unbrauchbar, die Landwirtschaft in großen Teilen Islands kommt völlig zum Erliegen. Hungersnöte und Krankheiten bedrohen die Menschen. Als unmittelbare Folge des Vulkanausbruchs gehen Bevölkerungszahl und Tierbestand der Insel dramatisch zurück.

Der Ausbruch des Krakatau

Noch einmal 100 Jahre später und 17.000 Kilometer weiter südöstlich: Dieses Mal bricht der Krakatau in der Sundastraße zwischen den Inseln Java und Sumatra aus. Nach einer Serie von kleineren Eruptionen kommt dabei es am 27. August 1883 zu einer gewaltigen Explosion. Mit einer Energie von 100 Millionen Tonnen TNT – ungefähr 5000 mal so stark wie die Atombombe in Hiroshima – wird der Gipfel des Vulkans abgesprengt.

Die Wände Vulkans brechen während der Eruptionen auseinander und die Magmakammer füllt sich mit Meerwasser. Ein Großteil der Energie stammt deshalb aus der Ausdehnung von heißem Wasserdampf. Vom Krakatau selbst ist nach diesem Ausbruch nur ein winziger Rest übriggeblieben. Die Explosion lässt sich noch in Australien – in 2000 Kilometer Entfernung – registrieren. Die Auswirkungen sind auch hier dramatisch: Die gigantischen Aschewolken bleiben über drei Jahre in der Atmosphäre und haben eine deutliche Abnahme der mittleren Jahrestemperatur der Erde zur Folge. Djakarta, die Hauptstadt Indonesiens, meldet kurz nach dem Ausbruch völlige Dunkelheit. Zumindest genauso schlimm sind die Auswirkungen der Tsunami, die durch den heftigen Vulkanausbruch erzeugt wird. Bis zu 40 Meter hoch ist die Welle, als sie Küsten der umliegenden Inseln erreicht. Fast 300 Küstenorte versinken in den Fluten, mehr als 30.000 Tote sind zu beklagen.

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Diese drei Beispiele zeigen deutlich, welche zerstörerische Wirkung die Vulkaneruptionen in der Vergangenheit häufig hatten und auch heute noch haben können. Dass dies aber nicht immer so sein muss, zeigt der heftige Ausbruch des „Feuerbergs“ Usu am 31. März diesen Jahres im Norden Japans. Obwohl mehr als 50.000 Menschen in unmittelbarer Nähe des Katastrophengebietes leben, gab es kein einziges Todesopfer. Bloßer Zufall? Wohl kaum. Es ist das Resultat eines funktionierenden Frühwarnsystems an einem Vulkan, der seit langer Zeit von Wissenschaftlern überwacht wird. Mehr als 17.000 Einwohner wurden rund um den Usu rechtzeitig vor der Naturkatastrophe evakuiert. 2.200 von ihnen konnten bereits zwei Tage nach dem Naturereignis wieder in die geräumten Gebiete zurückkehren…

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Stand: 19.04.2000

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Nie wieder Pompeji?
Frühwarnsysteme bei Vulkanausbrüchen

Pompeji, Krakatau & Co
Zwischen Katastrophe und Vorbeugung

Der Gefahr ins Auge blicken
Das Programm der IDNDR

Messen und noch viel mehr...
Was ist ein Frühwarnsystem?

Am Puls der Feuerberge
Forschen für präzise Vorhersagen

Von Rissen, Falten und Beulen
Deformationen an Feuerbergen messen

Wenn aufsteigendes Magma Erdbeben auslöst...
Seismische Untersuchungen

CO2, SO2 und mehr...
Gase Schlüssel zur Vorhersage?

Wundermittel Fernerkundung?
Wenn Satelliten Vulkanausbrüche überwachen...

Todbringende Lawinen
Wie kann man Lahars vorhersagen?

Warnung vor der Katastrophe
Frühe Erfolge am Mount Pinatubo?

Leben in der verbotenen Zone
Der Merapi-Vulkan

Dem Vulkanausbruch auf der Spur...
Deutsche Forscher im Einsatz

Alarm am Berg
Der Vulkanausbruch im Jahr 1998

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