„Nickerchen“ als Überlebensgarantie - scinexx | Das Wissensmagazin
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„Nickerchen“ als Überlebensgarantie

Tiere im Ausnahmezustand

Sonnenuntergang über dem Pazifik, von der Raumstation ISS aus gesehen © NASA

Die einen wandern ab und fliegen in wärmere Gefilde, andere legen sich einen massiven Futtervorrat oder ein dickes Fell zu und manche haben sogar Frostschutzmittel im Blut: Strategien um mit Kälte und Nahrungsmangel zu recht zu kommen, gibt es unter Tieren viele.

Besonders faszinierend jedoch ist ein anderes Phänomen – der Winterschlaf. In Deutschland machen sich Tiere wie Hamster, Murmeltiere, Fledermäuse oder Siebenschläfer jedes Jahr spätestens ab September oder Oktober auf die Suche nach einem sicheren Schlupfwinkel. Ist eine geeignete Höhle, ein Astloch oder ein morscher Baumstamm gefunden, wird dieses Versteck mit Gras, Stroh oder Blättern gemütlich ausgepolstert.

Fettpolster und Nahrungsvorräte

Die Mühe lohnt sich, schließlich müssen es die Tiere monatelang in ihrem Winterquartier aushalten. Der Siebenschläfer beispielsweise hält jedes Jahr ein Nickerchen, das von September bis Anfang Mai dauert. Und auch Igel oder Feldhamster schlafen in der Regel fünf bis sechs Monate – mindestens.

Bevor es jedoch ins gemachte Bett geht, müssen sich die Tiere noch für die lange Zeit rüsten. Die meisten von ihnen legen im Sommer ein mächtiges Fettpolster im Körper an, das bei Murmeltieren durchaus ein stattliches Kilogramm betragen kann. Andere setzen zusätzlich auf Wintervorräte. Wie der Feldhamster, der seinen unterirdischen Bau zu einer Vielzweckwohnung ausgebaut hat. Neben einem „Schlafzimmer“, gibt es hier eine separate „Toilette“ (Kotplatz) und vor allem einen kombinierten „Koch-/Essbereich“ (die Vorratskammer).

Seine Nahrungsvorräte sind so reichlich bemessen, dass Menschen früher bei Hungersnöten regelrecht Jagd auf die Hamsterverstecke gemacht haben. Mit Schaufeln oder Spaten gruben sie damals die Bauten aus und plünderten die Kornvorräte der kleinen Nager.

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Winterschläfer Haselmaus © Björn Schulz /GFDL

Abtauchen wie auf Kommando

Ist endlich alles für das „große Schlafen“ bereit, verschwinden die Winterschläfer urplötzlich wie auf Kommando in ihren Unterkünften und fallen in einen monatelangen Tiefschlaf – sollte man zumindest meinen. Doch Biologen wissen längst, dass dem nicht so ist. Denn während ihres Winterschlafs wachen nahezu alle Tiere regelmäßig auf, um zu fressen oder ihren Körper einfach wieder einmal auf Betriebstemperatur zu bringen.

So dauern die Schlummerphasen des Siebenschläfers meist zwischen 20 und 29 Tagen ehe sie für kurze Zeit zum Leben erwachen. Erdhörnchen wie das Goldmantel-Ziesel unterbrechen ihren Winterschlaf sogar ungefähr einmal die Woche für zwölf bis zwanzig Stunden. Doch dieses regelmäßige Hochfahren der Vitalfunktionen hat seinen Preis. Es verbraucht große Teile der mühsam angefressenen Energiereserven.

Winterschläfer setzen auf „Stand by-Modus“

Doch wie schaffen es die Winterschläfer überhaupt, die lange Zeit bis zum Frühling ohne Schaden zu überstehen? Ganz einfach. Die Natur hat dafür schon vor langer Zeit eine ebenso ungewöhnliche wie wirkungsvolle Technik entwickelt: Den „Stand by-Modus“…

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Rätsel Winterschlaf
Wie Tiere die kalte Jahreszeit überbrücken

„Nickerchen“ als Überlebensgarantie
Tiere im Ausnahmezustand

Der Stand by-Modus der Natur
Wie Tiere Energie sparen

Frühe Rendezvous wichtiger als Winterschlaf
Murmeltier-Männchen auf Brautschau

Winterschläfer Bär?
Von Winterruhe und Kältestarre

Freispruch für die innere Uhr
Wer oder was reguliert den Winterschlaf?

Auch Makis können Winterschlaf
Tropische Halbaffen überdauern schlummernd die Trockenzeit

Fettschwanzmakis „verschwinden von der Bildfläche“
Kathrin H. Dausmann von der Universität Hamburg im Interview

Dorsche legen sich selbst „auf Eis“
Winterschlaf-ähnliches Phänomen bei Fischen nachgewiesen

Klimawandel bringt Winterschlaf durcheinander
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