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Kamele

Durstkünstler und Wüstenschiffe

Eine Oase ohne Kamel ist wie ein japanischer Monsterfilm ohne die mutierte Riesenechse Godzilla. Zwar sind die Wüstenschiffe bei weitem nicht so groß wie Godzilla, aber sie besitzen ebenso außergewöhnliche und herausragende Fähigkeiten wie die Echse aus Fernost.

Egal ob ein Höcker – wie bei den Dromedaren in den heißen Wüsten Afrikas und des Nahen Ostens – oder zwei Höcker – wie die Trampeltiere in den kalten Trockengebieten Zentralasiens – schon seit Urzeiten nutzen die Wüstenbewohner Kamele zu den verschiedensten Zwecken.

Der Überlieferung nach hat bereits Marco Polo auf ihre Qualitäten vertraut, als er sich Ende des 13. Jahrhunderts auf den Weg zu den Reichtümern Chinas machte. Im Mittelalter waren sie aus den Karawanen, die Sklaven, wertvolle Gewürze und andere Reichtümer quer durch die Wüsten transportierten, nicht wegzudenken. Und auch heute im Zeitalter von Concorde, Transrapid und Space Shuttle spielen die Kamele für viele Wüstenbewohner eine überragende Rolle als Reittier, Transportmittel oder Milchlieferant. Sogar der Kameldung wird gesammelt und getrocknet und dient als quasi erneuerbare Energiequelle.

Warum aber sind gerade Kamele so gut für das Leben in der Wüste geeignet? Die Durstkünstler überleben, wenn sie gut getränkt sind, mehr als eine Woche problemlos ohne jede weitere Wasserzufuhr. Sie verfügen dafür über eine Art integriertes Zwischenlager für Flüssigkeit in ihrem Körper. Dieses befindet sich allerdings nicht, wie man früher vermutete, in den Höckern – diese dienen in erster Linie als Energiespeicher vor allem in Form von Fetten – sondern in großen, speziell dafür ausgerichteten Zellen der Magenwand.

Das gespeicherte Wasser wird in den Trockenzeiten nach und nach dem Stoffwechsel wieder zugeführt. Zusätzliches H2O für die Lebensvorgänge im Inneren des Körpers kann zudem über den Abbau des in den Höckern gespeicherten Fetts frei werden. Dieses Wasser wird entsprechend seiner Herkunft auch als Oxidationswasser bezeichnet.

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Trotz dieser Vorratswirtschaft ist es natürlich auch für die Kamele wichtig, mit dem zur Verfügung stehenden kostbaren Nass sorgsam umzugehen und nur wenig Wasser durch Exkretion und Transpiration zu verlieren. Die Wüstenschiffe haben auch hierfür eine elegante Lösung gefunden. So sind sie in der Lage, einen außerordentlich konzentrierten Urin und Kot zu produzieren. Während der langen Wüstenwanderungen können sie zudem die Nasenlöcher fest verschließen, um so möglichst wenig Wasser über die Atmung zu verlieren.

Noch ein weiteres Phänomen erhöht die Wüstentauglichkeit der Kamele erheblich. Ihr Körper zeigt eine stark erhöhte Toleranz gegenüber Wasserverlusten. Führt beim Menschen eine Abnahme des Wassergehalts um 10 bis 12 Prozent bereits zu erheblichen Störungen des Stoffwechsels oder zum Tod, können Kamel doppelt so hohe Verluste problemlos überleben. Das liegt daran, dass beim Menschen das Blutvolumen bei großen Wasserverlusten schneller abnimmt als das Körperwasser. Das Blut wird so immer zähflüssiger und kann die überschüssige Körperwärme nicht mehr schnell genug zur Abgabe an die Haut transportieren.

Die Wüstenschiffe dagegen halten den Wassergehalt im Blutplasma durch besondere Regelmechanismen auch dann noch relativ konstant, wenn sie bereits große Mengen Flüssigkeit verloren haben. Die „Schmerzgrenze“ der Kamele für den Wasserverlust kann bei ausgedehnten Karawanenexpeditionen bei weit über 120 Liter liegen.

An einem Wasserloch oder in einer Oase angekommen, gleichen die Kamele ihre Wasserdefizite durch einmaliges Trinken in kürzester Zeit – maximal zehn Minuten – wieder aus.

Die Kamele sind mit ihrer Toleranz gegenüber Wasserverlusten im Tierreich aber keineswegs einsame Spitzenreiter. Einige Eidechsenarten können – allerdings nur kurzzeitig – bis zu 50 Prozent und einige Schnecken bis zu 80 Prozent ihres Wassergehaltes verlieren ohne daran zu sterben.

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Stand: 14.06.2001

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Oasen
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