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Langes Leben und klarer Geist

Mit Teextrakt gegen Alzheimer, Arteriosklerose und Co

In Asien sagt man dem Tee nach, den Geist zu stärken und sogar eine lebensverlängernde Wirkung zu haben. Tatsächlich mehren sich inzwischen die Hinweise darauf, dass beides zutrifft.

TElomere
Telomere (gelb) bilden die Endkappen der Chromosomen und gelten als Maß der Zellalterung. © wildpixel/ iStock

Stabilisator für das Erbgut

So enthüllten Laborversuche mit menschlichen Zellen vor einigen Jahren, dass sowohl die Catechine des Grüntees als auch die Theaflavine aus dem schwarzen Tee unser Erbgut stabilisieren und schützen. Demnach verhindern diese Tee-Inhaltsstoffe, dass die Endstücke der Chromosomen, die Telomere, bei der Zellteilung weiter verkürzt werden. Das verlängert sind Lebensdauer der Zellen und wirkt damit auch der Alterung entgegen.

„Interessanterweise kennen wir bislang keine andere natürliche Substanz, die die Telomere so effektiv stabilisiert wie die Tee-Polyphenole“, erklärt der Biochemiker Nikolai Kuhnert von der Jacobs-Universität Bremen. „Wir gehen davon aus, dass diese stabilisierende Wirkung auf die Erbinformation auf lange Sicht auch die Gesundheit und Lebenserwartung des gesamten Organismus verbessert.“ Tatsächlich kann der Konsum von Tee-Extrakten die Lebensdauer von Fruchtfliegen um 20 Prozent verlängern. Ob und wie stark diese Wirkung beim Menschen ist, bleibt allerdings unklar.

Wirksam gegen Amyloid-Plaques

Und auch beim Effekt des Tees auf den Geist liegen die asiatischen Überlieferungen gar nicht so falsch. Denn mehrere Studien haben in den letzten Jahren Indizien dafür geliefert, dass der Grüntee-Inhaltstoff Epigallocatechin-Gallat (EGCG) auch gegen Alzheimer helfen könnte. In einem Versuch mit an Alzheimer erkrankten Mäusen blieben diese länger geistig fit, wenn ihr Trinkwassser mit EGCG versetzt war. Die Tiere konnten sich die Lage des Ausgangs aus einem Labyrinth besser merken als ihre unbehandelten Artgenossen und behielten auch länger die Fertigkeit des Nestbauens bei.

Amyloid-Plaques
Amyloid-Plaque gelten als eine Triebkraft der neuronalen Degeneration bei Alzheimer – udn acuh hier scheint grüner Tee zu helfen. © wildpixel/ iStock

„Die orale Gabe des EGCG-Extrakts, kombiniert mit freiwilliger Bewegung, verbesserte einige der Manifestationen und kognitiven Defizite der Alzheimer-Erkrankung“, berichtet Grace Sun von der University of Missouri. Gleichzeitig ergaben Untersuchungen des Gehirns dieser Mäuse, dass sich weniger Amlyoid-Plaques gebildet hatten. Diese Ablagerungen fehlgefalteter Amyloid-Beta-Proteine gelten als eine mögliche Ursache des fortschreitenden Absterbens von Hirnzellen bei dieser Demenz.

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Wie das EGCG die schädlichen Amyloid-Plaques verhindert, ist bislang erst in Teilen geklärt. Es gibt aber Hinweise darauf, dass der Tee-Inhaltstoff schon auf die Vorstufen dieser Plaques wirkt. „In der Gegenwart von EGCG haben die Proteinketten eine andere interne Struktur“, erklärt Jan Blieschke von der Washington University in St. Louis. Dies scheint die Vermehrung und Anreicherung der fehlgefalteten Amyloid-Proteine zu verhindern. Eine weitere Studie, unter anderem von Forschern der FU Berlin, ergab, dass EGCG auch den enzymalen Abbau der Amlyoid-Plaques fördert.

Hilfe auch gegen Arteriosklerose und Rheuma?

Sollten sich diese Ergebnisse bestätigen, könnte Grüntee-Extrakt möglicherweise nicht nur Alzheimer vorbeugen oder zumindest abmildern – er könnte auch gegen andere Erkrankungen wirken, an denen Amyloid-Ablagerungen beteiligt sind. Dazu gehört die Amyloidose, eine Rheumaform, bei der sich fehlgefaltete Proteine in den Zwischenzellräumen ablagern, aber auch die Arteriosklerose. Denn bei ihr tragen verklumpte Proteine dazu bei, die Adern zu verengen und zu verstopfen.

2018 ergab eine Zell-Studie, dass EGCG sich an diese verklumpten Proteinfäden anlagert und sie in lösliche Formen umwandelt. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass dieser Tee-Inhaltsstoff auch gegen die Arten von Plaques wirksam ist, die Herzinfarkte und Schlaganfälle verursachen können“, resümiert David Middelton von der Lancaster University. Ob dies auch beim Menschen gilt, muss sich aber erst noch zeigen.

Tee
Tee birgt noch immer Geheimnisse. © Anusak Payawai/ iStock

Erst am Anfang

Noch haben Wissenschaftler gerade erst damit begonnen, die Wirkung und Wirkweise von Tee und seinen Inhaltsstoffen zu entschlüsseln. Die meisten Effekte dieses Naturprodukts wurden bisher nur in Zellkulturen oder mit Mäusen näher untersucht. Ob der Tee auch bei uns Menschen Krebs, Alzheimer oder Arteriosklerose bremsen oder sogar verhindern kann, lässt sich daher nur vermuten. Auch welche Dosierungen und Darreichungsformen wirksam und gleichzeitig verträglich sind, muss noch geklärt werden.

Klar scheint aber: Täglich ein paar Tassen Tee zu trinken, ist in jedem Fall nicht verkehrt – und tut Körper und Seele gut.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Gesundmacher Tee
Moderne Forschung an einem alten Getränk

Von China in die Welt
Die Anfänge der Teekultur

Rätsel um die Wurzeln des Tees
Wie der Tee zur Nutzpflanze wurde

Die Inhaltsstoffe
Was macht den Tee so gesund?

Grüner Tee gegen Krebs?
Der Tee-Inhaltsstoff EGCG und seine Wirkung

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