Minizähnchen im Riesenformat - scinexx | Das Wissensmagazin
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Welche Bedeutung hat der Conodont?

Minizähnchen im Riesenformat

Der Pilgerort für die Zeit der großen Wende vom Erdaltertum zum Erdmittelalter liegt hier bei Meishan. Das Denkmal im großzügigen, gepflegten Geopark trägt ein gigantisch vergrößertes Mikrofossil, jenes eingangs erwähnte zahnartige Gebilde. Es ist ein Conodont, auf gut Deutsch: ein Kegelzahn, mit dem Artnamen Hindeodus parvus. Das erste Auftreten dieses Conodonten bezeichnet den Beginn des Erdmittelalters und das Ende des Paläozoikums.

Conodont der Art Hindeodus parvus aus Meishan. Er gilt als Leitfossil für die Perm-Trias- Grenze © National Natural Science Foundation of China

Conodonten-Zähnchen sind kleiner als ein Millimeter und eignen sich hervorragend zur Altersfeststellung paläozoischer und triassischer Gesteine. Es sind sogenannte Leitfossilien. Ähnlich wie menschliche Zähne bestehen sie aus Kalziumphosphat. Sie werden mit Essigsäure aus Kalken herausgeätzt. Trotz ihres großen Nutzens wusste man lange nicht, zu welchem Tier die Conodonten-Zähnchen gehören, da sie stets isoliert gefunden wurden. Vor nicht allzu langer Zeit fand man heraus, dass es ein aalförmiges Tier aus der weiteren Verwandtschaft der Fische war.

Warum gerade Meishan?

Warum liegt der Referenzort des großen Zeitenwechsels in jenem Park bei Meishan, warum gerade hier? Über erdgeschichtliche Zeiten können wir nur dann etwas erfahren, wenn aus ihnen Gesteine überliefert sind. Das ist an der Perm / Trias-Grenze aber selten der Fall. Es gibt auf der Welt nur wenige Gesteinsschichtenstapel, die über die Perm / Trias-Grenze hinweg im Meer abgelagert wurden. Das Gesteinsprofil von Meishan ist eines der wenigen Vorkommen aus dieser kritischen Übergangszeit. Die grauen, bräunlich verwitternden Kalkbänke, die am Hang zu Tage treten, lagern im Wechsel mit tonigen Schichten.

Die Kalke sind an einigen Stellen durchlöchert wie ein Emmentaler Käse. Paläomagnetiker und Geochemiker haben mit Bohrzylindern hunderte von Proben aus dem Gestein entnommen. In diesen Proben sind winzige, magnetische Eisenteilchen enthalten, deren Ausrichtung die Feldlinien des Erdmagnetfeldes zur Entstehungszeit der Gesteine gleichsam eingefroren haben. Die Neigung dieser kleinen fossilen Kompassnadeln zeigt, in welcher geografischen Breite sich der jeweilige Kontinent befand. Meishan lag vor 250 Millionen Jahren in den Tropen des Tethys-Ozeans.

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Alexander Nützel / Mekkas der Moderne
Stand: 07.01.2011

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

„Golden Spike“: ein Fenster in die Erdgeschichte
Zu Besuch am Markierungspunkt des Perm-Trias-Massensterbens in Meishan

Das große Sterben
Was geschah vor 250 Millionen Jahren?

Minizähnchen im Riesenformat
Welche Bedeutung hat der Conodont?

Rangelei um den „goldenen Nagel“
Zwischen Nationalstolz und globaler Forschergemeinschaft

Mahnmal der Vergänglichkeit
Der Golden Spike als Monument der Geologie und der Wissenschaft

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