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Hunde im Schafspelz, Lappen und Elektroschocker

Wie Schafe sich den Wolf vom Hals halten

April 2002: Ein Alptraum wird war: Wölfe reißen 27 Schafe in Sachsen. In der Nähe von Neustadt blickt der Schäfer Frank Neuman verstört auf seine 15 blutigen Schafe. Neun weitere Tiere sind verschwunden und drei so schwer verletzt, dass sie notgeschlachtet werden müssen. Die Wolfsexpertinnen vom Wildbiologischen Büro LUPUS werden gerufen. Gesa Kluth und Ilka Reinhardt sind sich sicher: Es waren Wölfe. Leider. Jetzt bleibt nur noch eins: Lernen für die Zukunft. Wie können Schafe und andere Nutztiere vor Wolfsangriffen besser geschützt werden?

Hierzulande hat seit der Ausrottung der Wölfe der Leichtsinn in der Viehhaltung regiert. Oft stehen Viehherden, vor allem Schafe und Ziegen, nicht auf einer umzäunten Weide, sondern grasen auf freien Wiesen. In Ländern, wo der Wolf schon immer lebte, haben die Menschen dagegen über Jahrhunderte hinweg ihre Viehhaltung an das Raubtier angepasst. So sind traditionelle Methoden auch heute noch wirkungsvolle Schutzmaßnahmen.

Der Schutzhund – Bruder zwischen den Fronten

Hundewelpen trifft Schaf © IFAW

Neben dem Menschen ist ein Herdenschutzhund die flexibelste Möglichkeit das Vieh zu schützen. Er begleitet die Herde in jedem Gelände und erfordert kein zusätzliches Material. Doch alle Hunde stammen vom Wolf ab. Sie sind enge Verwandte sozusagen. Wie kommt es dann, dass es Hunde gibt, die gegen ihren eigenen „Bruder“ kämpfen, um „ihre“ Schafe zu beschützen?

In Europa werden schon seit Jahrhunderten spezialisierte Arten gezüchtet: etwa der französische Pyrenäenberghund, der rumänische Karpatenhund und der kaukasische Schäferhund. Die Hunde begegnen den Schafen schon als Welpen. Sie wachsen in der Schafsherde auf und die Weidetiere werden so Teil ihrer Familie. Daher darf auch die Bindung zum Menschen nicht zu eng werden. Der Hund muss wissen: Nicht der Wolf, nicht der Mensch, sondern die Schafe sind jetzt sein „Rudel“.

Rote Stofffetzen gegen hungrige Wölfe?

Lappenzaun © LUPUS

Eine besonders einfache und doch effektive Sicherheitstechnik ist der „Lappenzaun“: An einer starken Schnur sind rote Stofffetzen in geringen Abständen fest angenäht. Wie jeder andere Zaun begrenzt der Lappenzaun die Weide und hindert die Schafe oder Ziegen am Ausbrechen. Gleichzeitig aber scheinen die flatternden Stoffstreifen und der Geruch des Menschen an dem Stoff eine unüberwindbare Barriere für den Wolf zu bilden – er traut sich nicht, den Zaun zu passieren. Der Internationale Tierschutzfonds (IFAW) und die polnische Wolfsexpertin Sabina Nowak arbeiten schon seit Jahren erfolgreich mit den Lappenzäunen. Kürzlich haben sie mehrere Kilometer Lappenzaun dem Wildbiologischen Büro LUPUS übergeben, wo sie von gefährdeten Viehhaltern in Sachsen ausgeliehen werden können.

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Elektro gegen Instinkt

Die modernen Elektrozäune dagegen werden vor allem auf größeren, länger genutzten Weiden eingesetzt. Mit 5.000 Volt jagen Stromimpulse dem angreifenden Wolf bei Berührung einen gehörigen Schrecken ein. Natürlich müssen die Zäune dafür so engmaschig sein, dass der Wolf nicht „ungestraft“ hindurch kriechen kann. Und der Viehbesitzer muss die Zaundrähte und den Stromimpuls am Besten täglich testen. Denn ohne Strom sind die dünnen Zäune leicht zu überwinden. Oberhalb des Elektrozauns flattert meist noch ein weißes Band im Wind. Das „Flatterband“ bietet zusätzlichen Schutz, da die Wölfe sich – ähnlich wie beim „Lappenzaun“ – offenbar nicht an die wehenden Streifen herantrauen.

Herdenschutzhund © LUPUS

Gesa Kluth, vom Wildbiologischen Büro LUPUS berät die Viehhalter, wie sie ihre Schafe am Besten schützen können: „Die Schafhalter sind nicht unbedingt Pro Wolf eingestellt, verhalten sich aber sehr kooperativ in der Frage, dass der Wolf nun einmal da ist und sie sich daran anpassen müssen. Sie interessieren sich für Schutzmaßnahmen, und wenden sie auch verlässlich und kompetent an.“ Auch Frank Neumann hat aus seiner Not eine Tugend gemacht. Allen Schäfern voran zeigt er sehr viel Eigeninitiative im Schutz vor und im Umgang mit den Wölfen.

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Stand: 30.09.2005

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Comeback der Wölfe
Neubeginn zwischen Faszination und Schrecken

Die Chronologie eines Wiedersehens
Von den ersten Schritten bis zu den jüngsten Welpen

Freud und Leid - Der Wolf ist da
Zwei Seiten einer Medaille

Wüste, Gebirge, Ewiges Eis – der Wolf ist überall
Auf der Suche nach einer neuen Heimat

Der Weg der Wölfe
Gibt es eine Wanderroute der Wölfe nach Deutschland?

Wer hat Angst vorm „bösen“ Wolf?
Mensch trifft Wolf

Märchen, Monster, Mythen - und Wahrheit
Eine Geschichte von Angst und Bewunderung

Von Rudelführern und Heulsusen
Das soziale Verhalten der Raubtiere

Der Wolf im Zielfernrohr
Der Jäger wird gejagt

Hunde im Schafspelz, Lappen und Elektroschocker
Wie Schafe sich den Wolf vom Hals halten

Warum Wölfe Manager brauchen
Die Zukunft von Isegrim

Steckbrief
Kurzinfos zum Wolf

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