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Sie arbeiten nicht nur, wenn der Wind weht

Mühlengeschichten

Der Wind steht gut. Angetrieben durch eine kräftige Böe haben sich die schweren Basaltmahlsteine mit einer gewissen arbeitsunwilligen Trägheit in Gang gesetzt, bevor sie mit einem gleichbleibenden Mahlgeräusch das zur Verfügung stehende Getreide zu Mehl zerkleinern. Über den Sackaufzug hat Theo Verbeek den Getreidesack, der am Ende des heutigen Tages die wundersame Wandlung zu duftenden Brotlaiben vollzogen haben soll, auf den Steinboden transportiert. Der Roggen rieselt nun portionsweise durch den Trichter seiner Zerkleinerung entgegen.

Der Läuferstein hat einiges zu tun. Auf dem festliegenden Bodenstein liegt er auf dem Mühlenstein auf und zerreibt mit unerbittlicher Gleichförmigkeit das Getreide. Diese Basaltsteine haben einen Durchmesser von 1,6 Metern und können bis zu 30 Zentner wiegen. Früher musste, je nachdem wie stark oder schwach der Wind wehte, der Laufstein mit seinem stolzen Gewicht angehoben oder abgesenkt werden. Das geht ins Kreuz. Doch der moderne Müller ist längst nicht mehr ausschleßlich von den Windstärken abhängig. Herrscht Flaute, wird der Motor angeworfen, und es kann weiter gemahlen werden.

Mühle und Beruf sind für Theo Verbeek Familiengut. Im Jahr 1920 hat sein Vater die alte Haarener Windmühle, einen Bergholländer aus dem Jahre 1842, erworben. Seitdem kostet es die Familie einiges an Zeit und Geld, die alte Mühle so gut in Schuss zu halten, wie sie es jetzt ist. Auch nachdem 1940 die Mühlenflügel „durch die Bremse“ gingen, selbige heiß lief und einen Brand verursachte, wurde das traditionsreiche Bauwerk nicht aufgegeben. „Man hängt ja dran“, so Theo Verbeek.

Auch wenn die Zeiten für die Müller unserer Tage nicht gerade rosig sind, ist es die Frage, ob Theo Verbeek mit einem seiner Vorgänger hätte tauschen wollen. Mehlstaublunge, chronische Bronchialkatarrh, Gicht und Wirbelsäulendeformation – Berufskrankheiten hat es nicht erst in den Zeiten der Industrialisierung gegeben. Aber auch Vorteile brachte der Berufsstand des Müllers mit sich. Vor Ort war meist nur eine Mühle vorhanden. Die „Monopolstellung“ brachte es mit sich, dass der Müller – sofern er auch Besitzer des Bauwerks war – ein angesehener und auch ein recht wohlhabender Mann war. Heute sieht es mit der Arbeitsauslastung der Windmühlen ein wenig anders aus. Wurde vor wenigen Jahrzehnten noch viel für die Bauern der Umgebung gemahlen, haben die Großmühlen diese Einnahmequelle schon längst abgegriffen. Auch der Markt für Vollkornprodukte ist nicht so groß, dass man davon reich werden könnte.

Menschen wie Theo Verbeek, die Mühlen betreiben und pflegen, bewahren Stück regionaler Geschichte. Die Mühlen haben Landschaften und auch noch den Alltag unserer Großeltern geprägt. Sie heute für ihre Leistungen ein bisschen zu pflegen, ist doch nur recht und billig…

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Stand: 06.04.2000

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Inhalt des Dossiers

Windenergie
Die Kraft des Windes und ihre Nutzung

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Zum Weiterlesen
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Wie der Wind weht
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