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Im Schatten der Erde

Wie entsteht eine Mondfinsternis?

So etwa alle ein bis zwei Jahre geschieht es: Die gewohnt helle Silberscheibe des Vollmonds verfinstert sich und verfärbt sich vorübergehend blutig rot. Der Grund dafür ist der Schatten der Erde, der den Erdtrabanten vom Sonnenlicht abschirmt und so eine totale Mondfinsternis auslöst.

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Immer nur bei Vollmond

Aber warum geschieht dies nur bei Vollmond? Der Grund ist die Geometrie der Mondbahn. Bei einer totalen Mondfinsternis zieht der Mond genau durch den Schattenkegel, den Erde auf ihrer sonnenabgewandten Seite erzeugt. Das jedoch kann nur zur Zeit des Vollmonds geschehen, weil nur dann Mond, Erde und Sonne in einer Linie stehen. Die Mondoberfläche wird in dieser Zeit nicht mehr von der Sonne beschienen und strahlt daher auch kaum noch Licht in Richtung Erde zurück.

Doch wäre das schon alles, dann müsste sich theoretisch bei jedem Vollmond eine Finsternis ereignen – doch das ist offensichtlich nicht der Fall. Der Grund dafür: Die Mondbahn ist gegen die Erdbahn geneigt und das ganze System verdreht sich im Laufe der Zeit gegeneinander. Dadurch bewegt sich der Mond während der meisten Vollmonde bis zu 37.000 Kilometern ober- oder unterhalb der genauen Linie Erde-Sonne vorbei und „entkommt“ damit dem Schatten der Erde.

Durch die Schattenspitze

Nur etwa zweimal im Jahr kreuzt der Mond die Ebene der Erdbahn genau in einem der beiden sogenannten Mondknoten und kommt so in Reichweite des Erdschattens. Allerdings reicht auch das noch nicht aus, um uns einen spektakulären „Blutmond“ zu bescheren. Dafür muss der Mond auch den Kernschatten der Erde treffen. Diese hat die Form eines riesigen spitzzulaufenden Kegels, der bis zu 1,4 Millionen Kilometer weit ins All hineinreicht. Nur wenn der Mond die Spitze dieses Kegels genau trifft, ereignet sich eine totale Mondfinsternis.

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Sichtbarkeit der Mondfinsternis vom 27. Juli 2018 © NASA

Bei einigen Finsternissen jedoch durchwandert der Mond nur den Halbschatten der Erde und wird daher kaum abgedimmt. Andere ereignen sich zu einer Zeit, in der der Mond bei uns schon untergegangen ist. Denn eine Mondfinsternis ist immer nur etwa auf der halben Erdkugel sichtbar. Das ist zwar deutlich mehr als eine Sonnenfinsternis, die nur einen sehr schmalen Schattenpfad erzeugt, reicht aber aus, um nicht von überall aus sichtbar zu sein.

Die aktuelle Mondfinsternis kann in Europa, Afrika, in Teilen Asiens und in Australien beobachtet werden – allerdings nicht überall in voller Länge. Pech haben diesmal die Menschen in Nordamerika: Der Mond steht während der Finsternis bei ihnen unter dem Horizont.

Zyklische Wiederkehr

Wann welche Mondfinsternisse anstehen, lässt sich jedoch ziemlich genau vorhersagen. Denn sie folgen einem rund 18-Jährigen Zyklus, dem sogenannten Saros-Zyklus. Nach dieser Zeit von 223 Vollmonden stellt sich die gleiche Geometrie zwischen Sonne, Mond und der Erde ein – eine fast identische Finsternis findet statt. Der Mond steht dabei von der Erdoberfläche aus gesehen am Himmel an nahezu der gleichen Position und verfinstert sich fast zur gleichen Zeit.

Die aktuelle Mondfinsternis gehört zur Serie 129 der Saros-Zyklen. Sie umfasst insgesamt 71 totale Mondfinsternisse, die alle entstehen, wenn der Mond durch den absteigenden Mondknoten zieht. Die nächste Mondfinsternis aus dieser Saros-Serie ereignet sich im August 2036, die vorherige fand am 16. Juli 2000 statt.

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Nadja Podbregar
Stand: 26.07.2018

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Roter Mond und naher Mars
Das Jahrhundertereignis am Abendhimmel

Was passiert wann?
Der Ablauf der Mondfinsternis

Die perfekte Finsternis
Was gibt es während des "Blutmonds" zu sehen?

Leuchtender Mars
Die Perihel-Opposition des Roten Planeten

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