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Nützliche Transportmittel

Wenn Ameisen auf Bäume klettern und Heuschrecken ins Wasser springen

Neuroparasiten haben im Laufe der Evolution zahlreiche Zwecke entdeckt, zu denen sie ihre Wirte nutzen können. Dazu gehört zum Beispiel die eigene Verbreitung: Viele Neuroparasiten verändern das Verhalten ihrer Opfer, um sich von ihnen gezielt an einen bestimmten Ort bringen zu lassen.

Infizierte Rossameise
Eine mit Ophiocordyceps unilateralis infizierte Ameise beißt sich auf der Unterseite eines Blattes fest. © D. Hughes/ M.-B. Pontoppidan/ CC-by-sa 2.5

Gefügige Zombie-Ameisen

Diese Methode haben unter anderem Pilze wie Ophiocordyceps unilateralis perfektioniert. Ihre Sporen keimen auf unterschiedlichen Arten von Rossameisen und dringen mit ihren Hyphen in das Gehirn der Insekten ein. Was dann folgt, könnte aus einem schlechten Horrorstreifen stammen: Durch den Befall werden die Ameisen gewissermaßen zu Zombies, die willenlos den ihnen eingeflüsterten Instruktionen folgen.

Konkret bedeutet dies, dass die Tiere hinauf in Bäume oder andere Pflanzen klettern und sich an Blattunterseiten, Zweigen oder Rinde festbeißen. Dort findet der Pilz optimale Bedingungen vor, um seinen Fruchtkörper und Sporen zu bilden, die er aus luftiger Höhe besonders effektiv verteilen kann – auf potenzielle neue Opfer. Diese haben freilich nichts von ihrer Dienstleistung, denn der Pilz saugt auch sämtliche Nährstoffe aus ihnen heraus. So verenden die Ameisen dort, wo ihr Pilz-Herr sie hingesteuert hat.

Mit pinochordodes tellinii infizierte Eichenschrecke
Spinochordodes tellinii kriecht aus seinem Wirt, der Eichenschrecke, heraus. © A. Schmidt-Rhaesa/ CC-by-sa 3.0

Suizid wider Willen

Ebenfalls als Transportmittel missbraucht Spinochordodes telinii seine Wirte, ein Vertreter der Saitenwürmer (Nematomorpha), die in Grillen und Heuschrecken heranwachsen. Bis zum Zeitpunkt seiner sexuellen Reife macht es sich der Wurm in Eichenschrecken gemütlich. Dann jedoch muss er den bequemen Wirtskörper verlassen, um sich zu paaren – und das tut er im Wasser.

Nun sind Eichenschrecken dafür bekannt, dass sie Wasser eher meiden. Befallene Tiere aber fühlen sich plötzlich magisch davon angezogen. Immer genau dann, wenn ihr Untermieter geschlechtsreif ist, steuern sie mitten in der Nacht auf Gewässer zu und springen hinein. Im Wasser windet sich der Wurm dann aus dem Hinterleib der Insekten heraus – theoretisch wären die Wirtstiere damit frei. Allerdings ertrinken die meisten von ihnen. Sie sind Nichtschwimmer.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Fremdgesteuert
Wenn Parasiten die Kontrolle übernehmen

Parasiten als Marionettenspieler
Neuroparasiten entern Nervenbahnen und Gehirne ihrer Opfer

Nützliche Transportmittel
Wenn Ameisen auf Bäume klettern und Heuschrecken ins Wasser springen

Unfreiwillige Babysitter
Wie Schmarotzer ihre Wirte zur Jungenaufzucht nutzen

Auch der Mensch ist Opfer
Toxoplasmose-Erreger manipuliert Mäuse – und Menschen

Triebfedern der Evolution
Parasiten fördern kreative Anpassung

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