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Von Riten, Religionen und Aberglauben

Mythos Blut

Blut © PixelQuelle/ Gaby Grams

Wie ein roter Faden zieht sich der Mythos Blut durch Legenden und Religionen in aller Welt. Die wohl älteste Beschreibung eines Zauberrituals, bei dem Blut eine Rolle spielt, findet sich bei Homer. Als Odysseus bei seinem Abstieg in die Unterwelt auf die Seelen der Toten trifft, muss er ihnen zunächst das Blut verschiedener Opfertiere darbringen. Erst durch das Trinken dieser Flüssigkeit erlangen die Toten die Erinnerung zurück und erkennen den Helden wieder.

Die Legende von Vampiren ist keineswegs nur ein abendländischer Mythos. Bei fast allen Kulturen gab es Vorstellungen von Untoten, die Blut tranken, auch bei den Germanen, Römern und Kelten sowie in Afrika.

Im antiken Griechenland waren sie unter dem Namen „Lamias“ bekannt. Der Legende nach handelte es sich um vampirartige weibliche Gespenster, die oft halb menschlich, halb tierisch erschienen. Sie aßen das Fleisch ihrer Opfer und tranken deren Blut.

Doch nicht nur in der Literatur, auch in der Religion hatte Blut schon immer einen besonderen Stellenwert. Im Altertum waren Chinesen und Ägypter der Ansicht, dass die Kräfte ihrer erschlagenen Feinde auf sie übertragen würden, wenn sie deren Blut tranken. Auch die Germanen sollen sich am noch warmen Blut von erlegten Bären, Wölfen und Rindern gelabt haben, um sich deren Eigenschaften anzueignen.

Blutopfer

Blutopfer waren eine besondere Form der Zeremonie, bei der tierisches oder menschliches Blut einer Gottheit dargeboten wurde. Bei den Mayas galt Blut sogar als Getränk der Götter. Daher musste es fließen, damit die Verbindung zu den Göttern und Ahnen nicht abriss.

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Bereits die alten Babylonier und Ägypter glaubten zudem, dass das Blut der Sitz der Seele sei. Auch im Alten Testament wird Blut mit Leben gleichgesetzt. Das Blut von Opfertieren hat sühnende Kraft und Lammblut wurde in der Zeit der Inquisition an Wände gestrichen, um böse Geister abzuwehren. Beim Abendmahl wird das Blut Christi dagegen symbolisch getrunken, um die Vergebung von Sünden zu erwirken.

Blut wurde lange Zeit auch gerne als Ausdruck enger Bindungen benutzt. Eine Blutsbrüderschaft symbolisierte beispielsweise eine besondere Verbundenheit zwischen zwei Freunden, wie sie sonst nur bei einem Brüderpaar vorhanden ist.

Im Mittelalter galt das Blut neben Schleim, schwarzer und gelber Galle als einer der vier Lebenssäfte. Krankheiten wurden durch ein Ungleichgewicht dieser vier Säfte erklärt. Damit sich das Gleichgewicht wieder einstellte, musste überschüssiges Blut abgelassen werden. Doch auch, nachdem die Viersäftelehre längst überholt war, führten Ärzte den Aderlass noch als eine der gängigsten Behandlungsmethoden gegen alle erdenklichen Krankheiten bis ins 19. Jahrhundert durch.

Der Blutkreislauf wird entdeckt

William Harvey © University of Texas

Obwohl das Blut aus Literatur und Religion nicht wegzudenken war, wusste man lange Zeit wenig über das rote Lebenselixier. Woraus besteht das Blut? Wie entsteht es? Diese Fragen konnten Forscher erst in den späteren Jahrhunderten klären. Bis dahin glaubte man den Lehren Galens, wonach das Blut aus der Nahrung gebildet wurde. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entdeckte der britische Arzt William Harvey den Blutkreislauf. Damit sich das Blut nicht der Schwerkraft folgend in den Beinen ansammelt, muss es einen Antriebsmechanismus, also eine Pumpe geben. Diese Funktion übernimmt das Herz. Die Herzklappen sorgen dafür, dass das Blut nur in eine Richtung fließen kann, und zwar in den Arterien vom Herzen weg und durch die Venen zum Herzen zurück.

Wie kommt aber der kontinuierliche Blutstrom zustande? Eigentlich müsste das Blut nach jeder Kontraktion fast zum Stillstand kommen und dann wieder angetrieben werden. Die Natur hat das Problem mit elastischen Blutgefäßen anstelle von starren Röhren gelöst. So nehmen die Gefäße in der Nähe des Herzens zwischen zwei Herzschlägen größere Blutmengen auf und geben es während der Ausdehnung wieder ab. Das Blut wird also quasi als Welle aus dem Herz ausgestoßen und dann in eine kontinuierliche Strömung umgewandelt.

Woraus das Blut im einzelnen besteht, zeigt der Blick durchs Vergrößerungsglas…

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Stand: 20.05.2005

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Lebenselixier Blut
„Ein ganz besondrer Saft“

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Mythos Blut
Von Riten, Religionen und Aberglauben

Spezialisten im Einsatz
Die einzelnen Blutzellen

Blutgerinnung
Selbstheilung bei offenen Wunden

Blut ist nicht gleich Blut
Das System der Blutgruppen

Der Fluch des Blutes
Risiken einer Bluttransfusion

Tödliche Gene als Lebensretter
Mit Sichelzellenanämie gegen Malaria

Attacken auf das Immunsystem
Wenn harmlose Erreger tödlich wirken

„Weißes Blut“
Tödlicher Überschuss an weißen Blutkörperchen

Künstliches Blut
Die sichere Alternative

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