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Das Mikrobiom als "erweitertes Selbst" des Menschen

Mehr Bakterien als eigene Zellen

Der menschliche Körper besteht aus ungefähr 10 bis 100 Billionen Zellen. In und auf uns tragen wir jedoch etwa zehnmal so viele Bakterienzellen mit uns herum. Allein in unserem Darm leben nach Schätzungen von Forschern rund 100 Billionen Bakterien aus bis zu 2.000 unterschiedlichen Arten. Diese vielfältige Lebensgemeinschaft umfasst bereits zehn- bis hundertmal mehr Gene als im gesamten menschlichen Erbgut vorhanden sind.

Brandrodung im Regenwald von Santarém, Brasilien, während der Feuersaison 2003. © Science / AAAS (Doug Morton)

Zu den Darmbakterien kommen noch unzählige Bewohner unserer Haut und anderer Gewebe hinzu. Die Gesamtheit der Mikroorganismen, die in und auf dem menschlichen Körper leben, wird auch als Mikrobiom bezeichnet. Würde man einen Menschen mitsamt dieses Mikrobioms genetisch analysieren, wäre er nur zu etwa 10 Prozent „menschlich“.

Frühere Studien haben gezeigt, dass das Mikrobiom viele Aspekte der menschlichen Gesundheit beeinflussen kann, wie etwa die Verdauung, die Anfälligkeit für Krankheiten oder aber die Neigung zu Fettsucht. Dieses Wissen um die große Bedeutung unserer bakteriellen Mitbewohner hat in letzter Zeit zu vielen Bemühungen geführt, das menschliche Mikrobiom detaillierter zu beschreiben.

Mitbewohner als Fenster in die Vergangenheit

Für Molekularanthropologen ist unser Mikrobiom jedoch noch aus einem anderen Grund interessant: Die Bakterien helfen ihnen dabei, die Geschichte der menschlichen Bevölkerungsgruppen und ihrer Wanderungsbewegungen zu rekonstruieren. Die Forscher untersuchen dafür die genetische Variation bei heute lebenden Menschengruppen und versuchen, daraus Rückschlüsse auf ihre Vergangenheit zu ziehen.

Wenn Menschen von einem Ort zum anderen wandern, nehmen sie jedoch nicht nur ihre Gene mit, sondern auch ihre Bakterien. Somit können die Wissenschaftler durch das Studium der genetischen Variation der Bakterien, die mit den Menschen leben, auch zusätzliche Erkenntnisse über frühere Wanderungsbewegungen der Menschen gewinnen.

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Mark Stoneking, MPI für evolutionäre Anthrolopologie / Redaktion scinexx
Stand: 28.10.2011

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen

Mehr Bakterien als eigene Zellen
Das Mikrobiom als "erweitertes Selbst" des Menschen

Ein Magenbakterium wandert um die Welt
Helicobacter-Gene helfen bei der Rekonstruktion menschlicher Besiedelungsmuster

Speichel statt Magengewebe
Suche nach einfacheren mikrobiellen Markern

Wie untersucht man das Mikrobiom?
Von der Zellkultur zum Metagenom

Spucke aus Shanghai und Johannesburg
Das Speichel-Mikrobiom im weltweiten Vergleich

Die Suche geht weiter
Welche Bakterien eignen sich als Marker für menschliche Wanderungen?

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