»Hot Jupiters« statt »Hot Dogs« - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wenn Sterne ihre Planeten verschlingen

»Hot Jupiters« statt »Hot Dogs«

Roter Riese © NASA/STScI

Eine fesselnde Variante des kosmischen Kannibalismus spielt sich auf der Ebene von Sternen und Planeten ab, wenn Sonnen ihrem Ende entgegen gehen und sich zu Roten Riesen ausdehnen. Gerade in den vergangenen Jahren haben Astronomenteams, wie vor allem das erfolgreiche Duo Geoffrey Marcy und Paul Butler, zahlreiche Planeten um andere Sterne aufgespürt.

Naturgemäß handelte es sich bei den neu entdeckten Welten bislang stets um riesige Objekte, die teils ein Vielfaches der Jupitermasse auf die Waage bringen. Und interessanterweise kreisen sehr viele dieser Giganten auf sehr engen Bahnen um ihren Heimatstern. Es müssen daher besonders fremdartige, heiße Super-Welten sein, für die es im Sonnensystem nicht eine einzige Analogie gibt. Astronomen sprechen von »Hot Jupiters«, den heißen Jupiters. Nach heutigen Abschätzungen dürfte es im Milchstraßensystem rund 100 Millionen sonnenähnliche Sterne geben, die von solchen Planeten umgeben sind oder aber von braunen Zwergen, sehr lichtschwachen kleinen Sonnen also.

Hot Jupiter wird von Riesenstern verschlungen © NASA/STScI

Mario Livio, Astronom am Space Telescope Science Institute entdeckte zusammen mit seinem Mitarbeiter Lionel Siess verlässliche Hinweise darauf, dass einige solcher Hot Jupiters von Riesensternen verschlungen worden sind. Ein solches Mahl hinterlässt durchaus Spuren. Die verdächtigen Sterne fallen durch übermäßige Infrarotstrahlung auf, sie drehen sich schnell und enthalten auch mehr Lithium als normalerweise zu erwarten ist.

Livio und Siess weisen darauf hin, dass sogar vier bis acht Prozent aller Sterne unserer Galaxis diese Eigenschaften besitzen, das ist ein recht hoher Anteil. Wenn ein Roter Riese einen ihn in geringer Distanz umlaufenden heißen Jupiter in sich einverleibt – oder gar mehrere -, dann wird die dabei frei werdende Gravitationsenergie den Stern aufheizen, er wird heller und größer. Dabei stößt er expandierende Gas-/ Staubschalen ab, die im Infrarotbereich zu strahlen beginnen, so erklären Livio und Siess.

Beim Einfang des Planeten wird auch das Drehmoment seiner Bahnbewegung auf den Stern übertragen, dessen Rotation auf diesem Wege beschleunigt wird. Zu guter Letzt injiziert der Planet zusätzliches Lithium in seine Heimatsonne, das normalerweise im Inneren der Sterne schnell zerstört wird. Hinweise dieser Art fand ein Team von Eso-Astronomen, darunter auch der berühmte Planeten-Entdecker Michael Mayor, mit Hilfe des 8,2-Meter-Teleskops »Kuyen« beim Stern HD 82943 im Sternbild Wasserschlange.

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Wenn unsere Sonne in etlichen Jahrmilliarden zum Roten Riesen wird, stehen ihr keine sehr »nahrhaften« Planeten zur Verfügung, sämtliche inneren Welten unseres Systems sind magere erdartige Körper. Jupiter und Saturn liegen zu weit draußen, als dass sie noch von der sich aufblähenden Sonne erreicht werden könnten. Doch unsere Heimatwelt wird in dem heißen Ungetüm, dem wir einst unser Sein und Werden verdankten, in die ewige Vergessenheit verdampfen.

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Stand: 07.07.2001

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Kannibalen im Kosmos
Fressen und Gefressen werden im Weltall

Facts
Das Wichtigste in Kürze

Das große Fressen
Kannibalismus statt "Sphärenharmonie"

"Star-Strip" auf der Weltraum-Bühne
Dem Rätsel der blauen Sonnen auf der Spur

Eine alltägliche "Unart"...
Materieklau in Doppelsternsystemen

Wenn "Materiemonster" zuschlagen
Schwarze Löcher als Kannibalen

Centaurus A
Galaxie mit »Bauchbinde«

Galaxien als kosmischer Multimix
Antennengalaxie und "Stephans-Quintett"

Schwerkraft-Gerangel im galaktischen Maßstab
Neues über "Hickson 87"

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