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Klassengesellschaft und Schmelztiegel zugleich

Stadtleben und Kultur in Sirkeli Höyük

Am Sirkeli Höyük bilden die Ruinen alter Gebäude und Siedlungsanlagen einen rund 400 Meter breiten und 30 Meter hohen Haupthügel, der über eine Art Unterstadt mit dem Fluss verbunden ist. Wie die Ausgrabungen zeigen, hatte Sirkeli Höyük bereits ab 2000 v.Chr. wichtige Merkmale einer echten Stadt: Ein regelmäßiges Straßennetz und Stadtviertel mit unterschiedlichen Funktionen.

Blick nach Nordwesten auf den Hügel von Sirkeli Höyük. © Sirkeli Höyük Project / Universität Bern

Eine hierarchische Gesellschaft

Neben einem Wohnviertel für die Oberschicht und einer Zitadelle gab es eine Unterstadt mit doppeltem Stadtmauerring, vorgelagertem Graben und einen eigenen Werkstattbereich im Norden. „Diese Struktur spiegelt eine stark hierarchisierte Gesellschaft wider, in der es eine räumliche Trennung zwischen der politischen und wirtschaftlichen Elite, den Stadtbewohnern und den Handwerkern gegeben hat“, erklärt Mirko Novák von der Universität Bern.

Er und seine Kollegen haben den Hügel vor kurzem gemeinsam mit türkischen Archäologen erstmals systematisch mithilfe von hochauflösenden Satellitendaten kartiert und daraus ein Höhenmodell des Siedlungshügels erstellt. In Kombination mit den archäologischen Fundstücken erhielten die Forscher so neue Einblicke in Siedlungsgeschichte des Ortes.

Gebäudereste in Sirkeli Höyük
Freigelegte Gebäudereste in Sirkeli Höyük © Sirkeli Höyük Project / Universität Bern

So deuten die bisher freigelegten Häuser in der Unterstadt deuten darauf hin, dass auch die einfache Bevölkerung über einen gewissen Wohlstand verfügte. Die Archäologen fanden bereits in den ersten Grabungsdurchgängen verschiedene Keramiken, Schmuckgegenstände aus Metall, Glas und Edelsteinen, außerdem Terrakottafiguren, Siegel, Münzen, Waffen und Werkzeuge aus der Bronze- und Eisenzeit.

Schmelztiegel der Kulturen

Diese Funde geben auch wichtige Einblicke in die ausgedehnten Handels- und Kulturkontakte Kilikiens in dieser Ära. Denn unter ihnen waren auch Gewandnadeln aus der Levante und aus Phrygien, phönizische Glasperlen sowie Keramikgefäße aus Zypern. Auch Siegel und Stempel aus verschiedenen Regionen und Perioden zeugen von regem kulturellen Austausch.

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Nach Ansicht der Forscher war Sirkeli Höyük damals eine Art New York der Bronzezeit – ein Schmelztiegel der Kulturen. Menschen und Material aus den benachbarten Hochkulturen zogen hierher, dafür exportierte Kilikien im Gegenzug Metalle und Metallobjekte. Darunter waren auch die ersten Eisenwaffen dieser Zeit. Die Erze für die Metallverarbeitung stammten aus dem nahegelegenen Taurusgebirge, dort wurden Reste von Minen aus der Bronze- und Eisenzeit gefunden.

Noch stehen die Ausgrabungsarbeiten im Sirkeli Höyük ganz am Anfang, viele der Fragen zu diesem frühen Zentrum kleinasiatischer Kultur sind daher noch offen. „Doch mit jedem Spatenstich und jedem Fund werden neue Erkenntnisse zu den Lebensumständen der antiken Bevölkerung der Stadt gewonnen“, betont Novák.

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Nadja Podbregar
Stand: 15.11.2013

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Das Geheimnis der Höyüks
Archäologen auf den Spuren der frühgeschichtlichen Stadthügel Anatoliens

Unter Hügeln verbogen
Steinzeit-Monumente und erste Siedlungen

Dach als Tür und Kunst am Bau
Überraschungen in Çatalhöyük

Das Rätsel der Steinzeit-Karte
Ist der berühmte Stadtplan von Çatalhöyük die älteste Karte der Welt?

Am Schnittpunkt der Kulturen
Neue Ausgrabungen in Kilikien

Klassengesellschaft und Schmelztiegel zugleich
Stadtleben und Kultur in Sirkeli Höyük

Bastion der Hethiter
Reliefs und der älteste Friedensvertrag der Welt

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