Anzeige

Manche Menschen vergessen alles…

Wenn das Vergessen zur Krankheit wird

Unser Gedächtnis ist eine vergängliche und empfindliche Speicherform. Schon kleinste Störungen der Nervenweiterleitung können dafür sorgen, dass wir den Zugang zu alten Erinnerungen verlieren oder nicht mehr in der Lage sind, neue zu bilden. Damit kann das Vergessen Züge annehmen, die nicht mehr gesund oder in irgendeiner Weise förderlich für uns sind.

Vergessen im Alter

Für ältere Menschen ist es oft schwierig, sich Einzelheiten von Ereignissen oder neu gelernte Informationen zu merken. Diese Abnahme der Gedächtnisleitung ist dabei ein Teil des natürlichen Alterungsprozesses, denn das Gehirn altert genau wie unsere Organe auch. Je älter wir werden, desto schlechter können sich Zellen, und damit auch bestimmte Gewebe, regenerieren.

Auch das Gehirn ist davon betroffen und kann im Alter erheblich weniger Zellen nachproduzieren, sodass einige Gehirnareale im Laufe der Zeit immer mehr Nervenzellen einbüßen müssen. Dies führt dazu, dass einige Teile des Gehirns nicht mehr so leistungsfähig sind und die Kommunikation zwischen den Nervenzellen schlechter funktioniert. So kommt es zu geistigen Beeinträchtigungen bei vielen älteren Menschen.

Demenz
Demenz-Erkrankte können oft die Puzzleteile ihres eigenen Lebens nicht mehr zusammensetzten. © peterschreiber.media / GettyImages

Demenz: Wenn das Gehirn schrumpft

Diese Altersvergesslichkeit ist jedoch keineswegs zu verwechseln mit der Demenz-Erkrankung. Anders als bei der normalen Vergesslichkeit im Alter, schreitet der Verfall des Gehirns bei Demenz-Patienten sehr schnell fort und führt zu deutlich schwerwiegenderen Symptomen. Betroffene leiden oft an Sprachstörungen, haben einst erlernte motorische Fähigkeiten verloren, können Gegenstände oder Personen nicht mehr erkennen und sind orientierungslos.

Die am häufigsten auftretende Form ist die Alzheimer-Demenz, die durch Proteinablagerungen an den Nervenzellen entsteht. Wenn sich bestimmte Proteine fehlfalten, können sie miteinander verkleben und sich in der Zelle ablagern. Diese Ablagerungen aus verklumptem Protein werden auch Plaques genannt und gelten gängiger Theorie nach, als Hauptgrund für neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer, die mit einem großen Verlust an Nervenzellen im Gehirn einhergehen.

Anzeige

Bei der Alzheimer-Demenz beispielsweise lagern sich zwischen den Gehirnzellen Plaques des Proteins Beta-Amyloid und Fibrillen des Tau Proteins ab. Beide Aggregat-Ablagerungen stören die Kommunikation zwischen den Nervenzellen im Gehirn und führen letztendlich zu einem Absterben der Neuronen. Das Gehirn von Alzheimer-Patienten schrumpft also regelrecht. Von den Schäden ist unter anderem die mit Denken, Planen und Erinnern assoziierte Großhirnrinde betroffen. Besonders ausgeprägt ist die Schrumpfung dabei im Hippocampus, der wichtig für die Bildung neuer Erinnerungen ist.

Amnesie
Manchmal betrifft eine Amnesie auch das Wissen über uns selbst. © fcscafeine / iStock.com

Amnesie: Plötzlicher Gedächtnisverlust

Doch neben solchen schleichenden Gedächtnisverlusten kann es auch passieren, dass Menschen von einen Tag auf den anderen alles vergessen. Solche plötzlichen Verluste des Gedächtnisses bezeichnet man als Amnesie. Sie werden meist unmittelbar durch bestimmte Ereignisse ausgelöst. Häufig werden dabei durch Gehirnerschütterungen oder Schädel-Hirn-Traumata, zum Beispiel nach einem Autounfall, bestimmte Gehirnareale verletzt und die Gedächtnisfunktion gestört. Das kann auch nach einer Gehirnentzündung durch seltene Virusinfektionen passieren. Doch auch psychische Traumata können im Zuge einer Art Schutzmechanismus Gedächtnisstörungen verursachen.

Je nach Art und Schweregrad der Amnesie können Betroffene keine neuen Informationen mehr abspeichern oder neue Inhalte lernen. Aber auch der Abruf von Erinnerungen oder Erlebnissen aus der Vergangenheit ist manchen Erkrankten unmöglich. Einige verlieren sogar ihr autobiographisches Gedächtnis und damit das Wissen darüber, wer sie sind. Bei manchen Patienten kehren Erinnerungen nach einiger Zeit zurück, bei anderen ist die Schädigung des Gehirns irreversibel.

Alles von vorne

Was all diese Amnesie-Formen gemeinsam haben, ist dass den Betroffenen ihr prozedurales Gedächtnis, welches hauptsächlich im Kleinhirn und den Basalganglien gebildet wird, erhalten bleibt. Das bedeutet, dass bestimmte Fertigkeiten wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen nicht verloren gehen, da sie unterbewusst ausgeführt werden. Doch in seltenen, schweren Fällen kommt es auch zu einem „Vergessen“ dieser Fertigkeiten, die oft bereits im Kindesalter erlernt werden. Die Patienten müssen dann grundlegende Fähigkeiten wie das Gehen neu erlernen.

  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. weiter
Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Die Macht des Vergessens
Warum ist vergessen zu können so wichtig für uns?

Die Neurobiologie des Vergessens
Vergessen und Erinnern sind eng verknüpft

Mehr als eine Lücke im Gedächtnis
Warum vergessen wir überhaupt?

Manche Menschen vergessen alles…
Wenn das Vergessen zur Krankheit wird

…und manche Menschen vergessen nie etwas
Niemals vergessen: Fluch oder Segen?

Können wir aktiv vergessen?
Trainieren des eigenen Gedankenkarussells

Diaschauen zum Thema

News zum Thema

keine News verknüpft

Dossiers zum Thema

Erinnerung - Das Geheimnis von Speichern und Vergessen

Alzheimer - Neue Hoffnung im Kampf gegen den Hirnschwund?

Schmerz - Alarmstufe Rot im Nervensystem