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Lust auf mehr

Vom Schlechten des Guten

Unser Körper sorgt von sich aus dafür, dass wir ihm Gutes tun. Deshalb setzen sehr angenehme Dinge das Glückshormon Dopamin im sogenannten Nucleus Accumbens frei, einem Teil des Gehirns. Anders als die Substanzen aus dem Zigarettenrauch oder andere Drogen kommt das Dopamin im Gehirn von Natur aus vor.

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„Beim nächsten Mal wird vor dem gleichen Essen oder vor dem Sex mit dem gleichen Partner wieder Dopamin freigesetzt, was uns dazu motiviert, uns auf das freudige Ereignis aktiv zuzubewegen“, sagt Mörsen. Einer der zentralen Prozesse, die der Sucht im Gehirn zugrundeliegen, ist also nicht per se schlecht. Im Gegenteil: „Die Natur hat hier ein System geschaffen, um uns anzuspornen, lebenswichtigen Tätigkeiten nachzugehen“, sagt Gerhard Meyer vom Institut für Psychologie und Kognitionsforschung der Universität Bremen.

Fehlgeleiteter Belohnungseffekt

Wird diese Reaktion allerdings fehlgeleitet, kann sie schnell zur Gefahr werden. Das geschieht beim Rauchen nicht nur wegen der Inhaltsstoffe, die auf das Belohnungssystem einwirken, sondern auch wegen der körpereigenen Dopamine, die zusätzlich freigesetzt werden. Das hängt damit zusammen, dass Rauchen als angenehmes Erlebnis wahrgenommen wird: Man steht in einer Gruppe und unterhält sich, oder man genießt allein auf dem Balkon den Ausblick – für manche ist das „Eine-Rauchen-Gehen“ einer der Höhepunkte des Tages.

„Über fast ein Jahrhundert wurde das Rauchen sozial akzeptiert. Obwohl wir dem Lobbyismus der Tabakkonzerne heute etwas entgegensetzen und es schon geschafft haben, die Zahl der jugendlichen Raucher deutlich zu senken, lässt sich das Image nicht von heute auf morgen komplett umdrehen“, sagt Martina Pötschke-Langer. Der gesundheitliche Schaden, den das Rauchen anrichten kann, ist längst bekannt – von Lungenkrebs reicht die Liste der Krankheiten über Atherosklerose bis hin zu chronischen Formen der Bronchitis.

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Christian Heinrich / Helmholtz Perspektiven
Stand: 08.01.2016

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Der Immer-wieder-Effekt
"Alltags-Süchte" unter der Lupe – wo liegt die Grenze?

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