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Mangel macht langlebiger

Von Mäusen, Rhesusaffen und fitten Greisen

Den Anfang machten Beobachtungen bei Mäusen. Schon in den 1930er Jahren stellten Forscher fest, dass Tiere, die besonders wenig zu essen bekommen, länger fit bleiben und auch länger leben. Ende der 1980er griffen dann US-Wissenschaftler diese Beobachtungen auf und begannen ein Langzeit-Experiment mit Rhesusaffen. Ein Teil von ihnen erhielt lebenslang eine knappe Diät, die rund 30 Prozent weniger Kalorien umfasste als die Normalportionen der restlichen Affen.

Rhesusaffe Canto (links) mit 27 Jahren und sein nicht auf Diät gesetzter Artgenosse Owen © Jeff Miller

Affengreise – hungrig aber fit

Und tatsächlich: Nach 20 Jahren hatten erfreuten sich die Diät-Affen bester Gesundheit, obwohl sie mittlerweile nach Affenmaßstab das Greisenalter erreicht hatten. Von den normalernährten Affen war dagegen bereits die Hälfte tot. Und nicht nur das: Die in Maßen hungernden Affengreise zeigten auch kaum Anzeichen für alterstypische Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs.

„Wir haben festgestellt, dass die Kalorienreduktion das Risiko, eine altersbedingte Krankheit zu entwickeln, um den Faktor drei senkte und die Überlebensrate erhöhte“, berichtete Richard Weindruch von der University of Wisconsin-Madison 2009 im Fachmagazin „Science“. Auch der Abbau von Gehirnsubstanz verzögerte sich bei den dauerhungrigen Rhesusaffen, sie blieben dadurch fitter im Kopf.

Ständig hungern? Das hält kaum jemand durch. Beim kurzzeitigen Verzicht sieht das schon anders aus. © amanaiimages/thinkstock

Gleiche Wirkung auch beim Intervallfasten

Das alles ist ja gut und schön, aber wer möchte schon sein ganzes Leben hungern oder eine strenge Diät durchhalten? Schon das Maßhalten bei normaler Kost fällt heute schließlich vielen Menschen schwer. Zu verlockend ist der Überfluss von Junkfood, Süßigkeiten aller Art und anderen Kalorienbomben. Und nicht umsonst ist der Jojo-Effekt nach abgebrochener Diät berüchtigt. Studien zeigen, dass die meisten Menschen einmal angefuttertes Fett nicht mehr loswerden.

Genau hier kommt das Fasten ins Spiel. Denn vor einigen Jahren stellten Forscher fest, dass schon ein kurzzeitiges, periodisch wiederholtes Fasten zu ähnlich positiven Effekten führt wie eine Dauerdiät. Mäuse, die alle zwei Wochen vier Tage lang fasteten, lebten im Mittel 17 Woche länger als ihre normal gefütterten Artgenossen – und das, obwohl sie deswegen keineswegs schlanker waren.

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Die große Frage war nur: Lässt sich das auf uns Menschen übertragen? Und warum scheint das Fasten eine so nachhaltige Wirkung zu entfalten?

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Nadja Podbregar
Stand: 11.03.2016

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Fasten als Heilmittel?
Eine alte Tradition im Licht der modernen Medizin

Eine alte Tradition
Die Renaissance des Fastens

Humbug oder Erbe der Urzeit?
Warum sollte Fasten biologisch sinnvoll sein?

Mangel macht langlebiger
Von Mäusen, Rhesusaffen und fitten Greisen

Was passiert beim Fasten?
Mangel verändert Gene und Stoffwechsel nachhaltig

Fasten für Herz und Pankreas
Wo könnte Fasten helfen?

Fasten gegen Krebs?
Nahrungsentzug hungert Tumorzellen aus

Hungern erleichtert die Chemo
Weniger Nebenwirkungen und bessere Heilungschancen

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