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Orgasmen im Reich der Tiere

Verschiedene Funktionen von Sex

„Sich vermehren wie die Karnickel.“ Dieser Spruch stammt nicht von ungefähr. Kaninchen haben viel Sex. Und damit sind sie im Tierreich nicht allein. Katzen, Mäuse, Delfine, Bonobos – sie alle pflanzen sich gerne fort. Doch warum ist das so? Erleben auch sie einen Orgasmus?

Tatsächlich ist unklar, ob alle Tiere beim Geschlechtsverkehr einen Orgasmus haben können. Bei einigen gibt es jedoch Hinweise darauf, dass sie sehr wohl einen entsprechenden Höhepunkt erleben. Das ist bei dem Großteil der Säugetierarten der Fall. Bei anderen Klassen, wie beispielsweise Vögeln, Fischen und Reptilien, gibt es dazu nur wenig Forschung.

Schein-Penis

Eine Ausnahme bildet der in Ostafrika heimische Büffelweber (Bubalornis niger). Forschende der University of Sheffield haben herausgefunden, dass die Männchen dieser Vogelart einen Penis haben, welcher lediglich der sexuellen Stimulation und nicht der Samenabgabe dient. Der Orgasmus äußert sich bei den Büffelwebern durch Zittern und glasige Augen.

Delfine
Delfine haben auch zum Vergnügen Sex. © Ecohotel /CC-by-sa 3.0

Freudige Flipper

Mehr Erkenntnisse gibt es zu verschiedenen Säugetieren. Auch diesen geht es nicht immer nur um die Fortpflanzung. Genau wie Menschen haben auch Delfine zum Vergnügen Sex. Forschende konnten immer wieder beobachten, wie Delfine sich gegenseitig mit Schnauze, Schwanzflossen, Brustflossen oder Egeln die Klitoris reiben. Diese sexuellen Interaktionen konnten nicht nur zwischen heterosexuellen Pärchen, sondern vor allem vermehrt zwischen gleichgeschlechtlichen Delfinen festgestellt werden.

Grund für dieses Verhalten ist mit hoher Wahrscheinlichkeit die große Klitoris der weiblichen Delfine. Diese liegt an der Vorderseite der Vagina, was die Stimulation begünstigt. Die Klitoris der Delfinweibchen hat außerdem viel reizsensibles, erregbares Gewebe, da der Schwellkörper über zahlreiche Nervenenden verfügt. Damit ähnelt die Delfin-Klitoris stark der menschlichen.

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Bonobos
Das Sozialverhalten wird bei Bonobos durch Sex gestärkt. © Rob Bixby /CC-by-sa 2.0

Sex für das Sozialleben

Auch Bonobos haben Sex ohne das Ziel der Fortpflanzung. Vielmehr fördern diese Menschenaffen durch den Geschlechtsverkehr das soziale Miteinander und lösen Konflikte. Das betrifft vor allem gleichgeschlechtlichen Sex zwischen Bonoboweibchen. Die Schimpansenart hat insgesamt sogar mehr homosexuellen Geschlechtsverkehr als zur Fortpflanzung geeigneten heterosexuellen Sex.

Forschende der Universität Leipzig konnten feststellen, dass weibliche Bonobos nach dem Sex mit einem anderen Weibchen einen höheren Oxytocinspiegel im Urin aufweisen, als nach dem Sex mit einem Männchen. Dies könnte unter anderem eine physiologische Grundlage dafür sein, dass Bonoboweibchen auch eine höhere Motivation zur Zusammenarbeit zeigen. Das wiederum hat für sie den Vorteil, dass sie dadurch häufig auch einen höheren Rang in ihrer Gemeinschaft erreichen.

Induzierter Eisprung

Bei einigen Säugetieren, darunter Kaninchen und Katzen, ist der Orgasmus nicht nur für den sozialen Aspekt wichtig, sondern es ist gar notwendig zur Fortpflanzung, dass beide Geschlechter den Höhepunkt erreichen. Hinweise darauf gibt der Ovulationszyklus. Bei menschlichen Frauen wird der Eisprung im Normalfall etwa alle vier Wochen ausgelöst, unabhängig von der Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs. Das aber ist nicht bei allen Säugetieren so: Bei einigen findet ein Eisprung erst dann statt, wenn sie einen Orgasmus hatten.

Diesen Zusammenhang von Orgasmus und Ovulation haben Mihaela Pavlicev vom Cincinnati Children’s Hospital Medical Center und Günter Wagner von der Yale University an Kaninchen genauer untersucht. Dazu verabreichten sie weiblichen Kaninchen zwei Wochen lang Fluoxetin. Dabei handelt es sich um ein antidepressives Mittel, das beim Menschen die Orgasmusfähigkeit hemmt.

Kaninchen
Bei Kaninchen müssen beide Geschlechter zum Orgasmus kommen, um sich fortpflanzen zu können. © Oxford Scientific/ Getty images

Es zeigte sich: Nachdem die solcherart behandelten weiblichen Kaninchen mit einem Rammler zusammengesetzt wurden, sank die Anzahl ihrer Eisprünge nach der Paarung um 30 Prozent. Um auszuschließen, dass sich das Mittel bei den Kaninchen direkt auf den Eisprung auswirkt, wurde den Weibchen zusätzlich das Sexualhormon Humanes Choriongonadotropin gespritzt. Dies löste trotz Fluoxetin die Ovulation aus, während der Orgasmus vom Antidepressivum unterbunden blieb.

Daraus lässt sich schließen, dass der Eisprung bei Kaninchen tatsächlich erst durch den Orgasmus induziert wird. Die Eizelle wird durch die beim Orgasmus ausgelösten Hormone dazu angeregt, sich aus den Eierstöcken zu lösen – jetzt kann eine Befruchtung stattfinden.

Den entscheiden Reiz für den Orgasmus gibt auch bei den Kaninchenweibchen die Klitoris. Dadurch, dass sie bei Kaninchen innerhalb der Vagina liegt, wird sie durch Penetration direkt stimuliert. Ob die Nagetiere den Orgasmus dabei ähnlich wahrnehmen wie Menschen, ist jedoch noch ungeklärt. Es gibt allerdings einige Orgasmus-Symptome, die bei Kaninchen und Mensch sehr ähnlich sind, wie beispielsweise das Wärmegefühl, verstärkte Lubrikation und unwillkürliche Muskelkontraktionen an der Vagina.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Orgasmus
Das wissenschaftliche Mysterium der höchsten Gefühle

Phasen der Lust
Was während des Orgasmus im Körper passiert

Größtenteils Kopfsache
Von den Genitalien bis ins Gehirn – und zurück

Rätseln über weibliche Anatomie
Warum Frauen seltener zum Orgasmus kommen

Orgasmen im Reich der Tiere
Verschiedene Funktionen von Sex

Warum Frauen kommen können
Der biologische Ursprung des weiblichen Orgasmus

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