Knollen, Krusten und Sulfide - scinexx | Das Wissensmagazin
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Welche Rohstoffe finden sich noch am Meeresgrund?

Knollen, Krusten und Sulfide

Sollte der industrielle Abbau von Tiefsee-Rohstoffen einmal Wirklichkeit werden, so werden die Manganknollen sicherlich noch am wenigsten Arbeit machen – sie müssen „nur“ aufgesammelt werden. Die kartoffel- bis salatkopfgroßen Knollen liegen frei am Meeresboden herum und erfordern daher wenig „Bergbau“ im engeren Sinne. Bei ihnen geht es eher darum, sie möglichst schonend für die restliche Umgebung „abzuernten“.

Viele metallhaltige Ablagerungen bilden feste Krusten, die nicht so einfach abzubauen sind. © NOAA

Metallische Krusten an Seamount-Hängen

Die Kobaltkrusten dagegen sind fest mit dem Substratgestein verbunden, ihr Abbau wäre daher erheblich aufwändiger. Diese harten, metallhaltigen Beläge entstanden im Laufe von Jahrmillionen an den Hängen unterseeischer Vulkane. Dort lagerte mineralienreiches Wasser seine Fracht aus Metallverbindungen ab. Diese Krusten enthalten daher Kobalt, Nickel, Mangan, Titan, Kupfer und Cer sowie Spurenmetalle wie Platin, Molybdän, Tellur und Wolfram.

Solche Kobaltkrusten an den Hängen der Seamounts können je nach Gebiet und Alter des Vulkanberges zwischen zwei und 26 Zentimeter dick sein. Die ergiebigsten Vorkommen von Kobaltkrusten liegen im westlichen Zentralpazifik, dort entstanden die Seamounts bereits vor rund 150 Millionen Jahren, entsprechend viel Zeit gab es für die Ablagerung der Metalle. Forscher schätzen die Menge der Kobaltkrusten in diesem Gebiet rund 3000 Kilometer südwestlich von Japan liegenden Gebiet auf insgesamt 7,5 Milliarden Tonnen.

Sulfidablagerungen finden sich typischerweise an den Schloten Schwarzer Raucher, wie hier am East Diamante Vulkan im Pazifik. © NOAA Vents Program

Rohstofflager am Schwarzen Raucher

Die Massivsulfide in 3.000 bis 4.000 Metern Wassertiefe schließlich sind vulkanischen Ursprungs und treten an aktiven und erloschenen Schwarzen Rauchern auf – Hydrothermalquellen, an denen bis zu 400 Grad Celsius heißes Wasser aus dem Meeresboden schießt. Dabei fallen Sulfidminerale aus und können Lagerstätten von einigen hundert Metern Durchmesser bilden. Sie bestehen aus Kupfer, Blei, Zink, aber auch Gold, Silber und Hochtechnologiemetallen wie Indium, Germanium, Wismut und Selen.

Den Abbau dieser Metallerze stuft GEMOAR-Direktor Peter Herzig als weit weniger problematisch ein: „Hier würde in erster Linie Lavagestein aufgewirbelt, das sich schneller wieder absetzt.“ Allein vor Papua-Neuguinea sollen 2,5 Millionen Tonnen Metallsulfide lagern. „Damit könnte man das Berliner Olympiastadion zur Hälfte füllen“, sagt Herzig. Geschätzter Metallwert: 2,2 Milliarden Euro.

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Thomas Röbke / Helmholtz Perspektiven
Stand: 10.10.2014

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Bergbau in der Tiefsee
Wie schädlich ist die Jagd nach Rohstoffen in der Meerestiefe?

Schatz in der Tiefe
Jagd auf Manganknollen und Co

"Staubsturm" im Pazifik
Welche Folgen das Ernten von Manganknollen haben können

Knollen, Krusten und Sulfide
Welche Rohstoffe finden sich noch am Meeresgrund?

Eine Muschel als Helfer
Wie sensibel sind die Tiefsee-Populationen?

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