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Mit Geduld zur Erkenntnis

Die Entdeckung der Venusperiode und der Saroszyklen

Mit dem Gnomon hatten die Mesopotamier bereits ein effektives Werkzeug, um die Bewegung der Sonne zu verfolgen. Für die nächtlichen Sternenbilder half ihnen dies allerdings wenig. Dafür bedurfte es anderer Winkelmessinstrumente, wie der frühen Armillarsphäre, aber vor allem einer geduldigen Beobachtung. Bereits die Sumerer hatten Methoden zur langwierigen Beobachtung von Konstellationsbewegungen und deren Dokumentation entwickelt. Später fassten die Babylonier diese Beobachtungen dann mathematisch zusammen.

"When the Morning Stars Sang Together" Zeichnung von William Blake (1757- 1827), Poet und Maler. Das Bild ist eine mythologische Darstellung des Morgensterns. Es verdeutlicht die hohe Bedeutsamkeit der Venus auch in der neuzeitlichen Mythologie. © gemeinfrei

Im Zentrum der Himmelsbeobachtungen stand dabei der neben der Sonne und dem Mond hellste Himmelskörper: die Venus. Noch heute leuchtet sie vor allem am frühen Morgen oder Abend am Nachthimmel, weshalb sie schon bei den Babyloniern als Morgen- und Abendstern bekannt war. Bei den Römern bekam der erdnächste Planet später den Namen der Liebesgöttin Venus. Doch auch die Mesopotamier widmeten ihn bereits der Göttin Ishtar, die, ähnlich der späteren Venus, als Göttin des sexuellen Begehrens und des Krieges verehrt wurde.

Die Periodizität der Venus

Die Venus sticht mit ihrer Größe und Helligkeit dem Himmelsbetrachter sofort ins Auge, weshalb sie bereits damals populär war und Ziel intensiver Beobachtungen wurde. Tatsächlichen zahlten sich diese langjährigen Studien aus: Die Babylonier entdeckten, dass sich die Bewegungen der Venus über den Nachthimmel alle acht Jahre wiederholen. Mit dieser heute als „Venusperiode“ bekannten Abfolge hatten die Babylonier eines der wichtigen Charakteristika für das Verhalten von Planeten am Himmel – die sogenannte Periodizität – entdeckt.

Die Venus: Diese Abbildung zeigt die Wolkenumgebung der Venus. Aufgenommen wurde das Bild von der Raumsonde Pioneer im Jahre 1979. © NASA

Die Dokumentationen, auf denen diese Entdeckung gründet, wurde zur damaligen Zeit jedoch noch etwas anders formuliert, als es heutige Astronomen vermutlich tun würden: „Wenn im Monat Sabatu (Februar) am 15. Tage Venus im Westen verschwand, 3 Tage unsichtbar blieb […], so gibt es Katastrophen von Königen; Adad (mesopotamischer Wettergott) wird Regen bringen, Ea (Nachkomme Tiamats) unterirdisches Wasser; Könige werden Königen Grüße senden.“ Doch trotz ihres eher prophetisch anmutenden Inhalts enthielten diese Aufzeichnungen klare Beobachtungen und lieferten so die Grundlage für Entdeckungen wie die Venusperiodizität.

Die Entdeckung der Saroszyklen

Aber nicht nur die wiederkehrenden Bewegungen des Morgen- und Abendsterns konnten die antiken Astronomen auf diese Weise beschreiben. Auch die Entdeckung der sogenannten Saroszyklen wird den Wissenschaftlern des Zweitstromlandes zugeschrieben. Dabei handelt es sich um einen von vielen Finsterniszyklen. Solche Zyklen beschreiben ein Muster, das sich aus den nach einem gewissen Zeitraum wiederholten Umlaufbahnen von Mond und Erde um die Sonne ergibt.

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Die Abbildung zeigt deutlich, dass Sonne, Mond und Erde in einer Linie stehen müssen, damit es auf der Erde zu einer Sonnenfinsternis kommt. Der Mond steht dabei so, dass er sich an einem bestimmten Fleck der Erde zwischen sie und die Sonne schiebt. © gemeinfrei

Damit es etwa zu einer Sonnenfinsternis kommt, müssen Sonne, Mond und Erde in einer Linie stehen. Dies tritt nur auf, wenn der Mond an einer der beiden Schnittstellen seiner Umlaufbahn mit der Ekliptik der Sonne steht. Da nicht nur die Überschneidung von Sonnen und Mondbahn wichtig ist, sondern auch die der Erdbahn und die Erdposition relativ zu beiden – kommt es stets an unterschiedlichen Orten und Zeiten zu Sonnenfinsternissen auf der Erde. Aufgrund der Periodizität der Konstellationsbewegung wiederholen sich diese Ereignisse aber in unterschiedlich langen Abständen. Dies bezeichnet man allgemein als Finsterniszyklus.

Der Saroszyklus ist einer von ihnen. Die Babylonier fanden für ihn eine Länge von 18 Jahren und elf Tagen. Nach genau dieser Zeit, wiederholt sich im Saroszyklus eine Abfolge von 71 Finsternisereignissen. Ist ein solches Zyklus-Muster einmal erkannt, lassen sich weiter Finsternisse leicht voraussagen.

Den Namen Saros tragen diese Zyklen durch einen Irrtum des englischen Astronomen Edmund Halley, der sich fälschlicherweise auf den antiken Begriff SAR stützte, welcher so viel wie die Zahl „3.600“ oder „im Weltall“ bedeutet. Die ursprüngliche babylonische Bezeichnung lautete jedoch: 17,46,40 – ein mathematisches Synomym für „18 Jahre“. Einige Jahrhunderte nach seiner Entdeckung um 748 vor Christus wurde der Saroszyklus auch von den griechischen und römischen Gelehrten wie Herodot, Hipparchos, Plinius und Ptolemäus erwähnt.

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Kathrin Bernard
Stand: 02.02.2013

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Von Göttern und Sternen
Astronomie und Weltbilder in der Antike

Eine stille Revolution
Beginn systematischer Astronomie in Mesopotamien

Was die Sonne verrät
Mit Winkelmessern und Wasseruhren zu ersten Beobachtungen

Mit Geduld zur Erkenntnis
Die Entdeckung der Venusperiode und der Saroszyklen

Von der Arithmetik zur Geometrie
Die Einflüsse mesopotamischer Astronomie auf die antiken Griechen

Die Symphonie des Universums
Vom geozentrischen Kosmos zum harmonischen Klang der Planeten

Der Erfolg einer falschen Theorie
Wie sich das Bild der um die Erde kreisenden Sphären festigen und über Jahrhunderte fortbestehen konnte

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