Anzeige

Killerwellen an der Unterwasser-Schlucht

Das Geheimnis des Nazaré-Canyons

Der bisher größte bekannte Unterwasser-Canyon Europas ist ein echter Geheimtipp – für Wellenreiter. Denn die besondere Topografie des Nazaré-Canyons produziert, wenn Wind und See günstig sind, echte „Killerwellen“. Knapp 30 Meter hoch türmt sich das Wasser vor der Küste von Praia do Norte dann auf. Wie diese Giganten zustande kommen, hat der Wellenreiter Garrett McNamara gemeinsam mit Forschern des portugiesischen Hydrografischen Instituts erst in den letzten Jahren genauer untersucht.

Der Nazaré-Canyon zieht sich wie ein Trichter vom Schelf in die Tiefsee © Instituto Hidrografico

Trichter im Schelf

Der Nazaré-Canyon beginnt weniger als einen Kilometer vom Strand entfernt, in einer Bucht nahe dem kleinen Ort Nazaré, und läuft dann 210 Kilometer weit ins Meer hinaus. Dort, in der Tiefsee, am unteren Ende des Kontinentalhangs, liegt er unter 4.300 Metern Wasser und schneidet noch einmal bis in 5.000 Meter Tiefe in den Untergrund. Im oberen, auf dem Schelf liegenden Bereich ist die Schlucht V-förmig eingekerbt und weniger als 100 Meter breit. Weiter unten ändert sich dies jedoch: Ihr Querschnitt wird jetzt u-förmig und weiter sich bis auf 7,5 Kilometer Breite. Damit gleicht der Nazaré-Canyon einer Art Trichter, von der Tiefsee bis fast unmittelbar an die Küste führt.

Die steilen Wände des oberen Canyonteils brechen die Wellen © HERMES

Und genau diese Form ist auch der Schlüssel für die „Killerwellen“, wie die Ozeanografen mit Hilfe von Radaranalysen der Wellenfronten feststellten: Wird das Wasser von Wind und Gezeiten vom Meer in Richtung Land gedrückt, prallen die Wassermassen in der Nähe der Küste an den nördlichen Rand der Unterwasserschlucht. „Die sich plötzlich veränderte Topografie in der Kopfregion des Canyons bewirkt eine Verformung der Wellenfront und bricht sie“, erklärt Louis Quaresma vom Hydrografischen Institut. Die Wellen werden gebrochen und dabei fokussiert und türmen sich so höher auf als zuvor. Der Canyon wirkt quasi wie ein gewaltiger Verstärker.

Topografie im untern Bereich des Nazaré-Canyons © HERMES

Absturz in die Tiefe

Aber nicht nur an der Wasseroberfläche, auch weit darunter setzt die besondere Topografie des Canyons gewaltige Energien frei. Denn die in den Unterwasser-Schluchten bergab stürzenden Sedimente können Geschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern erreichen, wie Forscher errechneten. Wie eine Art großer Staubsauger reißen diese Ströme alle Hindernisse und jede Menge Material mit sich in die Tiefe. Im Nazaré-Canyon zeugen große Gesteinsbrocken in dessen Mittellauf von der Kraft des stürzenden Wassers. Selbst 120 Kilometer von der Küste entfernt, im flacher auslaufenden Teil des Canyons finde man noch Brocken von bis zu einem Meter Größe, berichten Wissenschaftler des HERMES-Projekts (Hot Ecosystem Research on the Margins of the European Seas), die im Jahr 2007 den Canyon mittels Tauchrobotern näher erforschten.

Aber wie ist diese gewaltige Unterwasser-Schlucht entstanden?

Anzeige
  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. 7
  16. |
  17. weiter

Nadja Podbregar
Stand: 20.09.2012

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Unterwasser-Canyons
Riesen-Schluchten am Kontinentalrand Europas

Giganten unter dem Meer
Was macht die Unterwasser-Canyons so besonders?

Killerwellen an der Unterwasser-Schlucht
Das Geheimnis des Nazaré-Canyons

Eiszeit, Flüsse, Kontinentsprünge
Wie entstanden die Unterwasser-Canyons?

Schlamm als Schlüssel
Die Rolle des Sediments bei der Canyonbildung

Urzeit-Krise im Mittelmeer
Ein ausgetrockneter Ozean als Schluchtenbauer

Viele kleine Nischen
Unterwasser-Canyons als Lebensraum

Diaschauen zum Thema

News zum Thema

Ein Drittel weniger Lebewesen auf der Erde als gedacht
Menge der Biomasse im Meeresboden wurde bisher drastisch überschätzt

Tiefsee birgt weniger Rohstoffe als gedacht
Meeresboden kann weltweiten Bedarf an Kupfer und Zink nicht decken

Urzeit-Landschaft unter dem Meeresboden entdeckt
Gebiet vor der Nordküste Schottlands versank vor 55 Millionen Jahren im Ozean

Kaltwasserkorallen vor Mauretanien entdeckt
Korallenmauer am Kontinentalhang misst 50 bis 60 Meter in der Höhe und ist 190 Kilometer lang

Dossiers zum Thema