In Zukunft nur noch „Stallhaltung“? - scinexx | Das Wissensmagazin
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In Zukunft nur noch „Stallhaltung“?

Kaviar aus Aquakultur

Fast überall auf der Welt werden die Störpopulationen mittlerweile durch künstliche Aufzucht in Fischereibetrieben am Leben erhalten. Doch das Know-How der Züchter birgt auch eine andere Möglichkeit – Kaviar aus Aquakultur.

Entnahme des Rogens zur Zucht © Edda Schlager

Die „Stallhaltung“ für Fische hat sich weltweit längst etabliert. Norwegen hat so in den letzten 30 Jahren Lachsfleisch zu einem Massenprodukt gemacht. Und ein Großteil der weltweiten Shrimps-Produktion kommt mittlerweile aus künstlicher Zucht. Mit der Verbesserung der Aquakultur-Technik durch permanente Frischwasser-Zufuhr, zuverlässige Temperaturregelungen und ausgeklügelte Fütterungsmethoden können mittlerweile auch die anspruchsvollen Störe in „Käfighaltung“ bis zur Geschlechtsreife gezüchtet werden.

Die USA, Frankreich und Italien, aber auch China, Bulgarien oder Rumänien beliefern den Weltmarkt bereits regelmäßig mit Kaviar aus Aquakultur. Das bietet nicht nur eine Chance, die Störe, die noch in freier Wildbahn leben, vor der drohenden Ausrottung zu retten. Die stetig steigende Nachfrage nach Kaviar, der immer noch als Statussymbol gilt, verspricht den Züchtern auch hohe Gewinne.

Verkehrte Welt

Qualitäts-Check vor künstlicher Befruchtung © Edda Schlager

Javier Alcalde aus Uruguay ist fest davon überzeugt, sich mit seiner Geschäftsidee eine Zukunft aufbauen zu können. Ihm und seinen Brüdern ist es gelungen, erstmals südlich des Äquators sibirische Störe zu züchten. Am Rio Negro, nördlich von Montevideo, können die Störe unter nahezu idealen Bedingungen aufwachsen, bei 19 Grad Wassertemperatur, mit einem russischen Kaviarmeister, der für ihr Wohlbefinden sorgt. Schon nach 18 Monaten werden Weibchen von Männchen getrennt, nach vier Jahren sind die Weibchen geschlechtsreif und liefern den ersten Kaviar. In Freiheit in Sibirien brauchen die Störe dafür zwölf, in europäischer Aquakultur acht Jahre.

Im vergangenen Jahr haben die Alcalde-Brüder bereits anderthalb Tonnen südamerikanischen Kaviar verkauft, ab 2008 sollen es jährlich 15 Tonnen sein.

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Kaviar – Made in Germany

Künstliche Nachzucht © Edda Schlager

Selbst in Deutschland hat man ernsthafte Absichten, sich am boomenden Geschäft mit den schwarzen Fischeiern zu beteiligen. In Demmin in Mecklenburg-Vorpommern hat die amerikanische Firma Caviar Creator im vergangenen Jahr die derzeit größte Aquakultur-Anlage der Welt eingeweiht. In 320 Wasserbecken mit einer Fläche von 12..000 Quadratmetern, etwa so viel wie anderthalb Fußballfelder, sollen hier künftig mit sibirischen Stören pro Jahr 33 Tonnen Kaviar und 400 Tonnen Störfleisch produziert werden.

Weil der Handel mit Wildkaviar abnehme, sind sich die Züchter aus Demmin sicher, werde die Nachfrage nach ihrem Kaviar in den nächsten Jahren weiter steigen – trotz Preisen von knapp 1.000 Euro für 500 Gramm Kaviar.

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Stand: 30.06.2006

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Kaviar
Schwarze Zukunft für Störe und Feinschmecker

Kalaschnikows und Ameisenverkehr
Odyssee einer Delikatesse

Das schwarze Gold der Zaren
Nachhaltigkeit bei Romanows und Breschnew

Acipenser, der Stör
Ein lebendes Fossil

Globale Großfamilie vor dem Aus?
Stör-Habitate schwer geschädigt

Cites und die Quoten
Weltweite Wacht über Kaviarhandel

Indiskretion mit Satellitentechnik
Lebenswandel der Störe wird beleuchtet

In Zukunft nur noch „Stallhaltung“?
Kaviar aus Aquakultur

Von Beluga bis Waxdick
Das Who is Who der Störfamilie

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