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Nicht nur Fleisch

Was haben unsere Vorfahren gegessen?

Tierisches Fleisch war gewiss die wichtigste Nahrungsquelle der Menschen im Paläolithikum, aber nicht die einzige, wie Studien zeigen. Ottmar Kullmer, Forscher am Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt am Main, hat die Kauflächen von steinzeitlichen Backenzähnen daraufhin untersucht. Sein Befund: Unsere Vorfahren nahmen auch viel Pflanzliches zu sich, jeweils in Abhängigkeit der regional-geografischen Gegebenheiten.

Auf den Zahn gefühlt: Senckenberg-Forscher Ottmar Kullmer analysiert die Kauwerkzeuge unserer Vorfahren. © Sven Tränkner/ Senckenberg

Die Umwelt bestimmt den Speiseplan

„Wir haben Zähne verschiedener Jäger- und Sammlergruppen untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass die Zusammensetzung der Ernährung sehr unterschiedlich war: In nördlichen Regionen war der tierische Anteil der Nahrung unserer Vorfahren höher, im Nahen Osten und in mediterranen Regionen wurde vielfältiger gegessen – schlicht, weil es das Angebot hergab: Seafood, Wurzeln, Pflanzen“, berichtet Ottmar Kullmer.

Die extreme Anpassungsfähigkeit an die Gegebenheiten ist für den Paläontologen das Entscheidende. Die Menschen kamen im Prinzip überall klar, gleichgültig wie beschränkt das Nahrungsangebot war. An dieser enormen Flexibilität hat unsere kulturelle Entwicklung, insbesondere die Vielfältigkeit der Nahrungsaufbereitung, sicher einen erheblichen Anteil.

Weil wir unsere Zähne kaum mehr beanspruchen, häufen sich heute Zahnfehlstellungen. © Jorge Barrios/ gemeinfrei

Unsere Zähne sind unterfordert

Doch die Biologie unseres Organismus konnte mit der rasanten kulturellen Evolution nicht Schritt halten. Dies zeigt sich etwa am menschlichen Gebiss und Kiefer. Denn dieses bereitet uns gerade in den Industrienationen mittlerweile große Probleme. „Es herrscht kein Selektionsdruck mehr auf unserem Kauapparat“, erklärt Ottmar Kullmer „Der Organismus reagiert darauf mit Reduktion.“

Während früher sogar harte Gräser und Blätter zur üblichen Kost gehörten, essen wir heute fast nur noch weichgekochte oder anderweitig vorverarbeitete Nahrung. Zahnfehlstellungen und rückgebildete Kiefer gehören deswegen heute zu den Zivilisationskrankheiten. „Unser Organismus ist evolutionär auf die Abnutzung der Zähne eingestellt; indem wir nur noch stark aufbereitete Nahrung zu uns nehmen und unsere Zähne nicht mehr wie in der Steinzeit stark beanspruchen, hebeln wir deren Funktion aus“, sagt Ottmar Kullmer.

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Wiebke Peters/ Leibniz Journal
Stand: 22.01.2016

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Speisen wie zur Steinzeit
Wissenschaftler erforschen die Ernährung unserer Vorfahren

Menü wie in der Altsteinzeit
Ein ungewöhnlicher Museumsbesuch

Proteinreich und fett
Wie die Jagd unsere Vorfahren prägte

Nicht nur Fleisch
Was haben unsere Vorfahren gegessen?

Süß schmeckt gut
Unser Geschmack ist noch auf Steinzeit programmiert

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