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Land- und Wassernutzung in Usbekistan

Kampf dem Salz

Während Kasachstan auf den Kleinen Aral setzt und darauf hofft, dass sich das Ökosystem im Delta des Syrdaria zumindest teilweise wieder erholt, hat der südliche Nachbar Usbekistan eine weitaus größere Last zu tragen. Der Große Aral und damit der größte Teil des Aralsees liegt auf usbekischem Territorium. Hier hat sich die neue Aralkum-Wüste gebildet: 50.000 Quadratkilometer ausgetrockneter Seeboden, mit Pestiziden verseucht.

Tödlicher Salzstaub

Staubsturm über dem Aralsee © NASA

Etwa 75 Millionen Tonnen Salzstaub gelangen jährlich durch Staubstürme in der Aralsee-Region in die Atmosphäre. Das meiste davon fällt in einem Radius von etwa 1.000 Kilometern nieder. Schwere gesundheitliche Schäden bei der Bevölkerung in der Region sind die Folge. Tuberkulose und Asthma sind hier Volkskrankheiten. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen am Aralsee beträgt nur 59 Jahre, während der Durchschnitt im restlichen Usbekistan bei 64 Jahren liegt.

Hinzu kommt die Gesundheitsgefahr durch die Landverbindung der ehemaligen Insel Wosroshdenje. Zu Sowjetzeiten wurden auf der Insel hoch geheim Bio-Kampfstoffe getestet. Bachtiyar Schollybekow, Professor am Institut für Bodenkunde an der Universität von Nukus, hält einen Zusammenhang mit zahlreichen gesundheitlichen Beschwerden in der Region für wahrscheinlich: „Es gibt eine mögliche Verbindung zwischen der Insel und der schwachen Gesundheit vieler Menschen hier,“ ist er sich sicher.

Baumwolle – ein Fass ohne Boden

Um die Bodenversalzung und damit auch die gesundheitliche Belastung der Bevölkerung zu verringern, betreibt das Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn (ZEF) seit fünf Jahren ein Projekt zur nachhaltigen Land- und Wassernutzung in Usbekistan.

Baumwolle © Edda Schlager

In der Region Khorezm am Unterlauf des Amudarja arbeiten etwa 65 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Die ist in Usbekistan weitgehend staatlich reguliert. Hauptanbaukultur ist die sehr bewässerungsintensive Baumwolle. Usbekistan ist mit 3,5 Millionen Tonnen jährlich weltweit zweitgrößter Exporteur von Rohbaumwolle und lebt hauptsächlich von den Einnahmen aus dem Verkauf.

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Obwohl es Baumwollsorten gibt, die mit wenig Wasser, beispielsweise aus geringen Niederschlägen und dem Grundwasser, auskommen, wird der Anbau dieser Sorten aufgrund der etwas schlechteren Faserqualität von staatlicher Seite nicht gefördert.

Steigendes Grundwasser

Salzausfällung auf Baumwollfeld © Edda Schlager

Doch die Bewässerungspraktiken in der Region verursachen nur eine weitere Versalzung der Böden. Die Wasserkanäle sind so groß wie Flüsse. Zum einen verdunstet so ein Großteil des aus dem Amudarja entnommenen Wassers, bevor es überhaupt die Felder erreicht. Zum anderen verursacht die Bewässerung einen Anstieg des Grundwasserspiegels. Weil so viel Wasser verdunstet, wird das Grundwasser nach oben gesaugt und hinterlässt dann im Boden die schädlichen Salzkrusten. 15 bis 20 Tonnen Salz pro Hektar und Jahr kommen so an die Oberfläche, haben die Forscher vom ZEF festgestellt.

Das Problem ließe sich mit weniger Bewässerung lösen. Doch obwohl die Ursache für die starke Versalzung bei den Bauern bekannt ist, bleiben die bei ihren alten Praktiken. Der Grund: Die Bauern bekommen das Wasser für ihre Felder von den staatlichen Behörden zugeteilt. Da es schwierig ist, regelmäßig Wasser zu erhalten, bewässern die meisten auf Vorrat – und damit zu viel.

Integriertes Ressourcennutzung

Nachdem die Forscher vom ZEF diesen Zusammenhang erkannt hatten, haben sie begonnnen, ein integriertes Land- und Wassernutzungskonzept aufzustellen, gemeinsam mit den Bauern und heimischen Wissenschaftlern vor Ort.

Zum einen setzen die Deutschen auf neue politische Konzepte. So wird derzeit auf Testfarmen in Erfahrung gebracht, ob eine kostenpflichtige Abgabe des Wassers zu sparsamerem Umgang führt. Zum anderen sollen Institutionen vor Ort in die Umsetzung der Forschungsergebnisse eingebunden werden, denn ohne eine Akzeptanz durch staatliche Entscheidungsträger, sei ihre Arbeit sinnlos, so die Forscher vom ZEF. Zum Dritten werden zur Zeit neue Methoden des Ressourcenmanagements getestet. Beispielsweise hat sich schon gezeigt, dass die Aufforstung des alten Seebodens mit salzresistenten Pflanzen wie beispielsweise Saksaul nicht nur machbar ist, sondern auch entscheidende Vorteile für die Umwelt bringt. Die Winderosion kann gestoppt werden und der Boden erhält durch Wurzeln und absterbende Pflanzen zusätzliche organische Substanz – der Wasserverbrauch wird verringert.

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Stand: 05.01.2007

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Aralsee
Neuigkeiten von einer ökologischen Katastrophe

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Zum Weiterlesen
Links und Literatur

„Das Meer kommt zurück“
Hoffnung in Aralsk

„Gerettet, was zu retten ist“
Der Aral wird zum Stausee

Kampf dem Salz
Land- und Wassernutzung in Usbekistan

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Die Heuschreckenplage von Karakalpakistan

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