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Monsterwellen aus der Retorte

Die Zentren der Riesenwellen-Forschung

Genauso spannend wie die Entwicklung des Wellenradars WaMOS sind die Versuche der Forscher vom Institut für Schiffs- und Meerestechnik der TU Berlin. Sie versuchen die physikalischen Prinzipien aufzuspüren, die zu einer Freak Wave durch Überlagerung von Einzelwellen führen können. Nach zahlreichen Simulationen im Testbecken ist es dabei den Wissenschaftlern um Prof. Dr.-Ing. G. Clauss und U. Steinhagen gelungen, künstlich Freak Waves auszulösen. Sie brachten dazu eine Folge von „normalen“ Wellen mit jeweils unterschiedlichem Tempo auf den Weg, die sich an einem bestimmten Punkt vereinigten. Die höchste in diesem Huckepackverfahren erzeugte Riesenwelle hatte ein Gardemaß von immerhin drei Metern.

Im größten Wellenkanal der Welt, im Forschungszentrum Küste in Hannover, werden dagegen die Auswirkungen der Meereswogen auf Offshore-Anlagen, Wellenbrecher und Deichanlagen untersucht. Mithilfe des Computers und einer hydraulisch angetriebenen Wellenmaschinen simulieren die Forscher alle möglichen Arten von Wellen bis hin zu Wellengruppen und hohen Einzelwellen im Verhältnis 1:10. Wissenschaftler und Techniker aus den verschiedensten Ländern arbeiten in dem mehr als 300 Meter langen, fünf Meter breiten und sieben Meter tiefen Testbecken, weil sie wissen wollen, wo die Schwachpunkte von Ölplattformen liegen oder welche Wellenbrecher sich besonders als Deich- oder Küstenschutzbauwerke eignen.

Die Hamburger Schiffsbau-Versuchsanstalt hat sich ein anderes Ziel gesetzt. Dort laufen zurzeit Experimente im Versuchskanal, bei denen es darum geht, Schiffsmodelle künstlich zum Kentern zu bringen. Durch Veränderung von Risikofaktoren wie Beladung oder Seegang sollen die Bedingungen ermittelt werden, unter denen Fähren oder Frachtschiffe auf hoher See am meisten gefährdet sind.

Doch trotz aller Bemühungen und Erfolge bei der Erforschung der Riesenwellen sind heute immer noch zahlreiche Rätsel ungelöst. Bis es soweit sein wird, dass Offshore-Anlagen und Schiffe mit perfekter Technik dem Angriff von Freak Waves trotzen können, wird es deshalb noch einige Zeit dauern. Auch die ständige lückenlose Überwachung aller Meere im Hinblick auf Monsterwellen liegt noch in weiter Ferne. Ein funktionierendes Frühwarnsystem für Freak Waves jedoch scheint – WaMOS sei Dank – in ein paar Jahren möglich. Vielleicht werden dann auch Seegangsvorhersagen im Schiffsverkehr wie diese längst Routine sein: „In der Biscaya muss am 15. November auf 44° Nördlicher Breite und 5° westlicher Länge mit einem Kaventsmann von 35 Meter Höhe gerechnet werden. Zu ihrer eigenen Sicherheit bitten wir Sie das Seegebiet großräumig zu umfahren oder entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu unternehmen.“

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Stand: 04.11.2002

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Riesenwellen
Aufruhr in Poseidons Reich

Giganten der Meere
Rätselhafte Riesenwellen

Tsunamis, Gezeitenwellen und Freak Waves
Wände aus Wasser

Vom Jahrhundertereignis zur Routine auf See
Wie häufig sind Riesenwellen?

Von Kaventsmännern, Drei Schwestern und Weißen Wänden
Steckbriefe für Riesenwellen

Im Huckepack-Verfahren zum Monster?
Ursachen für Riesenwellen

Wehe, wenn die Welle zuschlägt...
Welche Folgen haben Freak Waves?

Den Rätseln der Riesenwellen auf der Spur...
Forschungsprojekt "MaxWave"

Monsterwellen aus der Retorte
Die Zentren der Riesenwellen-Forschung

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