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Im Zickzackkurs zur Beute

Wie Haie ihre Nahrung finden

Mörderischer Hai © Carl Roessler

Wer bei den Lorenzinischen Ampullen an Drogen oder medizinische Infusionen denkt, liegt völlig falsch. Es handelt sich dabei um ein Sinnesorgan der Haie, das bei der Jagd nach Beute eine große Rolle spielt.

Die Lorenzinischen Ampullen sehen aus wie kleine Poren, die rund um die Schnauze des Hais verteilt sind. Im Inneren bestehen sie aus einem verzweigten System von Hohlräumen und Kanälen. Darin befinden sich eine schleimige oder gallertartige Masse sowie zahlreiche Sinneszellen, mit denen die Haie elektrische Spannungen wahrnehmen können.

Doch was bringt den Haien dieser komplizierte Mechanismus? Jede Bewegung, jede Drehung und Wendung, jeder Herzschlag eines Beutetieres erzeugt ein minimales elektrisches Feld, das die Lorenzinischen Ampullen selbst über eine größere Entfernung registrieren können. Vom erstmaligen orten bis zum erfolgreichen Aufstöbern der nächsten potentiellen Mahlzeit ist es dann nur noch ein kleiner Schritt. Denn die Haie sind nicht nur Meister im „Erschnüffeln“ winziger Ströme, auch Blut und andere Gerüche im Wasser entgehen ihnen nur selten.

Blutgeruch

Die Sinneszellen in den Nasengruben sind so empfindlich, dass sie Blut beispielsweise noch bei einer Verdünnung von eins zu 100 Millionen riechen können. Rekordhalter sind jedoch einige Riffhaie, die selbst bei einem Blut-Wasser-Mix von eins zu zehn Milliarden noch immer ihrer Beute auf die Spur kommen. Hat der Hai Witterung aufgenommen, folgt er den Duftpartikeln im Wasser wie ein Hund einer Kaninchenspur. Dabei entsteht gelegentlich ein abgehackter Zickzackkurs der aber am Ende fast immer zum gesuchten Fisch oder der Robbe führt.

Leben ohne Schwimmblase

Im Gegensatz zu vielen Räubern unter den Knochenfischen, überwinden die Haie bei ihrer Jagd nach Beute blitzschnell viele Tiefenmeter. Dies liegt daran, dass sie keine Schwimmblase besitzen, die erst mühsam und langwierig an die neuen Druckverhältnisse im Wasser angepasst werden muss.

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Wieso aber können die Haie ohne diese On-Board-Schwimmwesten im Wasser schweben? Woher stammt bei ihnen der nötige Auftrieb des Körpers? „Leber übernehmen sie!“ lautet in Abwandlung des Titels einer Krimiserie aus den 1960er Jahren das Motto bei den Haien. Das gewaltige Organ, das 20 bis 40 Prozent des gesamten Körpergewichts ausmachen kann ist mit großen Mengen an ölhaltigen Substanzen gefüllt und deshalb leichter als Wasser. Ein besonderer Bestandteil der Leber, das Squalen, ist in der Kosmetikbranche als fetthaltiger Zusatz für Cremes und Pasten begehrt und hat deshalb schon viele Haie das Leben gekostet.

Seinen Teil zum Auftrieb trägt aber auch das Skelettsystem der Meeressäuger bei, das aus Knorpel besteht, der viel leichter und biegsamer als die Knochen der anderen Fische ist.

Gesundheitspolizisten der Meere

Da Haie zusammen mit einigen Walarten wie dem Schwertwal an der Spitze der Nahrungskette im Meer stehen übernehmen sie ähnlich wie Löwe oder Wolf an Land eine wichtige Rolle als Gesundheitspolizei. Sie jagen und erbeuten vor allem kranke oder schwache Fressfeinde und halten so das Ökosystem Meer im Gleichgewicht. Das Ausrotten von Haien kann deshalb fatale Folgen haben. So kam es nach dem Schrumpfen der Hammerhai-Populationen in den Küstengewässern des Sonnenstaates Florida zu einer gewaltigen Schwemme an Stachelrochen, da sich diese in Ermangelung von Räubern ungehindert vermehren konnten.

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Stand: 06.07.2003

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Inhalt des Dossiers

Haie
Vom Jäger zum Gejagten

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