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Neue Waffen, neue Kriege

Konflikte in der europäischen Bronzezeit

Von den bronzezeitlichen Kulturen des Mittelmeerraums sind aus bildlichen und schriftlichen Überlieferungen unzählige Kriege und Konflikte bekannt. Vor allem in der Levante, aber auch in Anatolien und im alten Ägypten kämpften Machthaber und Reiche immer wieder um Territorien und Herrschaft.

Besonders bekannt ist die Schlacht von Kadesch im Jahr 1274 vor Christus, bei der die Ägypter unter Ramses II. gegen die Hethiter kämpften. Von den Konflikten jener Zeit zeugen auch die vielen befestigten Städte und Paläste, die damals unter anderem in der umkämpften Levante entstanden. So waren die Festung von Kadesch, aber auch das Stadtkönigreich Qatna im heutigen Syrien durch mächtige Mauern gegen Angreifer geschützt.

Schwert
In der Bronzezeit entstanden neue Waffen, hier ein Vollgriffschwert.© Heldinpantoffeln /CC-by-sa 4.0

Neue Waffen…

Doch wie war es in dieser Zeit in Mitteleuropa? Weil es aus dem bronzezeitlichen Europa kaum Aufzeichnungen gibt und auch Funde rar waren, hielt man diese Zeit lange für weitgehend friedlich und wenig von größeren Konflikten geprägt. Doch spätestens die Entdeckung des bronzezeitlichen Schlachtfeldes im Tollensetal in Mecklenburg belegt, dass diese Schlussfolgerung nicht realistisch war und als widerlegt gelten kann.

Mit dem Aufkommen neuer Waffen, wie der Lanze oder der Hieb- und Stichschwerter, wird in der Bronzezeit Europas im 2. Jahrtausend vor Christus eine Ausweitung von Gewalt und Krieg erkennbar. Innovative Herstellungstechniken im Bronzeguss erlaubten es, in größerem Umfang als bisher lange Schwerter zu gießen. Sie wurden von einem geschätzten Prestigeobjekt zu einer Massenware – eine Vervielfachung der tödlichen Kriegswaffe.

…neue Befestigungen

Es liegt daher nahe, auch die Gewaltmittel des Kriegs – die Schwerter und Lanzen – und die Infrastruktur des Konflikts – die Burgen – nicht länger als symbolische Äußerungen zu verstehen, sondern in die Geschehnisse ihrer Zeit zu integrieren. Auch die Burgen mit ihren Befestigungen stellten im 2. Jahrtausend in Mitteleuropa ein neues Phänomen dar, das im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Umbrüchen und Entwicklungen gesehen werden muss.

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Bronzezeitliche Burgen repräsentierten mit ihren unterschiedlich aufwendig konstruierten Holz-Erde-Stein-Mauern eine beeindruckende Architektur der Macht. Die mit starken Mauern befestigten Siedlungen bringen ein eminentes Schutzbedürfnis zum Ausdruck, zugleich waren sie Machtbasen, von denen aus Ressourcen und Verkehrswege kontrolliert werden konnten.

Heuneburg
Blick von innen auf die Außenbefestigungen der bronzezeitlichen Heuneburg. © Dietrich Krieger/CC-by-sa 3.0

Interdisziplinäre Erforschung der Bronzezeitfestungen

Welchen Einfluss hatten die bronzezeitliche Besiedlung und insbesondere die befestigten Siedlungen und der Burgenbau in den unterschiedlichen Landschaften Europas? Inwieweit waren sie die Folge von veränderten wirtschaftlichen Grundlagen, Nutzungssystemen sowie der Entnahme von Ressourcen?

Im Rahmen der hessischen Landesoffensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) haben Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt und der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt zwischen 2016 und 2019 neue Ansätze zum bronzezeitlichen Krieg und der Entwicklung der Waffentechniken erforscht. Wissenschaftliche Projektpartner sind die hessenArchäologie, die Kreisarchäologie Fulda, die Nationalmuseen in Alba Iulia und Timişoara (Rumänien) sowie das Museum in Arad (Rumänien).

Ein interdisziplinäres Team aus Archäologen, Archäobotanikern, Mittelalterhistorikern und Soziologen geben dem LOEWE-Schwerpunkt ein besonderes Profil. Sie stehen für einen innovativen Ansatz der Erforschung von Konflikten und der Rolle von neuen Waffen und bronzezeitlichen Burgen im 2. Jahrtausend vor Christus – auch in einer vergleichenden Perspektive zu frühmittelalterlichen Befestigungen und zu Befestigungs- und Verteidigungsanlagen aus ethnographischen Fallbeispielen.

Autoren: Rüdiger Krause und Svend Hansen/ Universität Frankfurt, Forschung Frankfurt

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Burgen - Architektur der Macht
Festungen als Zeugnisse von Krieg und Konflikt in der Bronzezeit

Neue Waffen, neue Kriege
Konflikte in der europäischen Bronzezeit

Symbol und Schutz
Befestigungen als Ausdruck von Macht und Ideologie

Krieg oder Ritus?
Das Rätsel der verbrannten Mauern

Großangriff auf Teleac
Kampfzeugnisse in Siebenbürgen

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