Klimawirkung durch kosmische Strahlung? - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Klimawirkung durch kosmische Strahlung?

22-Jahresperiode deutet auf Einflüsse des interstellaren Mediums hin

Auf den in Zyklen von 11 oder auch 20 bis 24 Jahren variierenden Einfluss der Sonne weisen spezielle Klimaindikatoren auf der Erde hin: Die globale Bedeckung der Erde mit Wolken unterhalb von etwa 3,5 km, die Dicke von Baumringen (Bsp. Südamerika), Regenfälle im Großraum Peking, oder Sedimentablagerungen, sog. Warven, in Seen. © RUB

Die Frage nach der Relevanz der astrophysikalischen Einflüsse auf das Erdklima können die Bochumer Forscher durch ihre Kenntnis der Physik der Heliosphäre und des Transportes der kosmischen Strahlung möglicherweise nun beantworten. Der Fluss der kosmischen Strahlung, gemessen durch Neutronenmonitore von der Erde aus, zeigt eine dominante elf-jährige Periode infolge der Sonnenaktivität. Dieser deutlich überlagert ist aber eine 22-jährige Periode, die sich nach Ansicht der Physiker durch die Drift der energiereichen, geladenen Teilchen im heliosphärischen Magnetfeld erklären lässt.

Daten zeigen 22-Jahres-Periode

Untersuchungen haben gezeigt, dass die elektromagnetische Strahlung der Sonne lediglich die elf-jährige Periode, aber keine signifikante mit 22 Jahren zeigt. Eine Reihe klimasensitiver Indikatoren, wie Baumringdicken, Niederschläge oder Sedimentablagerungen zeigen ebenfalls eine 20- bis 24-jährige Variation. Sollten diese am besten mit dem Fluss der kosmischen Strahlung korrelieren, wäre das ein weiterer Hinweis für einen Einfluss des interstellaren Mediums auf die Erde.

Der 22-jährige Magnetische Zyklus der Sonne manifestiert sich in der Intensität der kosmischen Strahlung © RUB

Temperaturverlauf korreliert mit kosmischer Strahlung

Ein erstes ähnliches Indiz wurde ebenfalls an der Ruhr-Universität durch den Geowissenschaftler Jan Veizer erkannt: Der Temperaturverlauf auf der Erde über die letzten 500 Millionen Jahre hinweg korreliert besser mit dem Fluss der galaktischen kosmischen Strahlung als alle Alternativen. In diesem Falle ist allerdings nicht die solare Aktivität, sondern die Variation der kosmischen Strahlung entlang des Sonnenorbits in der Milchstraße ausschlaggebend, die wiederum mit der Spiralstruktur unserer Galaxis verknüpft ist.

Der Vorteil des von den Bochumer Physikern vorgeschlagenen „22-Jahres-Kriteriums“ gegenüber dieser Langzeitkorrelation ist seine bessere Nutzbarkeit. Die Genauigkeit einer Fülle von klimarelevanten Daten ist natürlich deutlich höher für eine Zeitspanne von Jahrzehnten als für eine von 500 Millionen Jahren.

Wie die Debatte auch entschieden wird, es sollte berücksichtigt werden: Auf Zeitskalen von Jahrzehnten bis Jahrhunderten moduliert die solare Aktivität die Struktur der Heliosphäre und damit auch den Einfluss der solaren und kosmischen Strahlung auf die Erde. Obwohl bei Weitem noch nicht abschließend erforscht, ist anzunehmen, dass diese externen Einflüsse nicht dominant sind. Es ist demnach wahrscheinlich, dass der größte Klimaeffekt der letzten 50 Jahre tatsächlich anthropogenen Ursprungs ist.

Anzeige

  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. weiter

Horst Fichtner / aus RUBIN (Ruhr-Universität Bochum)
Stand: 04.06.2010

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Schutzzone Heliosphäre
Sonnenwind, interstellares Medium und ihr Einfluss auf die Erde

Nicht allein im All...
Astrophysikalische Zyklen und Schwankungen als Einflussfaktoren

Schutz vor dem „Außen“
Funktion und Struktur der Heliosphäre

Erde im Visier
Wie wirkt sich das interstellare Medium auf die Erde aus?

Klimawirkung durch kosmische Strahlung?
22-Jahresperiode deutet auf Einflüsse des interstellaren Mediums hin

Schutzzonen für extraterrestrisches Leben
Mehr Chancen auf Exoplaneten mit Astrosphären

Diaschauen zum Thema

News zum Thema

Kosmische Strahlung lässt Wolken kalt
Wolkenbedeckung unbeeinflusst von Schwankungen der Sonnenaktivität

Erste Himmelskarte des Sonnensystems in unserer Galaxie
NASA-Sonde IBEX liefert spektakuläre Daten vom Grenzbereich zwischen Sonnensystem und Weltraum

Sonnenwind bräunt junge Asteroiden
Typische Alterung der Oberfläche findet bereits in der ersten Million Jahre statt

Geheimnis der Voyager-Sonde gelüftet
Widerspruch der Sonnenwindmessungen mit Theorie aufgeklärt

Satellit enträtselt Grenzen des Sonnensystems
Interstellar Boundary Explorer erforscht Übergangsbereich zum interstellaren Raum

Wie weit reicht das Sonnensystem?
Voyager 2 liefert Daten zu Ausdehnung und Form der Heliosphäre

Dossiers zum Thema

Anzeige
Anzeige