Nasser, näher und zu mild - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wie groß ist die Gefahr für Deutschland?

Nasser, näher und zu mild

Wintersturm über Deutschland © NOAA

Die Stimmen der Mahner mehren sich: In einer Studie der EU kommen die Klimaforscher zwar zu dem Schluss, dass eine Zunahme der Sturmfrequenz nicht als erwiesen gilt, halten sie aber sehr wohl „für möglich“. Auch die Klimaforscher der Münchener Rück betonen, dass einzelne Sturmhäufungen noch keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung erlauben, warnen aber gleichwohl vor intensiveren Sturmereignissen und zu erwartenden höheren Schäden.

Einig sind sich die Klimaforscher aber zumindestens in einem Punkt: Der Klimawandel wird keinesfalls spurlos an uns vorübergehen – auch und gerade nicht im Hinblick auf die Winterstürme. Und einige der Auswirkungen gelten schon jetzt als sehr wahrscheinlich:

„Nassere“ Stürme

Durch die höheren Lufttemperaturen kann die Atmosphäre in Zukunft mehr Wasserdampf aufnehmen. Vollgesogen wie ein Schwamm strömt diese feuchte Warmluft dann in unsere Breiten und entlädt hier ihre gesamte Wasserfracht in sintflutartigen Regengüssen. Schon jetzt haben Untersuchungen in den USA, Europa und Australien gezeigt, dass sich die Niederschlagsmuster verändern. In Mitteleuropa drohen immer häufiger extrem trockene Sommer und milde, dafür um so nassere Winter.

Bringt ein starker Sturm innerhalb von kurzer Zeit literweise Regen, kann der ohnehin nasse Boden diesen Überschuss nicht mehr aufnehmen. Das ganze Wasser ergießt sich daher ungepuffert in die Flüsse und Seen. Sturzfluten und Überschwemmungen ganzer Landstriche sind die Folge.

Die Sturmküche rückt näher

Neuere Klimamodelle deuten daraufhin, das sich die Wiege der Stürme, die Polarfront zwischen Island und den Azoren, allmählich weiter nach Osten verlagert. Sie rückt damit langsam aber sicher immer näher an das europäische Festland heran. Die Folge: Künftig könnten „meteorologische Bomben“ wie „Lothar“ noch schneller über Mitteleuropa hereinbrechen. Die ohnehin durch diese „Überraschungsgäste“ leidgeprüften Meteorologen hätten dann kaum noch eine Chance, eine Sturmwarnung herauszugeben. Geschweige denn so rechtzeitig, dass Schutzmaßnahmen getroffen werden können.

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Freie Bahn nach Mitteleuropa © MMCD
Der Schutzwall fällt

Schon 1990 und 1999 hatte das Fehlen des osteuropäischen Kältehochs fatale Folgen: Die zähe Kaltluftblockade gegen die aus dem Westen heranstürmenden Tiefs blieb aus und Europa war „Anatol“ & Co. schutzlos ausgeliefert. Doch genau diese Situation könnte in Zukunft häufiger eintreten. Denn mit dem sich aufheizenden Klima nehmen auch die milden Winter in Europa zu. Fehlt aber die kühlende Schneedecke in Mitteleuropa, kann das Kältehoch nicht so weit nach Westen vorstoßen – der atmosphärische Sturmschutzwall fehlt.

Noch liefern die Modelle und Simulationen der Wissenschaftler zwar nur selten quantitativ eindeutige Aussagen und auch Wetterkapriolen wie in diesem Sommer gelten nicht als „echte“ Vorboten. Aber die Indizien für eine stürmische Zukunft mehren sich…

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Stand: 20.10.2003

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Winterstürme
Stürmische Zeiten für Mitteleuropa?

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Winter, Wolkenwirbel und Wellen
Stürme und ihre Folgen

Konfrontation im Nordatlantik
Warum unsere Stürme immer von Westen kommen...

Eine Bombe zur Jahrtausendwende
"Lothar" - Sturmlauf über Europa

Das tobende Rudel
Ein Sturm kommt selten allein...

Kein Gegenmittel?
Mit Karten und Warnungen gegen die Gefahr

Alarmstufe Sturm
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